Gollum auf Pepp

30. Januar 2012

Am Samstag Morgen verließ ich nach einem relativ entspannten 26-Stunden-Dienst die Arbeit. Die Sonne schien, im Radio lief ein nettes Liedchen und ich freute mich auf den Wochenendrest. Diese Verkettung könnte man folgendermaßen zusammenfassen: Ich hatte gute Laune.

Dann fuhr ich tanken. 

Als ich auf das Gelände der Billigtanke auffahre, warten bereits einige Wagen in Schlange. Ja. Diese Wortwahl wähle ich bewusst. Alle Wagen, die nicht an einer Zapfsäule standen, warteten in EINER Schlange. Derjenige, der in der Schlange vorne stand, fuhr zur nächst frei werdenden Säule vor. Einfache Kiste. 

Ich reihe mich mit meinem Auto hinten ein und warte. Nach dem netten Liedchen kommt ein Kackliedchen. Aber die Sonne scheint noch immer und meine Laune bleibt ungetrübt gut. 

Ich warte und warte und warte. Und irgendwann stehe ich in der Reihe ganz vorne. Die nächste Zapfsäule wird an mich gehen!

So. Und während ich nun die Worte suche, um zu beschreiben, was dann passiert ist, taucht mein Herzklabaster in spe bereits wieder am Emotionshorizont auf.

Von links hinten kreuzt aus dem Nichts ein Benz auf. Schickimann und Schickifrau um die 50 sitzen drin und stehen mir nichts Dir nichts an DER Zapfsäule, die gemäß Schlangensystemsrecht an MICH hätte gehen müssen. Ich sende Todesblickpfeile in den feindlichen Wagen. Die Schickifrau fängt einen auf und starrt mich unbeeindruckt an. Ihr gehört die Welt. Ach so.

Ich atme tief durch und fange an, dezent gereizt auf meinen Radiotasten rumzudrücken. Kacklieder wohin man klickt. 

So. Da! Der Opel-Hanselmann kommt aus dem Tankstellenkassenhäuschen und steigt in sein Autochen ein, um MIR den nächsten MIR zustehenden Zapfsäulenplatz zu hinterlassen.

Ich bin keine Autoschnarcherin. Ich fahre so Auto wie ich spreche. Schnell. Aber offensichtlich NICHT schnell genug, um vor dem Ford-Kackvogel an der MIR zustehenden Zapfsäule zu landen, der plötzlich von rechts aus dem Nichts erscheint, die gesamte Schlange passiert und mich so dreist schneidet, dass ich vor Entrüstung die rechte Hand (unbemittelfingert!) zu einer Zornesbewegung á la "Pass ma auf, Altaaaa!" in die Luft schnellen lasse.

Diese Handbewegung ist dem Kackvogel nicht entgangen. Lassen wir ihn keine 20 Jahre alt sein. Er sieht aus wie die Spassels, denen ich am Vorabend noch gesagt hab, wann sie ins Bett gehen sollen und dass die Tatsache "keine Schule - keine Bustickets" dem gleichen Prinzip unterliegt wie "keine Arme - keine Kekse".

So. Dieses kackvögelige Hanswürstchen sieht also meine Zorneshand und erhebt im Gegenzug die seine...allerdings mit einer derartigen Aggrofresse, dass ich ihm abfällig den Vogel zeige. Da springt der Kackvogel aus seiner Karre, die er bestimmt dem eigenen Vadder unterm Popo weggeklaut hat, und baut sich mit einem Satz vor meinem Auto auf. 

Kackvogel: "Hömma, wenn Du zu bescheuert bist, Dich richtig anzustellen, ey, dann musse mich nich anscheißen, ey!"
Ich: "Hömma, wenn Du zu bescheuert bist, um zu raffen, wo in der Schlange hinten ist, dann musste wohl nomma zur Schule gehen, EY!"

Kackvogel will meine Beifahrertür aufreißen. Ich gucke Kackvogel mit meinem "Mach das und Du stirbst!"-Gesicht an. Kackvogel ist zwar kacke, aber nimmt mein Todesvorhersage-Gesicht zum Glück ernst. Er stapft um mein Auto herum, fuchtelt aggressiv mit den Armen und hechelt irgendwelche Entrüstungsfetzen. Vor meiner Fahrertür bleibt er stehen und bedeutet mir, meine Fensterscheibe runter zu machen. Pfff. Bin ich bescheuert?! Damit der mir beim Schreien noch ins Gesicht spuckt? Also schüttele ich ganz langsam und sehr demonstrativ mit dem Kopf. Also spuckt der Kackvogel vor meine Scheibe, während er versucht, mir die Welt im Allgemeinen und die Tankstellenwelten im Besonderen zu erklären. Dabei platzt ihm fast der Kopf.

