13. April 2015

Pottsche Frühlingsmeditation für Hampelmänneken

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, vor vielen Jahren habe ich mal einen Tipp bekommen. Eigentlich war es Kritik, aber an der Kritik hing ein Tipp dran, an den ich noch heute immer wieder gerne denke. Damals habe ich ein Praktikum in einem Kinder- und Jugendzentrum gemacht und fand mich eigentlich ganz gut. Also so praktikumstechnisch. Aber dann nahm mich irgendwann mein Chef beiseite und sagte: "Du guckst nicht richtig hin. Du hast keinen Blick für die Jugendlichen". Ich war spontan beleidigt. "PHÖ! Ich hab VOLL den Blick!", dachte ich. Tja. DACHTE ich. Denn dann hat Cheffe das genauer erklärt: "Du bist zu schnell im Kontakt mit den Jugendlichen. Sie kommen rein, Du rennst hin und gehst sofort in die Interaktion. So kannst Du sie nicht beobachten. Und wenn Du nicht beobachtest, kannst Du nicht richtig sehen."


Aha. Natürlich dachte ich trotzdem "PHÖ! WOHOOOHL!". Aber es änderte nichts daran, dass Cheffe wollte, dass ich mich ab sofort jeden Tag eine halbe Stunde einfach nur an einen Tisch setzte, um die Jugendlichen beim Offenen Treff zu beobachten. Keine Interaktion, kein Gequassel. Und wenn Cheffe das will, dann muss man das auch machen. Fand ich natürlich erst mal total beknackt. Rumsitzen? Langweilig!

Aber das war gut so. Ich habe sehen gelernt. Meine Güte, das klingt fast nach Jesus oder so. Aber es stimmt trotzdem. Mit der Zeit habe ich Gesten, Momente, Mimiken und Stimmungen gesehen, die ich verpasst hätte, wenn ich mich mitten im Gewusel befunden hätte. Und heute weiß ich, dass dies das wahrscheinlich Wertvollste war, was ich in meinem ganzen Sozpäd-Studium gelernt habe. 

Trotzdem vergesse ich das natürlich ständig. Ich bin einfach so'n Hampelmänneken, das immer rumrennt, irgendwas macht und quasselt. Wenn ich auf Trallafitti bin, halte ich es stets mit "Viel hilft viel". Möglichst viele Fotos, möglichst viele Locations, möglichst viele Perspektiven. Immer ganz schnell klick, klick, klick. So bin ich einfach. Aber manchmal erinnere ich mich. Dann fällt mir ein, dass ich auf diese Weise ganz schön viel verpasse. Auch wenn es sich anders anfühlt.


Also habe ich mir in den letzten Tagen Zeit genommen, mir den Frühling im Ruhrgebiet mal RICHTIG anzugucken. Ohne "Viel hilft viel", ohne Hetzerei, ohne schnelles klick, klick, klick. Und das hatte fast etwas Meditatives. Also habe ich mir spontan vorgenommen, das jetzt öfter so zu machen. Aber ganz ehrlich: Werd ich eh nicht machen. Aber vielleicht reicht es auch, sich ab und zu einfach mal daran zu erinnern.


Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich jetzt noch irgendetwas Tolles zu diesen Fotos schreiben sollte. Tja. Sind halt Fotos. Von Blumen. Und so. Angereichert mit meditativer Rumkriecherei in Büschen und Wiesen, schmutzigen Knien, dreckigen Hosenböden und komischen Blicken von diversen Passanten. Wieso guckt eigentlich keiner komisch, wenn ich Konfetti in Pfützen werfe oder auf Halden Karatesprünge absolviere, um Fotos davon zu machen?! Dagegen erscheint mir das Fotografieren von Naturgedöns vergleichsweise doch weitaus harmloser. Sehr mysteriös.


Vor einigen Wochen habe ich übrigens an Berits Fotografie-Workshop teilgenommen, um mich endlich mal an das manuelle Fotografieren heranzuwagen. Was das angeht, habe ich mich bisher nämlich immer wie früher im Matheunterricht gefühlt. Egal wie sehr ich mich bemüht habe...ich hab einfach nix verstanden. Da war tatsächlich immer nur ein stoisches Rauschen in meinem Kopf. Und dieses Rauschen kehrte nun sehr zuverlässig immer genau dann zurück, wenn mir jemand etwas zum Thema "Blende, Belichtungszeit und Co." erzählen wollte. Sehr unpraktisch, wenn man eigentlich lieber KEIN Doofkopp wäre, der seine Kamera grundsätzlich nur um Automatikmodus bedient. 

Jedenfalls hat Berit das Rauschen geknackt! Jetzt brauche ich zwar für jedes Foto mindestens 3x so lange wie früher, aber dafür habe ich nun am Fotografieren auch mindestens 3x mehr Spaß. Ein fairer Deal, finde ich. 


