Atze, Katze und Co.

31. August 2011

Eine Kindergartenfreundin postete heute Nachmittag auf Facebook folgendes Video:


Social Petwork? Ein soziales Netzwerk für Tiere? Et gibt tatsächlich nix wattet nich gibt. Also einmal Emma Plemmplemma angeguckt, dezent gekichert, tipptipptipp, klick, registriert, klick, Fotos hochgeladen und...äh...dann?!

Jahaaa...nix dann...möchte man meinen. Was soll da schon passieren?! Ha! Von wegen. Keine 3 Minuten später war Emma mit Atze befreundet. Großartig. Emmas erster Onlinefreund heißt Atze, kommt aus Berlin und hat n Tattoo-Herrchen in Unterhemd mit Zigarre im Schlund. Was will man mehr?! 

Auf Emmas Pinnwand vermeldet Mops Julius, dass er Emmas Namen mag. Ein Mops mit Geschmack also. Dazu sagen Pablo, Joey, Sydney, Liebgard aka Dardi, Katze und Charolotte: WAU!

WAU? Im ersten Moment denke ich noch: "Was bellt Ihr meine Katze an?! Miaut gefälligst!"...bis mir klar wird: WAU = WOW = I like. Ahaaaa!

Ermutigt von all dem Zuspruch gründet Emma erstmal ne anständige Gruppe: 

Ruhrgebiet - Heimat vonne besten Tiere wo gibt

Die Gruppe hat bislang noch keine Mitglieder. Kann ich mir wirklich nicht erklären.

Emmas rattenscharfes Profilfoto ruft den Schäferhund-Husky Ati aus Sinzheim auf den Plan...bzw. auf Emmas Pinnwand...



Ati
Hast du ne scharfe Brille. Siehste ohne nicht gut?
Emma Plemmplemma
Altaaa, ich seh top. Datt is mein STYLE! Herbst und so...
Charlotte
Sieht mir nach meiner alten Lehrerin aus, sorry.
Emma Plemmplemma
Datt soll so. Die 60er sind voll in. Tzä...
"Wo man mich trifft: Überall dort, wo Emma Plemmplemma nicht rumliegt. Alter Verwalter...watt geht die Olle mir aufn Zwirn...macht immer einen auf Everybody's Darling. Und das Schlimmste daran: Fällt auch noch jeder drauf rein!
"Ich bin übrigens ne Bühnensau - sagt mein Frauchen. Joa - steh ich zu! Und der erste, der hier Garfield zu mir sagt, dem pinkel ich mal gepflegt aufs Kopfkissen."


Es folgt ein knackiger Mailwechsel:

Emma Plemmplemma
Katze, haste keen Nachnamen odda watt?! Naja...abba schöne Augen haste!

Katze
Mein Herrchen nennt mich immer nur Katze :)

Emma Plemmplemma
Naja...kannste ja auch nix für, wa?! Armes Ding ;)
video
Diese harsche Reaktion läßt nur einen Rückschluss zu: Lolle Bolle ist schlichtweg neidisch angesichts der Tatsache, dass Emma bereits 12 neue Freunde gefunden hat. Sie selbst hat nämlich erst 5. Tja. Social Media Pressure at its best.

Emma war derweil nicht mehr für ein Statement zu gewinnen. Sie klebt seit Stunden am Laptop. Ich glaube, sie steht auf Atze.



Merke: Emmas Ruhrpott-Gruppe hat mittlerweile schon 3 Mitglieder. Hach. Alles wird gut.

Lyric-Liebchen

30. August 2011

Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf - Thees Uhlmann

The Saint - Kat Frankie

Little Numbers - Boy

Demon Kitty Rag - Katzenjammer

This is what - Horse feathers

Candles - Daughter

Herzen aus Holz - Mikroboy

Die letzte Gang der Stadt - Casper
Amazing because it is - The Almost

Wochenend - Mash Up (...Frau Rach is back!)

28. August 2011

1.  
Wenn man in Essen Killefitt kaufen möchte, dann gibt es zwei "erste Adressen":
a) Die großartige Wohngemeinschaft in der Annastraße
b) Das sogenannte Warenwunderland Format auf der Rü herself

 
Top: Kassetten-Sets für 2,50€
Rollschnecke! Bitte schenken.
 