Diejenigen, die an den anderen Zapfsäulen ihre Autos betanken, starren fassungslos herüber und scheinen nicht sicher zu sein, ob ich Hilfe brauche. Ich brauche keine Hilfe. Aber ich brauche gleich einen neuen Kragen, weil mir meiner jeden Moment platzt...und dann gnade dem Kackvogel Gott oder sonstwer.

Und dann isset soweit. Nach 26 Stunden-Spassel-Dienst habe ich keine Lust mehr, mich von so nem Würstchen in meiner freien Zeit ankacken zu lassen. Während ich durch meine Autoscheibe in seine Gehirnwindungen brülle, kann ich spüren, dass mein Gesicht sich zu einer garstigen Fratze verzieht. Wahrscheinlich sehe ich aus wie Gollum. Auf Pepp. 

Dem Kackvogel klappt die Kinnlade runter. Gollum auf Pepp ist ihm offensichtlich etwas unheimlich. Also tritt er schimpfend den Rückzug in seinen Wagen an. Dort sitzt ein Freund von ihm. Dem klagt er nun wild gestikulierend sein Leid...wobei er nur eine Geste beherrscht: den Mittelfinger.

Es wird eine weitere Zapfsäule frei. Ich bebe vor Wut und verspreche mir selbst, ganz bald wieder meine Schilddrüsentabletten regelmäßiger zu nehmen.

Hinter mir beginnt ein Hupkonzert. Ich soll gefälligst an die freie Zapfsäule vorfahren. Passt ma auf, ihr Panneköppe...mein Tankdeckel ist auf der falschen Seite für die freie Zapfsäule! Aber das kapieren die Panneköppe nicht. Also fahre ich schimpfend an die Säule, steige aus, trage mein Gollum-sagt: "STIRB!"-Gesicht und sende Todesblickpfeile in den Benz, in den Kackvogel-Ford und in Richtung des ganzen anstehenden Rests. Ich reiße den Zapfhahn aus der Halterung, zerre ihn zu meinem Tankdeckel auf der anderen Seite, gucke die Deppen an, die eben noch gehupt haben, und keife "SO!", als deutlich wird, dass der Zapfschlauch nicht lang genug ist.

Mein Blick fällt wieder in den Kackvogel-Ford. Dort sitzt der Kackvogelspassel mit krebsrotem Gesicht und lacht, weil er offensichtlich denkt, dass ich doof genug wäre, um auch nur anzunehmen, dass ich mit dem Schlauch an mein Tankloch (äh...wie heisst das Ding UNTER dem Deckel?!) komme.

Ich bin kurz davor mit dem Zapfschlauch in meiner Hand Bezin auf die Ford-Fronscheibe zu spritzen. Mein Handy klingelt in meiner Manteltasche und lenkt mich von diesem Vorhaben ab. Marc ist dran. Ich grätze: "JAAA?!" Marc plappert diesdasjenes. Ich höre gar nicht richtig zu. Wut macht taub. 

Aber nicht taub genug! Da keift etwas aus dem Off. Lauter und lauter. Ich ignoriere es. Bis ich es nicht mehr aushalte. Ich drehe mich um und blicke in den Keifschlund der pelzbemantelten Benz-Dame. Durch das offene Beifahrerfenster giftet sie: "Machen Sie Ihr Handy aus! MACHEN SIE IHR HANDY AUS!!! HALLO?!?!? HÖREN SIEEEE!!!! MACHEN SIE SOFORT IHR HANDY AUS!!!! HIER EXPLODIERT GLEICH ALLES!!!!!!!"

Hier explodiert gleich alles? Jahaahaaaa! Genau!!! Und mein Handy verursacht gleich auch einen Flugzeugabsturz. Und dieses Flugzeug knallt dann in genau DIESE Tankstelle. Herrje! Ehe die Tankstelle explodiert, explodiert Dein Pelzmantelköpfchen, weil ich da mit dem Zapfhahn gleich mal ordentlich drauf haue.

"Marc, ich muss auflegen."

