Lieblingsplätze: Wohngemeinschaft

29. Juli 2011


Auf die Wohngemeinschaft bin ich durch Oktay aufmerksam geworden. Auf Oktay wurde ich durch den Eins Live Liebesalarm, der heute Eins Live Freundeskreis heisst, aufmerksam. Oktay und ich haben uns auf ein Date im Grugapark getroffen. Ich fand doof, dass er doof fand, dass ich es nicht doof fand, mich mit den traurig drein schauenden Eulen in ihren Minigehegen zu unterhalten. Auf eulisch...versteht sich. Verstand Oktay aber nicht. Komischer Vogel. Der Oktay. Nicht die Eule. Außerdem fand Oktay mein Parfum doof. Pfff.

Wir haben uns danach noch einmal getroffen. Er wohnt bei meinem Friseur umme Ecke, ich hab ne SMS geschickt und er meinte, dass er grad in der Wohngemeinschaft wäre. Ein Laden umme Ecke von seiner Wohnung UND meinem Frisuer. Dort sollte ich antanzen. Frechheit...dachte ich mir. Jetzt soll ich dem in irgendwelche Geschäfte nachlaufen? Ich glaub, et hackt!

Bin trotzdem hingegangen. Zum Glück. Oktay habe ich danach nie wieder getroffen. Aber dafür hat die Wohngemeinschaft mein Herz im fortwährenden Must-have-Sturm erobern können!


Es gibt in Essen (und Umgebung) keinen anderen Laden, der so viel Herzens-Gedöns anbietet. Wann immer man ein Geschenk sucht: Hier wird man fündig, wenn man das Herz aufm rechten Fleck hat und den zu Beschenkenden nicht mit Parfum aus der Drogerie oder ner Krawatte von Karstadt belästigen möchte. Ich habe dort mal drei Holzbrettchen gekauft. Die wollte ich jeweils drei Leutchen zu Weihnachten schenken. Aber da ich diesen Einkauf bereits drei Wochen vor dem großen Fest getätigt hatte, blieb zu viel Zeit, als dass ich mich von den Brettchen noch mal hätte lösen können, nachdem sie erst einmal in meiner Wohnung gelandet waren. Soll heißen: Was man in der Wohngemeinschaft kauft, ist im Zweifelsfall zu wunderbar zum Verschenken. Also Obacht!

Auf 120qm Ecke Annastraße/Brigittastraße in Rüttenscheid findet man viele Produkte von Designern aus der Region, die den Laden als eine Art Präsentationsplattform nutzen. Man bewegt sich hier quasi in einem Kreativ-Pool a la Dawanda - allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: In der Wohngemeinschaft gibt es - der Inhaberin Judith und ihrem guten Auge sei Dank - keinerlei Geschmacksverfehlungen. Anders als bei Dawanda denkt man somit niemals auch nur ansatzweise "Och nööö...geh mir bloß wech mit sowatt!". Ganz im Gegenteil. Man läuft in Kreisen durch den Laden. 1x, 2x, 3x...und immer wieder entdeckt man etwas Anderes, etwas Neues, etwas Besonderes. 



Judith Haselroth heimste für ihren Laden - völlig zu Recht - 2008 den Newcomer Award bei Essens Kreative Klasse ein. Letztlich ist die Wohngemeinschaft nämlich viel mehr als einfach nur ein Shooping-Vergnügen. Hier findet Netzwerkarbeit statt wie man sie sonst vielleicht eher Berlin und seinen hippen kleinen Boutiquen und Jungdesignern zutrauen würde. Und deshalb geht Judith, wenn auch kein Pottkind per Geburt - ganz klar als Revierheldin (-> erwähnenswert tolle Pottlerin) durch.

[Judith links, ihre Anne rechts]
Für die Freunde des guten Pott-Geschmacks wird schon mit dem ersten Schritt in den Laden deutlich, dass man sich auf der richtigen Fährte befindet:



Wenn man dann 500 Runden durch das Geschäft gedreht und seine Herzens-Gedöns-Wahl(en) getroffen hat, bekommt man ein Tütchen, das Käufer und Verkäufer alle Ehre macht. Darin läßt sich dann voller Freude Schätzchen für Schätzchen nach Hause tragen - verbunden mit einer kleinen Shopping-Verliebtheit.


Eine kleine Schätzchen-Auswahl
01 Fingerring (...passend zum Nagellack. Yeah.) 
02 Grüne Mini-Uhr
03 Federleichte Ohrringe von Pärle
04 Förderturm-Schmuckstückchen
05 Die besagten Holzbrettchen in der Winter-Edition
06 Vogelversammlung (bei mir aufm Klo) [Gruß an Olivers Ariane!]
07 Holz-Postkarte (zu schön zum Verschicken)


Merke: In der Wohngemeinschaft isset so schön...da lachen sogar die Hunde!