Viel toller als irgendwelche Frühlingsblumen finde ich übrigens die Tatsache, dass es endlich wieder Melonensalat gibt. Ein Leben mit Melonensalat ist nämlich ein gutes Leben! In diesem Sinne: Guten Tag und guten Weg.

Merke: Am Freitag ist in Essen übrigens eine Autoscooterdisco angesagt!
Wie bekloppt und großartig ist das denn, bitte?!

8. April 2015

Der Tod der Ruhrpottromantik

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich habe ziemlich oft ziemlich konkrete Pläne. Mal größere, mal kleinere, aber immer zieeeemlich konkret. Dies soll genau SO werden, jenes soll genau SO schmecken, was Anderes soll genau SO klappen. So und NICHT ANDERS. 


Tja. Das funktioniert natürlich nicht. Sozusagen nie. Aber das ist okay. Egal in welchem Kontext...es läuft doch immer auf Folgendes hinaus: 

Ich so: Plan. 
Plan so: "Och. Nö!"
Ich so: "Maaaahhh. Komm schon!"
Plan so: "Nö. Nönö."
Ich so: "Pfff."

Dann bin ich kurz beleidigt. Und dahaaaann passiert etwas Eigenartiges:

Leben so: "Aber wie wär's damit?!" (damit = voll die Alternative)
Ich so: "Och. Okay!"

Ich halte es ja gerne mit dem Spruch "Irgendwas is immer!", aber mindestens genauso wahr ist "Irgendwas geht immer!". Und weil das eins der besten Grundgesetze ist, ist es vollkommen okay, dass mein gestriger Plan nicht aufgegangen ist. Ich wollte nämlich Fotos machen. Ganz bestimmte Fotos. Das klingt jetzt schon fast anzüglich. Nein, SOLCHE Fotos wollte ich nicht machen. Jedenfalls hat das mit den ganz bestimmten Fotos nicht geklappt, ich war folglich beleidigt und dann das Leben so "Aber wie wär's damit?" und ich dann so: "Och. Okay!"

Aber für "Och. Okay!"-Fotos freue ich mich jetzt fast ein bisschen ZU sehr über das Ergebnis. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab das Tetraeder fotografiert. Im Sonnenuntergang. Obwohl ich das gar nicht wollte. Und das ist nicht nur okay, sondern gut so. 


Na gut. Vielleicht habe ich gar nicht so sehr das Tetraeder im Sonnenuntergang fotografiert, sondern eher den Sonnenuntergang NEBEN dem Tetraeder. Aber der war auch echt n Knaller!


Joa. Und dann bin ich nach Essen gefahren und habe Katzenfutter gekauft. So findet selbst die schönste Ruhrpottromantik ein jähes Ende. 

Und weil mich so viele nach dem Lied gefragt haben, mit dem ich so gerne das Holland-Video, das ich nicht gezeigt habe, unterlegt hätte, löse ich das Mysterium jetzt auf: KLICK! Was das angeht, bin ich nämlich fertig mit Beleidigtsein. Hat ja nur zwei Monate gedauert...

Merke: Auf Nikes Blog durfte ich vorgestern meine 10 liebsten
Songfreunde vorstellen. KLICK!

26. März 2015

Ein Meerblickbett und mehr. Viel mehr!

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, eigentlich wollte ich ja nicht über meinen Geburtstagsausflug nach Holland bloggen, aber dann ist ordentlich Wasser die Ruhr runter geflossen und auf einmal hab ich "Och, will ich wohl!" gedacht. Und weil man in meiner Welt seine Meinung auch ruhig mal ändern darf, mach ich das jetzt einfach.


Man könnte also behaupten, dass ich mal wieder Euren nächsten Holland-Urlaub geplant habe. Und der Plan lautet wie folgt:

1. Ihr fahrt nach Egmond aan Zee. Da kommt Ihr nicht drumherum, denn Ihr müsst Euch dort in das tollste Meerblick-Hotel-EVER Golfzang einbuchen, um vom Bett aus beim Aufwachen direkt das Meer sehen zu können. Und zwar FRONTAL!


Ich habe angesichts dieser Sachlage/Bettposition mehr oder weniger ununterbrochen vor Ort gequiekt. Als "normale" Menschen quiekt Ihr vielleicht nicht, aber wahrscheinlich flippt Ihr zumindest innerlich trotzdem ein bisschen aus, denn sonst würde mit Euch etwas nicht stimmen. Frontaler Meerblick von einer unfassbar guten Matratze aus...HALLO?!