Hilfsmittel aller Art!
Marienkäfer-Love
Maximal-Empfehlung
2. 
Wenn meine neue PKF (Postkartenfreundin, vgl. BFF) Alke aus dem hohen Norden zu Besuch kommt, dann habe ich nicht nur einen (Dennis), sondern gleich zwei Vegetarier an meiner Seite. Und wo geht man dann hin, wenn die Vegetarierfraktion ein dezentes Hungergefühl vermeldet, welches auf die Schnelle gestillt gehört? Ganz genau: Man landet in Frohnhausen in der Vegetarier-Veganer-Omnivor-Speisenschmiede Why so serious?. Oder auch: In der Spitzenimbissbude mit Punkrock-Esprit (hörthört!), die der Bottroper Christian Döweling im letzten Herbst ins Gastroleben gerufen hat. Der gute Mann hat in den Jahren zuvor in den besten Küchen schlechthin gearbeitet, und ich meine mich zu erinnern, dass er sich sogar einen Sternekoch schimpfen darf. Und dann hat er sich irgendwann gedacht: "Schickimicki...och, kein Bock mehr. Back to the roots und so." Und jetzt steht er in seinem eigenen Lädchen und kocht zwischen Punkrockpostern eine nicht nur kreative, sondern auch leckere Imbissküche. Und n sympathischer Pottkerl isser noch dazu.





3.
Weil ich Einkaufszentren in Allgemeinen und das Limbecker Einkaufszentrum im Besonderen so toll finde (großer Scherz!), landeten wir im Anschluss an unseren Futterzwischenstopp eben genau dort.  Saturn-Gebummel mit anschließendem Starbucks-Gesüppel.Von dort aus ging es (Kontrastprogramm. Yeah.) weiter zum benachbarten Unperfekthaus (Hardcore-Konsum-Mainstreamhölle vs. Kreativ-Oase).

Im Bild: Stangenhühner. Nicht im Bild: Leutekino
4.
Das Unperfekthaus ist eins der wichtigsten Essener Schätzchen. Auf guten 4000qm verteilt auf viele Etagen findet man ein Kreativdorf, in dem sich Künstler, Kunstinteressierte und Kreativköppe aller Art frei bewegen können, um in offenen Ateliers, Proberäumen und Wintergärten sowie auf Bühnen oder an großen Tischen zu arbeiten, zu schaffen, zu gucken, zu staunen. Es finden Kurse und Seminare statt, man kann in Schauboxen die Kleinwerke der Unperfektler beschnuppern, es darf Malern über die Schultern geguckt oder Tischtennis, Flipper und Gitarre gespielt werden. Das Haus bietet ein internes WG-Hotel, w-lan auf Schritt und Tritt, Spiele warten auf Spielfreudige und das Buffet wartet wirklich immer mit schönen, ausgefalleneren Speisen auf. Im Sommer wird auf der toll gestalteten Dachterasse Tag für Tag ein Barbecue geboten, bei dem angeblich auf Vegetarier auf ihre Kosten kommen sollen. Sofas laden zum Gammeln ein, Non-Alkoholica sind im Eintrittspreis maßlos inbegriffen und auf jedem Meter (sogar auf den Klos!) gibt es irgendetwas zu begucken oder zu bestaunen. 

Das Unperfekthaus kann noch ne ganze Menge mehr. Und wer das auch noch alles wissen will, der liest hier weiter. Für Kenner sei erwähnt: Seit Kurzem hat das UPH die Preise n bisskn angezogen, bzw. unterliegen die Eintrittspreise nun einer Zeit-Staffelung. Daraus folgte, dass meine kleine Flasche Cola light auf eine Zeitspanne von 2 (von maximal 5) Stunden ganze 6,50€ kostete. Aber irgendwie gibbet in Sachen Unperfekthaus für mich trotzdem nix zu meckern. Och. Obwohl. Der Windeleimer im Erdgeschoss war n Killer! Aber irgendwatt is ja immer.