Pluto (Judiths riesiger Begleiter)

Mopper-Shop-Kopp

28. Juli 2011

Als hätte Alke es geahnt: Die zweite PKF-Postkarte fasst die vergangene Woche perfekt in Worte:

Ich habe n bisskn Geld unters Volk gebracht. Unter anderem fielen Tickets fürs novermbersche Katzenjammer-Konzert in Kölle, eine großartige Kochschürze, pinke Ikea-Hausschlappen uuuund eine neue Brille (große Freude!) meinem Besitz anheim.


Und so habe ich just in pinken Schläppchen und pink-rotem Schürzchen mit neuer Brille auffa Nase die leckerste Multi-Pizza der Welt fabriziert. Hach. So lässt es sich leben.

Das Grüne auf meinem Arm ist der Skorpion-Spinnen-Fall-Fleck
Da hätte selbst Alke nichts zu moppern gehabt. Und das, obwohl sie genau so ein Mopperkopp wie ich ist und deshalb auch die einzige mopperkoppwürdige Karte erhalten hat. Das gleiche Exemplar hängt bei mir zu Hause überm Herd. Und nun hängt sie auch bei Alke in der Küche. Ich wage zu behaupten: Die PKFs haben ihren perfekten PKF-Ausweis gefunden.


Merke: Mettwurst passt zu Apfelmus und auffe Pizza. Tolle Wurst!

Killefitt: Krawall und Remmidemmi vs. Gute Worte

27. Juli 2011

Krawall- und Remmidemmiparade


11 Bedrohlicher Beutel (...muss ich haben!)

Gute-Worte-Parade


04 Musik-Gesetz (...das leider viel zu wenigen Herrschaften bekannt ist!)
05 Zur Beruhigung (bitte schenken!)

So. Da hab ich eine ganze Weile überlegen müssen wer oder was im Killefitt-vs-Modus überhaupt gegen Krawall und Remmidemmi antreten kann. Krawall und Remmidemmi bombt und schießt ja alles weg. Gar nicht so einfach. Also gründlich nachgedacht. Gute Worte bleiben. Worte lassen sich nicht vernichten. Somit konnte es nur einen einzigen Gegner geben, der es mit einem so starken Kämpfer aufnehmen konnte. Wir besehen uns den Zwischenstand: Zahlentechnisch liegt Krawall und Remmidemmi doch deutlich vorne und wähnt sich schon siegessicher. Aber auch diesmal kommt kurz vor knapp noch ein Nachzügler umme Ecke, der den entscheidenden Duell-Beitrag wird leisten können:


Ruhe bewahren und Waffen tragen! Mit dieser Ansage gelingt  einem Kissen eine phantastische Grätsche zwischen Aggrolove und Pretty Talk! Ein sagenhaftes Kunststück, das das Duell mit einem klaren Unentschieden für beide Parteien entscheidet. Und alle so: YEAH!

Hätte...hätte...Fahrradkette und ein blauer Fleck

26. Juli 2011

(Einleitung)
Vor ein paar Tagen sprach mich eine alte Freundin auf mein Geschreibsel hier an. Sinngemäß klang das so: "Joa...is ja nicht schlecht...aber was ist denn aus Deiner alten Idee geworden, einen Interior-Design-Blog aufzuziehen?!"

Tja. Was ist aus der Idee geworden? Nix. Oder eben das hier.

Für einen Interior-Blog müsste ich nonstop irgendwelche anderen Interior-Blogs durchforsten...immer auf der Suche nach neuen visuellen Schmankerln. Bei aller Internet-Affinität...aber da wird man doch bekloppt von! Ständig muss man gucken, dass man Hinz und Kunz verlinkt...für das Posten von Bildchen um Erlaubnis bitten und dann womöglich noch ewig lang auf Antwort warten. Und da wird man dann noch bekloppter von. Neneeneee.

"Aber dann schreib doch wenigstens mal einen Eintrag zu dem Thema."

Ei Ei, Sir.
(Einleitung Ende)

Der Umzugsfetisch ist ja bekanntlich der große Bruder vom Umräumfetisch. Und dieser große Bruder und ich sind viel zu gute Freunde. In den letzten 14 Jahren bin ich 14x umgezogen. Von Bottrop nach Stuttgart nach Bottrop nach Münster nach Bottrop nach Stuttgart nach Duisburg nach Bottrop nach Duisburg nach Essen nach Bonn nach Braunschweig nach Bottrop nach Essen. Ja, das ist mein Ernst. Und ja, da wird man auch bekloppt von. Aber: Andere Leute fahren in den Urlaub, kaufen riesige Fernseher, teure Handtaschen oder lassen sich den Anus bleachen. Ich ziehe halt gerne um. Gibt Schlimmeres. Analbleaching zum Beispiel.