Zimmer mit Meerblick kosten zwar einen Aufpreis, aber für die Freude darüber hätte ich glatt sogar den DOPPELTEN Aufpreis gezahlt. Und weil ich nun schon zwei Mal dort genächtigt habe, darf ich Euch als ausgewiesene Expertin darauf hinweisen, dass Ihr bei der Buchung nach einem Zimmer in den oberen Etagen (am besten in der obersten!) fragen solltet, denn je weiter oben man residiert, desto toller ist der Blick. Schläft man in der ersten Etage, glotzt man halt teilweise auch noch auf die Promenade und die Parkbuchten. Ohne is schöner und kostet den gleichen Aufpreis.


Außerdem wesentlich: Nur die Meerblickzimmer verfügen über eine begehbare Regendusche UND eine Badewanne. Und allein die Badewannen-Sachlage wäre mir in meiner badewannenlosen Existenz fast schon den Aufpreis wert.

2. Vom Balkon aus könnt Ihr dann natürlich nicht nur das Meer, sondern auch die Möwen anschmachten. Die fliegen dort nämlich die tollsten Formationen! Und weil man oben ja näher am Himmel is, kann man die Möwen natürlich viel besser fotografieren als vom Strand aus. Ihr merkt: Das hier sind heute eeeechte Experten-Tipps!


3. So. Ich fasse kurz zusammen: Ihr kommt an, rennt einmal kurz zum Strand, checkt dann im Hotel ein, hüpft zwischen Bett und Balkon hin und her und vergewissert Euch ca. 49x, dass das Meer echt noch da ist, wenn man einmal kurz weggeguckt hat, sympathisiert mit den Möwen und dackelt wieder zum Strand.


Und dann?! Dann habt Ihr Hunger. Was sonst?! Dann könnt Ihr in das kleine Städtchen tapern, das keine 5min Fußweg vom Hotel entfernt liegt und Euch eins von den netten, kleinen Lokalen rauspicken. Oder Ihr futtert direkt im Hotel. Dort gibbet nämlich ein schniekes Restaurant namens Chica's, in dem man eine Pizza Blanche bestellen kann...also eine Pizza mit weißer Tomatensoße und diversen Belägen. Hab ich selbst nicht gegessen, aber immer bestaunt, wenn ich sie auf den Tellern anderer Leute gesehen habe. Und ich hab sie nur nicht probiert, weil ich am Meer unbedingt Fisch essen wollte. Also...in nem Restaurant...jetzt nicht so mit nackten Füßen und Stockspeer in der Hand...Ihr wisst schon.


4. So. Dann habt Ihr gegessen, schnappt nomma frische Luft am Strand, geht zurück aufs Zimmer, lasst Euch ne Badewanne ein und ärgert Euch, dass man von der Wanne aus das Meer ja gar nicht sieht. Aber dann fällt Euch ein, dass es ja eh schon dunkel draußen ist und so könnt Ihr diesen optischen Trennungsschmerz einigermaßen verwinden. Dann ab inne Heia und bei geöffneter Balkontür einschlafen, weil: Meeresrauschen! Morgens wacht Ihr auf und rennt direkt auf den Balkon. Seid Ihr in den Wintermonaten dort, legt Ihr Euch dann erst mal fast auffe Schnüss, weil der Balkon unter Umständen massiv vereist ist. Aber weil Ihr jetzt vorgewarnt seid, besteht die Möglichkeit, dass Ihr diese Etappe auch einfach auslasst. Würde ich zumindest empfehlen. Dann krallt Ihr Eure Augen ins Meer und werdet langsam wach.


5. Dann habt Ihr wieder Hunger. Und deshalb geht Ihr im Chica's frühstücken. Wie immer in Holland fehlt es an RICHTIGEM Brot, aber Ihr habt gute Laune, deshalb macht datt nix.


6. Aufgegessen und ab ans Meer. So könnte es nun theoretisch für immer weitergehen. Aber nehmen wir mal an, Ihr seid in Ausflugslaune. Dann könntet Ihr nämlich Alkmaar einsacken. Das liegt nämlich direkt umme Ecke.


Im letzten Herbst hab ich Euch schon von De Bloemenschuit erzählt - einem Café, in dem die Gäste auch auf einem kleinen Bötchen mit Mini-Terasse bewirtet werden und einen sagenhaft leckeren White Chocolate Killer Cake essen können: KLICK!


Aber in Alkmaar gibbet noch vieeel mehr tolle Cafés, Restaurants und Lädchen. Und weil ich einen extrem investigativen Tag hatte, kann ich Euch jetzt gleich einen ganzen Rutsch ans geneigte Reiseherz legen! Und los geht's:

6.1. Fangen wir mit Soepp an. Da gibbet Vintagemöbel und Suppe. Ich mag Suppe, aber dort würde ich auch sitzen und essen wollen, wenn es nur trocken Brot gäbe, einfach weil der Laden SO schön ist!