5.
Da gut gesnackt nur halb gefuttert ist, beabsichtigten wir, am Abend noch etwas ausufernder zu speisen. Zurück auf der Rü wurde das Hauscafé angepeilt, das bei meinem letzten Besuch in Sachen Salat 100 und in Sachen Service gute 0 Punkte einstreichen konnte. Aber da ich ein Freund von zweiten Chancen bin, wollte ich auf einen Service-Ausrutscher gehofft haben. Nun denn. Gegen 21h fuhren wir an dem Lädchen vorbei. Licht an. Stühle auf den Tischen. Äh?! Verguckt? Gewendet. Noch mal langsamer dran vorbeigefahren. Stühle tatsächlich auf den Tischen. Liebe Hauscafé-Freunde...Eure Salate können noch so toll sein, wenn Euer Service rumnullert oder Ihr die Türen Stunden vor den angeblichen Öffnungszeiten (an Samstagen laut hp till open end!) dicht macht, dann hat man irgendwann den Papp auf. Dritte Chancen stehen nicht hoch im Kurs. Wirklich schade.

Der Hunger trieb uns schräg gegenüber ins Casa Madrid. In der Kurzfassung: Ikea-Interieur meets happige Preise meets teils überforderten teils zickigen Service meets extremen Fischgeruch, den man - schlimmer als Qualmgestank aus nem Raucherclub - in der Kleidung mit nach Hause nimmt. 

Ich bestellte einen gemischten Salat mit 4 Gambas. Serviert bekam ich 8 Gambas ohne Salat. Kann passieren. Bedienung wirkte aber ob ihres eigenen Fehlers beleidigt und ließ meinen Teller trotz freundlicher Reklamation dann vor mir stehen, um erstmal zickig in die Küche zu stapfen. Mit Flunsch und der dahingeschnodderten Bemerkung "Schuldigung. War mein Fehler..." wurde der Teller dann etwas später ohne Blickkontakt abgeräumt. Nett geht anders.

Kurze Zeit darauf stand mein gemischter Salat mit 4 Gambas vor mir. So. Gemischt. Wie relativ kann gemischt sein? Sehr relativ. In diesem Fall: Blattsalat garniert mit wenigen randständigen Gurken- und Tomatenscheibchen. Menge: Ne gute Handvoll. So. Das lasse ich alles mit mir machen. Aber wenn dieses Bisskn dann knappe 16€ kostet, dann sinkt mein Zufriedenheitsgrad doch beachtlich.

Um das Ganze mal noch deutlicher auf den Punkt zu bringen:

Ein kleiner, gemischter (3 verschiedene Sorten Salat, Paprika, Tomaten, Gurken, Zwiebelchen) Salat mit 2 Scheiben Knoblauch-Baguette kostet im Zucca 3,50€. Ich wiederhole: 3,50€. Ein gemischter (haha!) Salat mit 4 Gambas kostet im Casa Madrid 15€ irgendwas. Es muss sich also um aristokratische Gambas gehandelt haben. Natürlich. Mengentechnisch tun sich beide Salat übrigens NICHTS!

   Zucca                                              Casa Madrid
Alke und Dennis waren mit ihren Tellern einige Gabeln vor mir fertig, weil ich irgendeinen Schwank erzählte. Mitten in diesen Schwank platzte eine andere Servicekraft und fragte, ob sie abräumen dürfte, während sie allerdings schon nach den leeren Teller griff. Dann saß also nur noch ich mit meinem Teller da. Auch nicht so schön. Als ich aufgegessen hatte, wurde mein leerer Teller flugs abgeräumt. Mit ihm zusammen leider auch - ungefragt - mein unleerer Brotkorb samt Alioli. Hätte ich gerne aufgegessen. Durfte ich aber wohl nicht. Das Leben ist hart.

"Casa Madrid — ein absolut authentisches Spanisches Klima ohne Zwänge und Schwellenängste." heißt es auf der Homepage des Restaurants. 

1. "Spanisches" schreibt man klein. Spanien ungleich Ikea ungleich Flunschbedienungen.
2. Ohne Zwänge? Genau! Gemischter Salat? Was heißt das schon...?!
3. Ohne Schwellenängste? Genau! Da wird einem das Essen unter der Nase abgeräumt.