Nun denn. Ein echter Fetisch bedeutet Arbeit. Arbeit und Kosten. Ich fing irgendwann an, Wohnzeitschriften zu sammeln und mir aus den Heften all das, was mir besonders zusagte, in große, leere Bücher zu kleben. Aber Zeitschriften sind doch recht kurzweilig. Bildbände mussten her. Mit denen lag ich dann Abend für Abend im Bett wie kleine Kinder mit ihren Bilderbüchern und träumte von den Wohnungen anderer Leute. Zum Einschlafen zählte ich keine Schäfchen, sondern dachte mir fiktive Wohnungsgrundrisse aus, die ich Zimmer für Zimmer im Halbschlaf gestaltete. Und morgens stand ich dann auf und konnte meinen Hintern kaum vor all den Umzugshummeln retten.

Soll heißen:
Wenn ich im Lotto gewänne, würde ich mir mehrere Wohnungen kaufen. Eine im Pott (natürlich!), eine in Amsterdam, eine in Berlin, eine in Island und eine "irgendwo da unten im Süden mit Sonne und so". Dann würde ich zwischen den Wohnungen (ja, Wohnungen...keine Häuser...die haben Gärten und Fassaden und machen zu viel Arbeit.) hin und her jumpen und immer, wenn mich Wohnung und Stadt langweilten, würde ich einfach zur nächsten aufbrechen. Und dann hätte...hätte...Fahrradkette ich in jeder Wohnung einen anderen Einrichtungsstil. Denn der Einrichtungsstil ist ja bekanntlich das Stiefkind vom Umzugsfetisch: Wenn man umzieht, ziehen die alten Möbel ja mit um. Man ist ja eben dann doch nicht Krösus und kann alles auffe Kippe werfen, um neuen Krempel anzuschleppen. Und deshalb sehen vier Wohnungen in sechs Jahren dann so aus:

Bonn

Gelernt in Bonn: Es gibt Bäder, die ziehen die tollste Wohnung in den Dreck. Da stimmen einen dann nur noch die Grillen milde, die man nachts im Innenhof zirpen hört...und das in der Altstadt! Ferner: Eine Kommandobrücke (Bild Mitte unten) reißt ein Kackbad fast wieder raus...aber eben nur fast.

Braunschweig

Gelernt in Braunschweig: In Braunschweig will keiner wohnen. Und deshalb gibt es dort bestuckte Altbauträume fürn Appel und n Ei und ner Bushaltestelle vorm Haus. Ferner: Es gibt Böden, mit denen will man Sex haben. Ja MIT - nicht auf.

Bottrop
Gelernt in Bottrop: Neubauten und ich können nicht miteinander. Aber noch weniger können Erdgeschosse und ich miteinander. Emma und Lolle sind wohl auch keine Neubau-Freunde...wahrscheinlich haben sie mir deshalb all meine grünen 70er Sesselchen müllkippenreif gepisst?! Ferner: Der gestreifte Teppich und ich waren schwer verliebt ineinander. Aber Emma und Lolle hatten sich auch in ihn verknallt und schmusten unaufhörlich mit ihm rum. Und deshalb war er irgendwann kein Teppich mehr, sondern ein Felllappen. Jetzt ist er im Keller stationiert und fehlt mir.

Essen
Gelernt in Essen: Manchmal gibbet nix zu meckern. Und trotzdem bleiben die Umzugshummeln aktiv. Hartnäckige Biester.

So. Und nun zu den wirklich wichtigen Dingen! Gestern Nacht war ich sehr lange auf. Und war dann irgendwann sehr müde. Also ab ins Bad...Augen schon auf Halbacht. Und dann sitzt da ein Monster. Ich mach das, was ich bei Monstern immer mache: Weglaufen. Löst aber das Problem nicht. Denn wenn Monster nicht wie Grünspecht tot ist, dann kann Monster ja hinterherlaufen. Also muss man das verhindern.


Da darf man dann auch nicht groß fackeln. Zeit = Sicherheit. Ab in die Küche, mit Glas und Postkarte bewaffnet zurück zum Monster. Monster ahnt was folgen soll. Und hüpft an der Wand rum. Eine hüpfende Skorpion-Spinne! Das ist zu viel für mich! Ich will die Flucht antreten, trete in den Katzenwassernapf und falle in die Badezimmertür. Großer Schmerz. Monster hat bestimmt gelacht. Arschlochmonster. Pfff. Ich ziehe Tod durch Blitzlicht in Betracht und fotografiere das Teil, ohne hinzugucken. Dann reiße ich mich zusammen. Glas druff, Karte drunter, möglichst weit weg vom Körper halten, nicht hingucken (denn wie immer: "Glas schützt vor Ekel nicht!) zum Balkon laufen - Balkontür schon vorher in weiser Voraussicht geöffnet - Glas auf den Tisch gestellt, mit dem Finger umgekippt, Finger an Hand an Arm an Körper zurück in die Küche katapultiert und Balkontür zugeschlagen - beste Monster-Buster-Manier!