Ich erzähle hier jetzt nicht zu jeder Location große Romane, sonst sprengt das noch den Rahmen, aber Teebeutel-Kunst?! DAS gehört an dieser Stelle dann doch ausdrücklich erwähnt! Ansonsten: Alles biologisch, frisch zubereitet und fast alles käuflich...also mit Blick auf das Mobiliar.


6.2. Das Café Kowalski ist mir gleich zwei Mal aufgefallen. Man kann es nämlich von der Vorder- und von der Rückseite des Hauses begehen und hätte nicht an beiden Seiten der gleiche Name dran gestanden, hätte ich von außen gar nicht geschnallt, dass sich der Laden einmal quer durch das gesamte Erdgeschoss des Gebäudes zieht. Die Vorderfront (naja, watt weiß ich denn wo da vorne und hinten ist?!) fand ich ganz nett, bin aber erst mal dran vorbeigelaufen. Die Rückseite hat mich dann aber doch richtig gekriegt...und zwar wegen der tätowierten Pappfigur in entzückender Unterwäsche. 


Ein Laden, der so etwas im Fenster stehen hat, gehört natürlich ausgekundschaftet! Hinter der Front verbirgt sich ein Café-Killefitt-Geschäft, in dem man unbedingt ein Stück Kuchen essen sollte. Außerdem kann ich das selbstgemachte Lavendel-Öl empfehlen. Ich habe es Berit als Urlaubsmitbringsel gekauft und es stand danach einige Zeit in meinem Wohnzimmer und hat selbst im geschlossenen Zustand einen sooo fabelhaften Duft verströmt, dass ich es ihr letztlich am liebsten gar nicht mehr geschenkt hätte. Hab ich aber trotzdem. Schweren Herzens. Also haltet Augen und Nase danach offen, falls Ihr dem Kowalski einen Besuch abstatten solltet.


6.3. So. Suppe, Kuchen, alles gut, aber irgendwann braucht man ja mal RICHTIGES zwischende Zähne, ne?! Und über den folgenden Tipp freue ich mich ganz besonders, weil ich das Restaurant schon vor Jaaaahren aufgetan habe, als ich mal ein paar Tage über Weihnachten in Alkmaar verbracht habe. Dort habe ich nämlich an Heiligabend gegessen und war hin und weg! Immer, wenn ich in den Folgejahren mal in Alkmaar war, hatte das Restaurant leider geschlossen und ich hab mir stets nur die Nase an der Fensterscheibe platt gedrückt. Nicht aber beim letzten Mal! Und deshalb kann ich Euch jetzt ENDLICH das Chada Thai empfehlen...


Wenn man den Laden betritt, wird man gebeten, seine Schuhe auszuziehen, wenn man auf der rechten Seite Platz nehmen will. Dort hockt man dann kuschelig auf so tiefergelegten Polsterdingern. Tolle Beschreibung, ich weiß. Aber Ihr seht ja auf den Fotos was ich genau meine...


Mir fällt kein Grund ein, warum man sich an die langweiligen, bestuhlten Tische auf der linken Seite setzen sollte. So ein Kuschelmopped ist doch viel...kuscheliger.

Aber natürlich würde ich Euch keinen Restaurant-Tipp nur aufgrund eines etwaigen Kuschelfaktors geben! Noch wichtiger als jede Muckelei ist natürlich in diesem Kontext das Essen. Und lasst es Euch gesagt sein: DIE CURRYS SIND GÖÖÖÖTTLICH! Ehrlich! So richtig, richtig ehrlich. Ehrenwort-ehrlich sozusagen! Außerdem sind die Servietten zu schönen Seerosen gefaltet. Kann man auch nur schwerlich doof finden. Und wenn ich nicht so scharf auf das Essen gewesen wäre, hätte ich vielleicht sogar ein paar schönere Fotos davon gemacht.


Aber wenn Ihr Euch mein futterseliges Foto von meinem ersten Besuch im Chada Thai anschaut, dann sollte der Lecker-Glaubwürdigkeit wirklich Genüge getan sein...


So. Damit wäre Euer nächster Hollandurlaub in Gänze durchgeplant. Meerblickbett, Möwenparty, Strandgenöns, bisskn shoppen und lecker essen. Jetzt müsst Ihr nur noch überlegen wann Ihr fahren wollt. Und wenn Ihr mir dann das Lavendelöl oder nen bemalten Teebeutel mitbringen würdet, wäre ich sehr dankbar.

Merke: Ich habe schon SO viele Leute im Hotel Golfzang untergebracht,
dass mir das Hotel ruhig mal 1-2 Übernachtungen schenken könnte. Aber echt mal!

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