Merke I: Casa Madrid kannse knicken.

Merke II: Die Gorgonzola-Penne im Zucca sind ein GEDICHT!

Merke III: "Planet der Affen - Prevolution" is nix für zarte Tierfreundherzen.

Aff

Auf der Spur des Pommesgabel-Händchens

24. August 2011

Weil nur ein Kirmesbesuch pro Wochenende nicht viel her macht, stand für Sonntag die Erkundung des Essener Sommerfests an der Gruga auf dem Programm. Das Hafenfest in Duisburg hatte am Vorabend schon phantastisch vorgelegt...wie sollte Essen da mithalten können?! Ein schier unmögliches Unterfangen. Und da Essen das geahnt haben muss, hatte sich die Stadt ganz pfiffig einen Joker in die Veranstaltungshosentasche gesteckt: Den zweitägigen Riesenflohmarkt!

Wenn man auf den Joker aus und nicht ganz blöde ist, ist man natürlich wie wir - Nina, Dirk, Dennis und ich - ausreichend früh am Start. Früh an einem Sonntag definiert sich wie folgt: 11 Uhr. Und wenn man dann noch etwas für die Stimmung tun will, begibt man sich als Ausflugs-Kick-Off direkt in das House of Horror!


Direkt nach dem Betreten des Gruselkabinetts finden wir uns gefangen in einem Stroboskop-Schocker-Aufzug, der uns in die obere Etage katapultiert. Fast will man meinen, dass das Schocker-Niveau schon direkt zu Beginn nicht mehr zu unterbieten sein kann...aber da springt uns auch schon son Scream-Pillemännchen an. Wow. Ein Gruuuusel-Akteur!


An dieser Stelle die Empfehlung des Tages: Einen schwarzen Schlabberumhang über ein himmelblaues Shirt werfen, eine Billig-Scream-Plastikmaske mit faustgroßen Augenschlitzen aufsetzen und schon ist man ganz vorne mit dabei, wenn es heißt: mehr schlecht als recht. Soll heißen: Erschrecken geht anders.

Das Pillemännchen schlufft uns durch ein Eisenstangenlabyrinth hinterher und als es treppab zum Spiegelkabinett geht, kann ich einfach nicht mehr umhin, ihm einen freundlichen Ratschlag angedeihen zu lassen: "Hömma, Du Live-Akteur, Du musst ma Deinen Umhang richtig zumachen! Himmelblau steht Dir nur so mittel..."

Pillemännchen zeigt sich spontan flexibel, nimmt seine Maske ab und glotzt wie ein verwaschener Wauzi auf Dope exakt an mir vorbei. Joa...da hätte ich mich fast wirklich gegruselt. Nun denn...heiter weiter ins Spiegelkabinett und mal kurz der Lange-Beine-Illusion (siehe links) hingegeben. Der Verzwergungs-Spiegel (rechts) kommt der Realtiät dann aber leider doch deutlich näher.


Frei nach dem Motto "Außer Spesen nix gewesen" verlassen wir das Horror-Haus. Die 80er haben also nicht nur in der Mode ein Comeback...hamwa wieder watt gelernt. Dem Discokarussell können wir im Anschluss auf der Suche nach den ersten Flohmarktständen trotz dezenter Aufforderung knapp widerstehen. Und dann heisst es: The Time has come! Lasset die Flohmarktspiele beginnen!



Da man ohne anständige Stärkung keine Schätze bergen kann, gibt es noch zackich ne lekka Bratwurst und ein Regenbogen-Slush...letzteres mit Kälte-Kopfschmerz-Potential. Aber was steckt man nicht alles weg für son bisskn Regenbogengedöns...?!


Bei ca. 50 Grad im Schatten startet unsere Mission. Titel: "Leutekino meets Schatzsuche" Da direkt nach dem Aufwachen der Himmel (Grau in Grau) kühles Schmuddelwetter angekündigt hatte, könnte ich nun in meinem entsprechend langärmligen und langhosigen Herbstwetter-Outfit locker einen der vorderen Plätze beim berühmten Schwitzmontur-Wettbewerb belegen. Aber selbst mit Schweißperlen im Nacken sorgen alte Spieleverpackungen aus den 70ern und 80ern für grandiose Kindheitsflashbacks...

