Auf Trallafitti im WDR - und zwar heute!

27. August 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, heute ist für mich ein ziemlich besonderer Tag und ehrlich gesagt freu ich mich voll, denn: Ich bin heute im Fernsehen...


Nun war ich ja schon ein paar Mal im Fernsehen. Aufgeregt is man da immer, weil...das könnte ja wer gucken und "Bah, is die doof!" denken. Hinter so nem Blog kann man sich bei aller Extrovertiertheit ja trotzdem immer noch so'n bisskn verstecken: Man zeigt nur die Bilder, auf denen man sich okay findet. Wenn man einen Satz getippt hat, den man für ungut befindet, löscht man ihn einfach oder schreibt ihn um. Und bei selbstgedrehten Videos schneidet man natüüürlich nur die Szenen zusammen, die einem gefallen. Also alles ziemlich auf Nummer sicher.

Aber wenn man mehrere Tage im Ruhrpott unterwegs ist und dabei von ner WDR-Kamera gefilmt wird, dann fühlt sich das anders an. Man sieht sich ja selbst nicht während man durch die Gegend tapert. Man erzählt dies und das und nen Schwank und noch einen, und hinterher fragt man sich "Samma, watt hab ich da denn nomma GENAU erzählt?!". Aber man weiß es einfach nicht mehr genau. Und so bleibt einem nix Anderes übrig, als zu hoffen, dass man nicht besonders doof aussah und nix besonders Doofes gesagt hat.


So. Und warum ist das heute besonderer als sonst? Weil mich als Reaktion auf mein "Im Pott is schön"-Videochen vor einigen Wochen eine nette Frau vom WDR angerufen und gefragt hat, ob ich mir vielleiiiiicht vorstellen könnte, mit dem WDR vor der Kamera zusammenzuarbeiten. Und weil ich mich voll über die Frage gefreut und JA gesagt habe.

Nun steht da immer noch dieses dicke Vielleicht im Raum. Denn nur weil ich da Bock drauf hätte, heißt das noch lange nicht, dass es klappt. Und DESHALB bin ich heute besonders aufgeregt. Es handelt sich bei dem Filmchen, das heute in der Lokalzeit Ruhr mit mir gezeigt wird, also quasi um einen Test...so nach dem Motto "Mal gucken wie die das so macht" und vor allem "Mal gucken wie das die Zuschauer überhaupt so finden."


Der WDR will sich ja bekanntlich ein bisskn verjüngen und testet deshalb im Rahmen seiner aktuellen Aktion #machtan einige neue Formate. Die wichtigsten Chefs machen dann die Daumen rauf oder runter uuuuund es wird auf Einschaltquoten, Zuschauerrückmeldungen und Likes etc. geguckt. Und daaavon hängen dann alle weiteren Entscheidungen ab.

Ich bin also diesmal eeeecht aufgeregt, denn es geht eeeeecht um was. Ehrlich gesagt denke ich seit Wochen, dass jeden Moment das Telefon klingeln und jemand "Och Du, das war alles nur n Scherz!" sagen wird, aber noch ist das nicht passiert. Aber natürlich kann es sein, dass ich, nachdem die Sendung gelaufen ist, sowas wie "Nö, schade, kam voll nicht gut an" zu hören bekomme. Aber dann ist das halt so. Geht der Ruhrpott auch nicht von unter, ne?!

Jeeeedenfalls hab ich mit Sanni, die den Beitrag als freie WDR-Mitarbeiterin mit mir gedreht hat, Mordsglück gehabt. Wir haben uns vor den Drehtagen getroffen und gemeinsam überlegt was wir wo und vor allem wie drehen wollen. Und ich fand Sanni einfach sofort super. Man merkt ja, ob man ne Wellenlänge und Freude an ähnlichen Ideen hat...und das war bei uns zum Glück der Fall.

Also sind wir rumgedüst, waren in Essen, Oberhausen, Dortmund, Gelsenkirchen, Bottrop, Bochum und bei mir zu Hause, sind den Sonnenuntergängen hinterhergerannt, haben Fördertürme angeschmachtet und die Ruhr besucht, sind Seilbahn und Tretboot gefahren, haben 1-2 Haldewitzkas veranstaltet und ganz viel über das Ruhrgebiet gequatscht.