So weit...so gut. Will man meinen. Tss. Aber...ABER: Da hatte mir doch jemand vor einigen wenigen Tagen erst erzählt, dass Spinnen, wenn man sie aus der Wohnung befördert, wieder zurückkommen. Sich irgendwie einen Weg bahnen, weil sie die Wohnung eben als ihre Heimat adaptiert haben sollen. Soso. Hab ich damals nicht geglaubt. Gestern Nacht allerdings...nun ja...was ist schon sicher? Es gibt nichts, was es nicht gibt. Also gibt es vielleicht auch Return-Skorpion-Spinnen.

Nun war die Situation aber Folgende: Ich hatte am Nachmittag einen bösen Abflussreiniger in meinen Duschabfluss geschüttet. Der stinkt wie Bolle. Und deshalb musste das Badezimmerfenster auf bleiben. Nun hatte ich also die Wahl: 

Möglicher Return of the Spinnen-Mac oder Katzentod durch aggressiven Bollengestank. Ich entschied mich für die fortgesetzte Lebensdauer meiner Katzen, habe mehr als bescheiden geschlafen und jetzt vom Sturz in die Badezimmertür einen blauen Fleck am Arm.


Merke: Nur böse Menschen erzählen anderen Menschen Spinnen-Ammenmärchen!

In tiefer Trauer

24. Juli 2011

Heute jährt sich ein Todestag. Alle Welt trauert um die Whinehouse (...während ich noch nicht mal weiß wie man diesen Namen schreibt) und so gerät völlig in Vergessenheit, dass sich vor rund einem Jahr auf meinem Balkon eine wahre Tragödie ereignete.

Es war ein gänzlich normaler Sonntag. Mein Nachbar weckte mich mit seiner Jon Africaan Jovi Volkstanznummer, Emma und Lolle quengelten nach Sheba (ob sich ein Sponsor meldet, wenn ich ALLE Sheba-Artikel aufzähle und verlinke? Hm.) und ich hatte mittelgutschlechte Laune. Nun muss man wissen: Wenn Katzen sich im Futter-Bettel-Alarmmodus befinden, darf man NIE direkt zum Napf rennen und Fresschen nachfüllen. Neinnein! Denn Katzen sind ja bekanntlich Füchse. Schlaue Füsche. Wenn die einmal spitz bekommen haben, dass auf Janken -> Füttern folgt, ist man auf alle Zeit geliefert und wird jeden Morgen ohne Rücksicht wachgejammert. Und deshalb hab ich mir einen pfiffigen Trick ausgedacht.

Wenn ich morgens aufstehe, gehe ich EXTRA nie direkt an die Futterstation. Ich gehe ins Bad, drehe ne Runde durchs Wohnzimmer, gucke ausm Fenster, gehe in die Küche, mache den Kühlschrank auf, dann wieder zu...einzig als Ablenkungsmanöver. Und wovon lenke ich ab? Von der Tatsache, dass ich SEHR wohl verstanden habe, dass auf Janken -> Füttern folgen soll. Also stell ich mich blöd und renn rum und die Katzen hinter mir her. Das machen wir schon seit Jahren so. Frühsport.

An dem besagten Sonntagmorgen strahlte das Wetterchen in aller Pracht durch meine Küchenbalkontür. Beherzt riss ich die Tür auf, trat nach draußen, sog einen Schwall frische Morgenluft ein (...also Idylle pur - wohlgemerkt!) und stoße mit meinem zarten Fuß gegen irgendetwas Weiches.

Mit einem undamenhaften Kreischer sprang ich schneller zurück in die Küche als die Polizei erlaubt. Balkontür zu und zack...ins Schlafzimmer. Herzklopfen, emotionaler Schweissausbruch, zuckelnde Augen, Schnappatmung. 

Blöderweise bin ich schneller in Deckung gegangen als ich hätte wirklich wahrnehmen können was GENAU mein Füßlein denn da gestreift hatte. Es war groß gewesen. Und weich. Und tot. Emma und Lolle jagten just sehr untot an mir vorbei. Also lag zumindest keine von den beiden tot auf dem Balkon rum. Immerhin. Aber...WAS DANN?!