Man beachte den unbenasten Ernie!

Bücherstände über Bücherstände locken mit entzückenden, alten Einbänden...Krempelstände lassen komische Köppe wetteifern und im Leutekino wird der grusel-erotische Heimatfilm "Die olle Strapsnudel" gezeigt.


Komische Köppe I (und ich hätte doch den Käse Karl Eimer kaufen sollen!)
Komische Köppe II (Eine He-Man-Kampfspinne...YEAH!)
Leutekino at its best!
Komische Köppe III
Etliche Skurrilitäten und ca. 3 Stunden später brennen Füße und Augen. Ich schwächle so sehr, dass ich mich auf alles setze, was ich auftun kann...


Nun habe ich ja erst Anfang des Monats auf der Weiberkram in Wuppertal meinen Flohmarktschatz des Jahres (a.k.a. She-Ra-T-Shirt) gehoben. Somit ist ohnehin klar...das wird der Grugaflohmarkt unmöglich toppen können. Aber dennoch: Es liegt Schatzduft in der Luft...also nicht schlapp machen, sondern weiter stöbern. Dirk versucht uns für Badewannenfarbe und Schaumschlangen zu erwärmen...aber...NEIN...das ist eindeutig die falsche Fährte. Auch von Pudeln im Sektflaschen-Mantel-Look oder verlockenden Traumschiff-Versprechen lasse ich mich nicht lange ablenken...



Und dann ist es endlich soweit! Der Schnapp des Tages: 
Spiderman mit Rocker-Pommesgabel-Händchen!


Lieber Verkäufer, Pommesgabel-Spidey hat jetzt sein Basislager in meiner Dusche aufgeschlagen. Dort hat er sich mit Batman verbündet. Die beiden blicken einer frohen und heldentatenreichen Zukunft entgegen und haben mich gebeten, Wonderwoman ausfindig zu machen, um ihrer illustren WG den letzten Schliff zu verpassen. Weißte Bescheid.


Mit Spiderman in der Tasche fand meine liebe Flohmarktseele dann ihre wohlverdiente Ruh.

Merke: Auf Flohmärkten nie wieder auf alle Sitzmöglichkeiten setzen!
Kann Flecken auf dem Hosenboden nach sich ziehen. Kann dann wie Kacke aussehen.

Das Ruhr York Mantra

22. August 2011

Am Samstag Abend haben Dennis und ich keine Wege und Mühen gespart, um das Duisburger Hafenfest in Ruhrort zu bereisen. Und dafür gab es gute Gründe. Nein. Stimmt gar nicht. Dafür gab es exakt EINEN guten Grund. 

Da Dennis und ich keine Kirmesköppe, Zuckerwatte-Junkies oder Dancefloor-Herzchen sind, ham wa mit dem allgemeinem Kirmesgedöns nämlich gar keinen großen Vertrach. Wenn aber die Herrschaften von I heart Ruhr York nonstop bezaubernde Facebook-Lockrufe senden und dafür sorgen, dass sich in meinem Schädelchen eine Art Mantra a la "EIN T-SHIRT...ICH MUSS EIN I HEART RUHR YORK T-SHIRT HABEN! ICH MUSS EINS HABEN! EIN T-SHIIIIIIRT!" festsetzt, dann nix wie rein ins Auto, ab nach Duisburg, rein ins bunte Treiben und den Stand (= Shirtstätte) gesucht. 

So. Auch wenn man Kirmes in feinster Miesepeter-Manier eigentlich doof finden will ("doofe Leute, doofe Musik, doofes Gedränge, doofe Preise, doofes Dings etc."), dann hat man seine Rechnung ohne die Hafenfestkirmes gemacht, die einem erstmal eine fette Portion Charme, Flair, Weitläufigkeit und vor allem Ambiente um Ohren und Augen haut! Da wir pünkltlch zum Sonnenuntergang eintrafen, strahlte ein Traum von einem Ufer-Wetterchen mit Kirmes-Blinke-Büdchen aufs Beste um die Wette. Doof-Findungs-Chancen: unter Null!