Daraus ist jetzt das entstanden, was heute Abend zwischen 19:30 und 20:00 im WDR zu sehen sein  und "Pilotfilm" genannt wird. Das klingt jetzt so, als ob da ein halbstündiger FILM mit mir gedreht worden wäre...was natürlich Quatsch ist. In Wahrheit handelt es sich um 5 Minütchen, in denen ich im Rahmen der Lokalzeit Ruhr einige meiner liebsten Plätze im Ruhrgebiet vorstelle, meine Liebe zur Heimat erkläre und noch ein paar Tipps fürs anstehende Wochenende gebe...einer davon ist zum Beispiel der erste Street Food Market in Bochum, der unter dem Namen Food Lovers nicht nur mit ganz viel leckerem Essen aus aller Herren Länder, sondern auch noch mit Livemusik aufwartet!


Sanni, ich hab es Dir ja schon am Telefon gesagt, aber ich will es auch hier nomma sagen: DANKE! Danke dafür, dass Du so viel Herzblut in den Beitrag gesteckt hast. Danke dafür, dass Dir keine Idee zu viel und kein Ziel zu weit war. Danke, dass Du mir die ganze Zeit das Gefühl gegeben hast, gut bei Dir aufgehoben zu sein. Und danke für die ganzen Verrenkungen, Deine Ideen und Deine Geduld. Sowas ist in dem Ausmaß alles andere als selbstverständlich und ich bin unheimlich froh, dass ich diese "Kiste" mit Dir zusammen machen durfte, denn egal was da jetzt in der Zukunft draus werden mag oder nicht...ich hatte einfach wirklich viel Freude mit Dir auf Trallafitti im Pott!


So. Auch wenn das doof klingt: Ich drücke mir jetzt für heute Abend einfach mal selbst die Daumen. Und falls Ihr Eure ein bisschen für mich mitdrücken wollt, würde ich mich riesig freuen, denn so ein kleiiiiines bisschen heimatPOTTential im WDR fänd ich für die Zukunft einfach schön, auch wenn es mir irgendwie unangenehm ist, hier ganz offen und ehrlich zu sagen: "Ich im Fernsehen...joa, da hätte ich schon Bock drauf!". Aber so isset und ich will ja auch nix Komisches auf RTL2 oder so machen, sondern ganz ordentlich im WDR auf Ruhrpott-Trallafitti gehen...also watt schön Solides mit n bisskn Herzensschmodder, Kodderschnauze und vor allem mit ganz viel Heimatliebe.

Also: Vielleicht habt Ihr ja Lust, heute Abend den WDR einzuschalten und mal reinzugucken?! Und wenn Ihr mir oder dem WDR bzw. der Lokalzeit Ruhr (auf Facebook oder so) danach sagen wollt wie Ihr den Beitrag so fandet...haut raus! Ich bin gespaaaaaannt und hoffe eeeeecht, dass er Euch gefällt!

Merke: Auuuuuufgereeeeeeegt! Sonst nix.

Ein begehbarer Darm in Bochum. Oder: Die Ruhrtriennale und "The Good, the Bad and the Ugly"

26. August 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, wenn man Kunst nicht versteht, fühlt man sich ja manchmal n bisskn wie ein Banause. Wenn man nun durch irgendeine Ausstellung läuft und dort z.B. mit einem Bild oder einer Skulptur nix anfangen kann, zuckt man halt einmal kurz mit den Achseln, geht weiter und bildet sich dann einfach angesichts irgendeines anderen Bildes oder einer anderen Skulptur ein, es mehr oder weniger gekonnt für sich selbst interpretieren zu können.

Was aber, wenn man durch eine Großinstallation läuft und so ziemlich gar nichts kapiert? Was, wenn man seine Eigeninterpretationen so abstrus findet, dass man einfach gerne die Wahrheit - also in diesem Falle die Wahrheit des Künstlers - wüsste?!


Tja. Dann steht man vielleicht so konfus da wie ich am Wochenende angesichts der Ausstellung "The Good, the Bad and the Ugly", die noch bis zum 26.09.2015 auf dem Gelände der Bochumer Jahrhunderthalle im Rahmen der diesjährigen Ruhrtriennale unter dem Motto "Seid umschlungen" zu sehen ist.