Ich wagte einen angstvollen Schritt in Richtung Küchentür, lugte um die Ecke...scheiße...ungünstiger Winkel...nix zu sehen. Schritt für Schritt krebste ich auf die Balkontür zu. Glas schützt vor Ekel nicht...insofern diente die Tatsache, dass die Tür ja nun verschlossen war, keineswegs zu meiner Beruhigung.


Und dann sah ich es. Da lag ein Federvieh. Bunt und groß. Kein kleiner Spatz oder so. Nönö. Da lag ein Pfau, Pelikan oder Adler - zumindest der Größe nach zu urteilen.

Erneuter Rückzug ins Schlafzimmer, Schnappatmung und krampfhaftes Nachdenken: Welchen Krisendienst ruft man an, wenn man einen Riesenvogel vom Balkon zu Grabe tragen muss? Und überhaupt? Zu welchem Grabe? Wohin mit dem Teil???
Ich beschloss, den Toten einfach erstmal zu ignorieren. Für den Abend hatten sich drei Herrschaften zu Besuch angekündigt. Irgendeiner von ihnen würde das mit dem Grab hoffentlich schon schaufeln/schaukeln.

Mit balkonscher Todesverachtung gab ich Emma und Lolle ne Runde Sheba aus und mied daraufhin für die nächsten Stunden konsequent die Küche...

...bis ein Freund mich am Nachmittag per Telefon quasi zwang, doch mal gefälligst zu eruieren, um was für einen Vogel es sich denn wohl handelte. Meine gefühlte Flamingo-Einschätzung wurde einfach als unrealistisch abgetan.

Und so kam es, dass ich mich mit einem ans Ohr gepressten Telefonhörer, zwei Katzen als Vorhut und gezückter Kamera (Beweise, Beweise!) abermals an die Balkontür wagte.

Na gut...kein Flamingo. Da lag ein Grünspecht...wie mein Kennerauge nun eindeutig erkannte. 

"Ein Grünspecht? Du spinnst doch!"
"Neiiiiin! Ich SCHWÖRE...da liegt ein GRÜNSPECHT!"
"Da liegt kein Grünspecht. Also echt..."
"Ich seh den doch!!! Ich mach grad Fotos!"



Während ich und der Telefonmann ohne jeden Anstand oder Respekt am Totenbette des Riesenvogels herumstritten, hüllten sich Emma und Lolle in Trauer. Mit gesenkten Köpfen und mehr als einer Katzenkörperlänge Abstand schielten sie zum Specht und zeigten sich betroffen.


Ich hingegen nutzte meinen letzten Rest an Sensationsgier, um noch einmal das Kameraknöpfchen zu drücken. Dann zog ich mich unter Schreck-Schock-Ekel-Gemurmel wieder in die sicheren Gefilde meiner Wohnung zurück, setzte einen mir bekannten ornithologischen Experten online auf meine Beerdigungsfotos an und erfuhr unter wohlverdientem Lob, dass ich tatsächlich einen Grünspecht anstrein identifiziert hatte. Ha!

Wir trauern heute also nicht um Amy Whinehouse, sondern um einen Grünspecht - auch wenn er damals recht unwürdig in der Mülltonne landete.

Aber selbst in tiefster Trauer gibt Emma nicht auf: Der dicke Hintern MUSS doch irgendwie in die Kiste passen...?!

Die Wahrheit kann ermüdend sein.




Merke: Spechte haben ungeahnt lange Zungen!


Eine Stunde später. Nachtrag:

Grünspecht? Hab ich gesagt, ich trauerte um einen Grünspecht? Pfff. Nix da! Ich trauere um meine Lederhandtasche. Um die einzige Lederhandtasche, die ich besitze. Um DIE Lederhandtasche, um die ich 14 Tage herumschlawänzelt bin. Ehe ich sie dann für sage und schreibe 139€ gekauft habe. Ich trauere um DIE Lederhandtasche, die ich so toll fand, dass ich sie immer überaus pfleglich behandelt habe. Dieser Traum von einer Lederhandtasche ist soeben verstorben. Tod durch Katzenpisse.


Merke II: Katzen sind doch keine Füchse. Katzen sind Schweine.

Onkel Jüppi kriegt die (Pott-)Hucke voll!