Auf der Suche nach dem I heart Ruhr York T-Shirt-Tempel passierten wir Büdchen um Büdchen, standen mit offenen Mündern vor Karussells, die in autobahnreifem Tempo wahre Kussellköpper-Nahtod-Tänze vollführten, feuerten kleine Kinder beim Quietscheentchen-Angeln an, lobten den Grilllachs-Meister für seine gekonnte Werbetafel und streckten in He-Man-artiger Anmut Fast-Must-Have-Kaugummischwerter gen Himmel. 


Nachdem unsere letzte Karussellfahrt im vergangenen Herbst mit einem anschließend halbstündigen Time-Out wegen akuter Schwächelitis und extremer Übelkeit verbucht werden musste, hielten wir uns an der Fahrgeschäfte-Front klug zurück, um die Shirt-Mission in keinster Weise zu gefährden.


Dafür heimsten wir aber an Losbude und Schießstand großartige Preise ein! Für 325 unnietige Punkte bekamen wir eine grüne Snapperhand und eine Plastikmundharmonika im praktischen Mini-Format überreicht. Dass Snäppi und mir eine großartige Freundschaft bevorsteht, beweist das nachstehende Video recht eindrücklich...


video

Schwer beladen mit unseren Losbudenpreisen landeten wir am Schießstand, wo Dennis mir - stilecht - keine dulle Plastikblume, sondern einen wahrhaft schönen Plastiktotenkopf schoss. Und weil wir der Schießstanddame so sympathisch waren, bekamen wir noch ein Pfeiffenputzer-Männekn oben drauf. Ruhrort macht Träume wahr!

how do you make a gif


Trotz der tollen Gewinnegewinnegewinne machte sich langsam Panik breit...nicht dass die Ruhr Yorker ihren Stand und mit ihm die göttlichen Shirts schon eingepackt haben! Also...Sonne weg, Himmel dunkel, Beine inne Hand genommen und am Ufer entlang marschiert bis wir in der Ferne irgendwann endlich die Leuchtreklame der Hafenkneipe Zum Hübi erspähen konnten.  Dort irgendwo...so wurde online gemunkelt...sollte sich die Ruhr York Nachtboutique befinden...und in der Tat...im Schein alter Schreibtischlampen war schon das gesuchte Logo an der backsteinernen Hafenmauer zu erkennen.


Ohne groß Zeit zu verschwenden hamwa also direkt irgendeinen Herren angequatscht..."T-Shirt und so!?"...sofort wurde fröhlich in einer großen Kiste nach der gewünschten Größe gewühlt. Aber Mädchen-S war aus. Die Welt ist SCHLECHT...nicht aber der nette Ruhr Yorker, der sich meinem Wunsch sogleich mit Mailadresse und Nachlieferungsversprechen widmete. Netter geht nicht. Und weil netter nicht ging, bin ich einfach mal mit der Blog-Tür ins Haus gefallen...und zack...hat Marc [nicht Alex *hüstel*]...(den ich leiderleider nicht fotografiert habe...was angesichts der Tatsache, dass ich ansonsten jede Lampe, jedes Lichterkettchen und jedes Zettelchen geknipst habe, recht absurd ist!)...mir mal eben das I heart Ruhr York Konzept in kackige Worte gepackt. 


I heart Ruhr York ist ein Künstlerkollektiv, das sich zum Ziel gesetzt hat, die pottsche Mischpokenhaftigkeit in der Kunst- und Kulturszene mit gewieften Ideen und gutem Style erfolgreich auszumerzen. Aha. Und das heißt genau? Das heißt genau, dass man versuchen möchte, einen großen Pott für die ballungslokale Kunstszene zu schaffen, in dem man sich vernetzt, gegenseitig inspiriert und letztlich auch kollaboriert. Und warum muss das? Weil nicht unbedingt immer die besten Süppchen gekocht werden, wenn immer nur Köche aus der eigenen Stadt in der Kreativkombüse stehen.