Nun hatte ich mich im Vorfeld gar nicht groß schlau gemacht. Alles, was ich wußte, war: Da isn begehbarer Darm.

Aha. Verrückt genug, um sich das einfach mal anzugucken.

So. Nun mal vorneweg: Ich mag Kunst. Ich mag Festivals. Ich mag Kunstfestivals. Und ich mag die Ruhrtriennale...also das Festival der Künste in der Metropole Ruhr, denn es verbindet laut Eigenbeschreibung die Einzigartigkeit nachindustrieller Orte mit aktuellen Entwicklungen der internationalen Kunstszene. Aber ich mag es auch, wenn ich Kunst verstehen kann...zumindest ein bisschen. Und wenn ich Kunst nicht verstehe, freue ich mich über Informationen, die mir dabei ein klein wenig helfen.

Tja. Und dann stehe ich da vor diesem Darm - dem sogenannten BarRectum - an der Jahrhunderthalle. Kannse reingehen, kannse rausgucken und kannse Dich auf einem riesigen Fäkal-Sitzsack drin rumfläzen.


Verrückt. Verrückt finde ich gut. Aber was soll das?! In meinem Schädelchen fläzen sich immer mehr Fragezeichen.

"Nun gut, vielleicht erschließt sich mir der Sinn im Rahmen der Gesamtausstellung" denke ich, denn neben dem Darm gibt es in diesem "Künstlerdorf", das eine ganze Reihe von Arbeiten des Ateliers Van Lieshout umfasst, ja noch mehr zu sehen. Einen Domestikator zum Beispiel, der als Totem oder auch als Tempel des Festivalgeländes gilt.


Der Domestikator sieht aus wie ein Mann, der ein Lebewesen (Mann, Frau oder Tier) von hinten begattet. "Aha", denke ich. Sonst nix...außer vielleicht noch "warum?".

Dann liegen da zwei Köpfe. Ich denke "Aha. Köpfe..." und "...äh?!".


Dann beäuge ich den Hagioscoop. Ich stecke meinen Kopf in eins der Gucklöcher und sehe das, was Ihr jetzt auf den nachfolgenden Fotos sehen könnt.


Joa.

Ich laufe da also rum und fühle mich wie ein Banause. Oder wie jemand, der gerne verstehen möchte. Aber ehrlich gesagt verstehe ich nur die Toilettenformation, weil mir halt klar ist, wozu Toiletten nun mal so da sind.


Dann setze ich mich neben das Refektorium, dem zum Teil überdachten Veranstaltungsbereich des Geländes, und fühle mich ein bisschen doof, weil mir echt zu allem, was ich sehe, nicht mehr als "verrückt" einfällt. Aber für mich darf Kunst einfach ruhig gerne etwas mehr als "nur" verrückt sein. Also frage ich eine Dame, die so aussieht, als ob sie vor Ort arbeiten würde, ob es irgendwo Infomaterial zur Ausstellung gäbe.

Gibt es. Den Lageplan samt Informationstexten habe sie just am BarRectum ausgelegt. Super! Also hingehoppelt, eingesackt, wieder hingesetzt und gelesen.

Und dann habe ich mich NOCH dööfer gefühlt.

Kennt Ihr so Erklärungstexte, die irgendetwas erklären wollen oder sollen, und am Ende ist man genauso schlau oder dumm wie vorher?! Joa. Genau.

Ich sitze da und lese. Ich lese laut. Ich konzentriere mich. Ich will das ja schließlich verstehen und mich bitte nicht doof fühlen. Am ehesten verstehe ich noch: Der Domestikator "symbolisiert die Macht der Menschheit über die Welt und zollt dem Empfindungsreichtum, der Kultiviertheit und den Talenten der Menschheit Tribut, ihrer Organisationskraft, die sie zur Unterwerfung und Domestizierung der natürlichen Umgebung einsetzt. Dieser Akt der Domestizierung führt jedoch auch dazu, dass Grenzen nicht nur ausgelotet, sondern überschritten werden. Es verbleiben nur wenige Tabus und mit diesen will sich der Domestikator auseinander setzen."