23. Juli 2011

Heute habe ich Dienst. Wochenenddienst. 25 Stunden lang.
Wochenenddienst heißt in der Regel: kein Stress, keine großartige Büroarbeit, keine Alltagsstruktur. An manchen Tagen sichte ich 10 Stunden lang nicht einen einzigen Jugendlichen, weil alle ausgeflogen sind. Soll heißen: An einem Samstag wie heute ist man nicht schlecht beraten, seinen Dienst mit ein paar DVDs, einem guten Buch oder einem zu häkelnden Topflappen in spe anzutreten. Aus diesem Grund statte ich mich an meinen Wochenenddiensten gerne mit sensationellen Koch- und Backvorhaben aus, stehe dann stundenlang in der Küche und am Abend kommen schwer ausgehungerte Spasselköppe vorbei, die ohnehin alles essen und loben würden was man ihnen kredenzt. So wurden mir auch schon völlig verkohlte Kuchen unter Jubelrufen aus den Händen gerissen. Also ein ziemlich gewiefter Weg, um sein Koch-und Bäcker-Ego lässig zu pimpen.

Nun denn...ich stelle vor...das heutige Tagesrezept: 

Bei dem Rezept handelt es sich um eine kulinarische Ruhrpottangelegenheit von anno dazumal. Die Zutatenliste zeigt sich höchst überschaubar. Und trotzdem habe ich weder Eier, noch Mettwürste, noch Speck am Start. Als ich dieser Tatsache gewahr werde, schlufft ein 16jähriger Möchtegern-Rapper, nennen wir ihn Häns (abgeleitet von Hans...aber Häns klingt cooler), auf mich zu, um Taschengeld von mir zu erbetteln. Tja, Taschengeldtag war gestern. Die Welt ist hart und schlecht. Häns winselt "Bitte, bitte...Ausnahme und so!"...bis ich mich entschließe, seine Notlage schamlos auszunutzen: Wenn er für mich einkaufen geht, bekommt er sein Taschengeld. Häns findet die Idee voll fett und schon schreibe ich ihm ein Einkaufszettelchen.


Es folgt ein kurzes Fachgespräch über Bock- und Mettwürste, in welchem ich mich fachmännisch erkläre, während Häns augenscheinlich verständig nickt. Dieses Fachgespräch endet mit den Worten "Wehe Du bringst mir Bockwürste! Oder Wiener oder so! Wenn Du keine Mettwürstchen findest, dann fragste irgendnen Supermarkttyppes, klar?!" 

Klar. Gut. Häns bekommt Geld und schwuppdiwupptomatensupp startet er einen Ausflug zum nahegelegenen Discounter. Ha. DAS nenne ich Pädagogik.

Ich mache mich derweil auf den Weg in den Speisekeller, um die Kartoffeln nach oben zu schleppen. Und während ich kurz darauf die Kellertreppe mit zwei Kilo Erdäpfeln emporsteige, durchzuckt mich eine erschreckende Erkenntnis: Nix tun wär heute auch schön. TK-Pizzen verteilen, TV gucken und jede Action vermeiden. Hm. Leider zu spät. Häns einkaufen zu lassen und dann doch nichts mit seinen Einkäufen zu kochen, wäre zwar auch Pädagogik...aber keine gute. Also...mitgehangen, mitgefangen. Aus der Potthucke-Nummer komme ich nicht mehr raus.

Mittelmissmutig schäle, reibe, koche und stampfe ich also zwei Kilo Kartoffeln. Das dauert ewig. Das strengt an. 


Mir kommt ein Satz in den Sinn, den ich erst vor Kurzem irgendwo im Netz auf einer Ruhrpott-Rezepte-Seite gelesen habe: "Wir hatten ja früher nix!" kommentierte da jemand die Tatsache, dass die meisten Pottrezepte sich auf nur sehr wenige Zutaten beschränken. Und während ich schäle, reibe, koche und stampfe denk ich mir "Pfff...und wenn Ihr früher nix hattet....reichlich Zeit hattet Ihr zumindest allemal...sonst wär man nicht auf die Idee gekommen, um eine einzige Zutat so einen langwierigen Eiertanz zu veranstalten."


100 Stunden später hab ich die Kartoffelei hinter mir. Und wie herbeigezaubert erscheint just in diesem Moment Häns mit der Discountertüte. Er zieht ein 10er Paket Eier heraus. Ich lobe. Pädagogik und so. Er holt gewürfelten Speck aus der Tüte. Vier Pakete, keine zwei. Ich lobe trotzdem. Pädagogik und so. Und dann hält er mir ein Riesenfass Bockwürstchen unter die Nase.

"Ha. Ha. Witzig!" sage ich. "So, und jetzt gib die Mettwürstchen her!"
"Hä? Du wolltest doch Bockwürstchen!"
"Häns, verarsch mich nich!"
"Ich verarsch Dich nich! Du hast Bockwürstchen gesagt."
"Hömma, ich hab extra gesagt 'Wehe Du kommst mir mit Bockwürstchen!'"
"Oh. Hm."
"Pfff..."
"Aber Du hast doch Bockwürstchen aufgeschrieben?!"