So weit...so (sehr) gut. Aber was noch? I heart Ruhr York möchte einen Schmelzpott schaffen für Kunst-und Kulturschaffende UND das interessierte Völkchen. Geplant ist ein Onlinenetzwerk, in dem Künstler sich und ihr Tun/Können in unterschiedlichen Sparten mit eigenem Profil vorstellen können...um gefunden zu werden und auch um selbst zu finden.

Lange Rede, super Sinn: Während die meisten Köppe in der Kunst- und Kulturszene gerne sehr special und undergroundig daherkommen wollen, packt mich Marc mit seinen Erklärungen da, wo man mich echt gut packen kann: Hier haben ein paar Leute eine richtig herzlich wirkende Vision von einem kreativen Miteinander, das das typische Szene-Tüdelü zugunsten von Freude, Produktivität und Sinnhaftigkeit gar nicht nötig hat.

So. Aber als wäre das nicht alles schon toll genug, bestritten die Ruhr Yorker ihre Nachtboutique mitnichten allein! Tellavision war ebenfalls mit Shop und Herz am Start. Und weil Marc nicht nur von seinem eigenen Projekt, sondern auch von Tellavision ein großer Fan ist, hat er mir auch noch die Tellavision-Welt erklärt...


Tellavision Clothing ist ein Streetwear Label für Menschenrechte. Auf ihrer Facebookseite sagen die Macher über sich: "Durch uns werden diskriminierte Kids zum Designer und der Käufer zum Träger Ihrer Stimme!". Mittlerweile läuft das Projekt im zweiten Jahr. 2010 ging es nach Tanzania, wo sich Kinder in einem Albino Center mit Farben und Fair Trade Shirts als kleine Künstler versuchen durften. In Kooperation mit Terres des hommes ging es 2011 nach Indien, um dort solchen Kindern, die von Umweltzerstörung und Klimawandel im besonderen Maße betroffen sind, Malstifte in die Hand und somit eine Stimme zu geben.

Die Gelder, die über den Verkauf der Shirts und Hoodies sowie über Spenden an Tellavision gehen, werden dort eingesetzt, wo die Kinder es brauchen...nämlich in den kleinen Dingen des Alltags. So wurden nicht nur Matrialien für den Ausbau des Albino Centers, sondern auch Kleinigkeiten wie Geodreiecke, Töpfe oder Bücher gekauft.

Während ich das hier tippe, denk ich mir: Nix als schöne Worte. Und damit das nicht so bleibt, hab ich mir just das grandiose Bruce Lee Shirt aus der Tanzania Serie bestellt. Ha!

Die Nachtboutique, die I heart Ruhr York und Tellavision gemeinsam am vergangenen Wochenende veranstalteten, fand unter dem Deckmäntelchen des Duisburger Hafentanzes statt. Wo Tanz, da Musik - logisch. Und genau deshalb kam die Nachtboutique natürlich nicht ohne einen guten (Elektro-)Sound daher, für den ein DJ mit Blick aufs Wasser sorgte.


Aus dem Hübi waren hingegen ganz andere Klänge zu vernehmen, die natürlich ausgekundschaftet gehörten. 

Hübi-Boden
Mit dem ersten Schritt in die Kneipe war ich Fan von der Band Mobilée, die dort auf einer kleinen Bühne bei locker 50 Grad solch tolle Melodien zauberte, dass ich mich automatisch in der ersten Reihe aufbaute und mit reichlich Spass inne Backen bis zum Schluß blieb. Vor allem die Frontfrau Caroline Wolter hatte es mir mit Stimme und Ausstrahlung ganz besonders angetan.
Anklicken, reinhören und gut finden! Diese Band hat es verdient!


Auch wenn dieser Blogeintrag vor Länge und Lob bald platzt...einer geht noch: Mobilées Roy Orbison Tribute-Video ist wirklich herzallerliebst!

Merke I: Die besten Bilder knippst man manchmal aus Versehen:


Merke II: Den Daheimgebliebenen immer schön was mitbringen!


Merke III: I HEART RUHR YORK. Klar.


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