Ist eins dieser Tabus nun der Verkehr zwischen Mensch und Tier per Hündchenstellung?! Ja, ich weiß, dass die Frage sehr plump ist. Aber wenn man da so sitzt und sich das anguckt und dann den Text liest, dann stellt man sich die Frage doch, oder? Und jaaaahaaaa, Kunst SOLL und WILL Interpretationsspielräume lassen...also interpretiere ich: Der, der mit dem Tier Anal(?)verkehr betreibt, ist The Bad?!

Und der Darm? Der ist The Ugly? Und wer ist dann The Good? Oder ist das alles zu viel Interpretationssehnsucht meinerseits?!


Ich sitze da also und sage zu meiner Begleitung: "Ich versteh das alles nicht. Das schreib ich in meinem Blog auch." ...woraufhin ich den gut gemeinten Rat bekomme, doch besser nichts Doofes über die Ruhrtriennale zu schreiben. Hm. Ich will doch gar nix Doofes schreiben. Ich find das Kunstfestival ja toll! Und wenn ich sage, dass ich da was nicht verstehe, dann ist das nicht doof gemeint. Dann bin ich vielleicht einfach nur nicht pfiffig genug.

Nun gibt es für unpfiffige Kunstfreunde wie mich jeden Sonntag eine Führung durch die Installation. Vielleicht liefert so eine Führung ja Erklärungen, aber ich sitze da nun mal an einem Samstag und muss ohne auskommen. Zu den Köpfen, die auf dem Gelände rumliegen, gibt es übrigens gar keine Erklärung. Das Informationsblatt benennt sie lediglich mit "The Head Claudia & The Head Hermann". Soso.

Das Hagioscoop entstammt einer Reihe idealer Avangarde-Farmen für die Zukunft, aber auch für die Gegenwart und für die Vergangenheit mit dem Ziel, einen überlebensgroßen Pavillon zu schaffen. Beim Hagioscoop handelt es sich um eine Farm für die Heilige Familie. Das steht im Infoblatt. Und ich denke "Aha. Inwiefern denn genau?!" und "Was heisstn datt jetzt?".


Über den Darm wird gesagt, dass er ein perfektes System und anatomisch korrekt nachgebildet sei. Nur der letzte Teil des Dickdarms sei überdimensional aufgeblasen, um an der Bar, die durch ein Fenster geschaffen wurde, möglichst viele Menschen aufnehmen zu können. Ja, gut. Faktisch verstehe ich das, frage mich aber trotzdem warum jemand einen Darm nachbaut und ob damit irgendeine spezielle Aussage verbunden ist...auch so im Gesamtkontext, der irgendetwas mit einer "Parallelwelt, die unsere eigene spiegelt und verzerrt" zu tun haben soll. Sagt das Infoblatt.


Wir halten also fest: Ich bin ein Kunstbanause. Aber trotzdem kann ich mir vorstellen, dass das Gesamtgelände in den Abendstunden bei entsprechender Beleuchtung im Rahmen der vielen Programmpunkte sicherlich optisch ein Knaller ist. Denn einige der Ausstellungsobjekte stehen dort nicht nur als Ausstellungsobjekte per se, sondern sind in diverse Workshops, Events und Lesungen eingebunden und werden dann entsprechend "bespielt". Dann wirkt das alles bestimmt noch mal ganz anders.

Vielleicht besuche ich also demnächst mal einen der Programmpunkte oder nehme an einer Führung teil, um ein wenig zu erschlauen. Vielleicht gehe ich aber auch einfach nur noch mal auf ein Eis dort vorbei, denn im Refektorium sorgt das Bochumer I AM LOVE an einer kleinen Bar fürs Catering.


Und dann schnappe ich mir den I AM LOVE Kevin und sage: "Hömma, ich bin ja n bisskn blöd. Erklär mir das hier alles mal." Und vielleicht erklärt er es mir dann. Aber vielleicht kriege ich auch einfach nur ein Milchreis-Zimt-Eis. Wäre auch nicht das Schlechteste.

Merke: Pro Kunst, auch wenn ich sie nicht kapiere!

Merke: Nächster Stopp -> Nomandslanding in Duisburg.


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