Wir gucken uns gemeinsam das Einkaufszettelchen an. Soso. 


Potthucke mit Mettwurst ungleich Potthucke mit Bockwurst. Da kommt kein Gemauschel in Frage. Häns bekommt aber trotzdem sein Taschengeld. Pädagogik...watt willste machen?! Zehn Minuten später schmeisse ich dann alle anwesenden Spassels ins Auto, fahre mit ihnen zum Supermarkt und kaufe Mettwürstchen. Häns bleibt währenddessen draußen im Auto sitzen. Als ich mit dem Rest der Bagage wieder einsteige, ereignet sich einer dieser goldenen Momente, die mich meinen Job noch ein bisskn mehr lieben lassen:

Mändy: "Boah, da war n Kerl, ne...der hat voll nach Schwitze gestanken."
Häns: "Hä?"
Mändy: "Boah, da war n Kerl, der hat voll nach Schwitze gestanken."
Häns: "Hää??"
Ich: "Krkrkrkrkr..."
Häns: "Ey, watt labert die?!"
Ich: "Krkrkrkrkr..."
Mändy: "Mah, nach SCHWITZE!!!"
Häns: "Ey, isch versteh nisch watt Du da laberst, ey..."
 
Nun denn. Wieder zurück am Herd entsteht ein Kunstwerk.


Und wie das so ist, wenn man plötzlich Künstler statt Koch ist: Man kriegt den Hals nicht voll! Mich überkommt ein akuter Motivationsanfall und ich beschließe, dass die Potthucke auf keinen Fall ohne Onkel Jüppis Streuselkuchen daherkommen kann.


Mit dem Motivationsschub paart sich - ebenfalls höchst akut - ein Kreativitätsschub. Früher hattense vielleicht nix. Aber ICH habe jetzt Puddis In Love Mousse. Und die wird kurzerhand in das Rezept integriert. Onkel Jüppi hätte bestimmt seine helle Freude gehabt. Dieses Zeuchs ist übrigens unglaublich köstlich. Nach Pick up Black&White meine Lecker-Entdeckung des Monats!


 

Ich bin so verlovet in meine Pudding-Idee, dass ich kaum bemerke, dass ich schon wieder etwas (Äpfel) schälen muss...obwohl ich doch noch vom Kartoffelschälen Mentalschwielen an Herz und Händen habe.


Der bestreuselte Kuchen sieht zwar laut Häns vor seinem Besuch im Ofen aus wie eine Ansammlung übergroßer Eiterbollen, zeigt dann aber nach 60 heißen Minuten sein wahres Anlitz: Er ist eine Schönheit! (Ja, ich darf mich an dieser Stelle derart schamlos selbst loben, da ich sonst nämlich einen tiefschwarzen Backdaumen habe.)


Und auch die Potthucke ist nicht zu verachten. Mit einem zart-penetranten Reibekuchen-Duft drängt sie sich zum Verzehr auf. Und die Kombination Mettwürstchen/Apfelmus kann was und ist somit ganz klar zur Nachahmung empfohlen.



In diesem Sinne: 
Guten Hunger, Glück auf und bis bald in unserem fröhlichen Kochpottzirkel!


Merke: Paniermehl aus Cornflakes herstellen = böser Nagellackkiller

My new PKF (...untrue Püppi-Alarm!)

22. Juli 2011

Heute ist ein guter Tag. Gute Tage beginnen exemplarisch so:

Ich habe frei. Mein Nachbar ist tot umgefallen und beschallt mich deshalb ausnahmsweise mal nicht in aller Herrgottsfrühe durch die Schlafzimmerwand (ja, die hinter dem Bettkopf!) mit seiner bescheuerten Musik, die wie eine Mischung aus Bon Jovi und afrikanischer Volksmusik klingt. Meine Katzen halten die Klappe und maulen mich nicht schlaftrunken an den Futternapf. Ich erwache ohne Wecker. Aus Lust an der Freud. Bin wach, denke "och, joa...", gehe duschen, mache mir n Büttaken mit Fleischwurst und Honigsenf, muckel mich mit Laptop aufs Sofa und denke "och, joa...". Es klingelt an der Tür. Und ich sitze nicht (!) auf dem Klo. Ich sitze auf dem Sofa, stehe entspannt auf, tippel zur Gegensprechanlage und jemand flötet fröhlich "DHL". Und ich denke "och, yeah...!"

Der DHL-Mann tanzt in mein Stockwerk, lächelt angemessen (nicht aufdringlich, nicht überspannt), quatscht nicht rum, schwenkt ein Päckchen und bedankt sich liebreizend für meine Unterschrift auf seinem Unterschriftenmopped.


"Och, tja..." denk ich zunächst...denn ein Päckchen in Leichensackoptik ist ja doch irgendwie gewöhnungsbedürftig. Aber nicht lang schnacken...auspacken!


Im Leichensack streckt drin, was drin sein soll. Ich bestelle mir NIE Kleidung aus dem Internet. Da kann man schon mal kurz n bisskn aufgeregt sein und sich freuen! Und als ich die Schachtel, dann öffne...

...freue ich mich glatt noch n Tacken mehr. Datt Zeuch is in rosa Pappierkes eingepackt. Yeah...Mädchenpaketchen!

Lolle hat derweil auch Spass inne Backen...im wahrsten Sinne des Worte...und macht ihrem altbekannten Platikfetisch alle Ehre.


Und da heute ja ein guter Tag ist, befindet sich im rosa Papiergetümmel tatsächlich das, was ich bestellt habe. Ich schreite zur Anprobe.


Stop. Kurzer Einschub: Gestern Abend habe ich mir anderer Leuts Blogs angeguckt. Habe festegestellt, dass 16jährige Mädchen, die auf ihrem Blog NICHTS anderes tun, als zu zeigen,  was sie alles im Püppi-Schicki-Schminke-Land geshoppt haben. Da posen sie dann auf unsagbar vielen Fotos rum und zeigen sich. Mit Kleidung und Schminke und Schmuck und Täschchen. Und das interessiert tatsächlich TAUSENDE von Menschen, denn solche Blogs haben nicht nur Fanclubs und Klicks in Millionenhöhe, sondern auch Sponsoren. Da schicken dann namenhafte Firmen ungefragt (!) Päckchen an diese (zumeist minderjährigen) Püppis....verbunden mit der Bitte "Hey, Du bist so cool...bitte trag unsere Shirts!" Und ich rede hier nicht von irgendwelchen It-Girls aus Berlin oder New York. Neneneee. Ich rede von Schulkindern aus Wuppertal und so. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich schlief ein mit der Uralterkenntnis "Die Welt ist bekloppt!".

Und jetzt sitze ich hier und lade gleich ein Foto von meinen neuen Hosen hoch. Soso.


Aber zurück zum Thema. Guter Tag und so. An guten Tagen passt das, was passen soll, nämlich wie angegossen. Ha! Große Freude.


Und da ich letztendlich kein true Püppi bin (...Täschchen und Kettchen für das Foto hab ich  leiderleider auch vergessen), verlinke ich an dieser Stelle die Hosen auch nicht mit den entsprechenden Onlinekatalogseiten. (Zara scheidet somit schon mal als großer Zukunftssponsor aus. Aber Vitra wäre mir eh lieber.)

Während ich also feststelle, dass die Hosen passen wie gewünscht, muss Emma feststellen, dass ihr Hintern nicht wie gewünscht in das neue rosa Kistenbettchen passt. Tja. Schade. Für Emma. Hat wohl keinen so guten Tag wie ich.


Ich komme nicht zu großartigem Mitleid, denn es klingelt schon wieder. Gut gelaunt tänzel ich erneut zur Gegensprechanlage. Tadaaa...die Post! Beschwingt führe ich die neue blaue Hose zum Briefkasten im Erdgeschoss aus, um dort endlich feststellen zu dürfen:
The Time has come!


Die erste Karte meiner neuen PKF ist eingetroffen! 
Definition PKF, die: Postkartenfreundin.
Definition Postkartenfreundin, die: Alke aus Oldenburg.

Ein Großereignis sozusagen! Und deshalb wird es ab sofort eine PKF-Kategorie mit dauerPOTTential geben. Ich bin entzückt...auch wenn mich leise die Frage beschäftigt, warum Alke unsere Postkartenfreundschaft auf Lügen aufbauen möchte. Hm. Alke?!

Ich hingegen habe den meinigen Postkartenfreundschaftsgrundstein mit einer altbekannten pottschen Weisheit gelegt...weisse Bescheid:


Und weil heute ja ein ach so guter Tag ist, fand sich sage und schreibe noch eine weitere Postkarte in meinem Briefkasten! Sissi übermittelte standesgemäß Stephies Grüße aus Österreich. Liebesten Dank und muah :-* muah :-* wie Sissi und Franzerl (und Dennis) sagen würden.


Als ich wieder in meine Wohnung komme, bestätigt sich übrigens der erste Verdacht: Emma hat heute wirklich keinen guten Tag. (Eine Sekunde nachdem das folgende Bild aufgenommen worden war, hatte Lolle sie unsanft aus der Kiste gekloppt. Das Leben ist eben ins der schwersten - um mal mit den Worten meines Vaters zu sprechen.)




Merke: PKF sticht BFF!

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