Ich springe in mein Auto, wende mitten auf der Tanke, sehe immer noch aus wie Gollum auf Pepp, und bin sicher: Keine Schilddrüsentabletten der Welt könnten diesen Tobsuchtsanfall mildern, dem ich gerade anheim falle. Der Kackvogel sitzt übrigens immer noch schreiend im Auto. Aber vielleicht schreit er auch nur, damit sein Kackvogelfreund ihn überhaupt hört...denn die beiden hören so laut irgendeine Aggromucke, dass es in Kürze zu akutem Hirntod kommen sollte.

Nachdem ich mein Auto gewendet habe, ignoriere ich alle anwesenden Menschen. Ich halte den Blick gesenkt, tanke, zahle, ertrage kommentarlos, dass der Kackvogel hinter mir in der Kassenschlange steht, steige in mein Auto ein, fahre auf die A40 und versuche, meine mentalen Gollum-Falten zu glätten.

Diese Verkettung könnte man folgendermaßen zusammenfassen: Ich habe unfassbar schlechte Laune.

(Von so etwas sollte man sich nicht die Laune verderben lassen?! Pfff...sag das mal meiner Laune. Die ist Chef.)

So. So toll fing der Samstag an. Was dann kam, passte zum Anfang und wird jetzt aus umfangfreundlichen Gründen nur zackig im Bilder-Stakkato beschrieben:

Besuch der Ausstellung 
im Forum für Kunst und Architektur am Essener Kopstadtplatz

Dort kam übrigens direkt Freude auf (NICHT), als mein Kamera-Akku nach den ersten zwei Bildern seinen Geist aufgab. Toller Tach. Also gibbet jetzt ne Menge iphone-Knipfe-Bildchen, die so manchem Motiv nicht gerecht werden.

Klarer Favorit: Die Becker Schmitz Wand

Ein Sechser

Ein Becker Schmitz

Miniatur-Retrospektive von Ariane Koch

Barytpapierabzüge "nichts + nichts = materie" von Ulrike Scholder

Bilderwand von Ayako Kyodo / ne Treppe / Videoarbeit von Philipp Madörin / Bananenvideo von Dieter Wessinger

Klangobjekt/Videoinstallation "Lodeslied" von Aline Zeltner / non-perspectivischer Scherbenberg / Polaroid aus der Reihe "Erinnerungsstücke" von Bille Gsottschneider / Marc vor zwei Werken von Holger Kurt Jäger

non-perspektivische Papierspielereien

Und weil ich auch ein extrem sehr großer Künstler bin, habe ich mich kurzfristig zu einer kleinen Performance hinreißen lassen, die ich "Krawall und Remmidemmi" nennen möchte. Man beachte die perspective der im Winter wärmenden Fußheizung....

gif maker


Und weil performen bekanntlich sehr hungrig macht, hamwa uns umme Ecke bei noosou auffe Schnelle n wirklich schmackhaftes Hühner-Kokos-Süppchen für sagenhaft schlappe 2,50€ eingeworfen.



Lekkilekkilekki und weiter nach Bochum. Dort wurde ein historischer Jahrmarkt inna Jahrhunderthalle angepeilt. Aber bei 9,50€ Eintrittskosten pro Person hamwa ma schön aufm Absatz kehrt gemacht, sind statt dessen in nem Raritätenlädchen in der Alleestraße / Ecke Metzstraße gelandet und haben dort einen WATCHMAN aus den 80ern bewundert.
 

Dann heiter weiter zum Stuckgut Laden. Dort wurden wir sofort wieder herauskomplimentiert...der Laden hatte bereits geschlossen. Geschlossen hatte auch die Goldkante. Geschlossen hatte auch die [the spam] - Galerie. Geschlossen hatte auch die chrom Galerie.


 


Und dann hatten wa den Papp auf und sind nach Hause gefahren. (Na gut...vorher gab es noch ne Runde Frustkuchen im Café Konkret. Essen geht schließlich immer.)



Und wer ist an dem ganzen Elend Schuld? Der Tankstellenkackvogel. Natürlich! Pff.

Merke: Schilddrüsentabletten künftig in Baldriantee auflösen.



Schmuddelwetter-Survival-Guide

25. Januar 2012

Da dieser Winter kein Winter, sondern ein Schmuddler ist, hilft alles nix: Da muss man durch. Und genau aus diesem Grund habe ich mich in den letzten Wochen im Selbstversuch äußerst wagemutig mit diversen Durch-Muss-Methoden befasst. Im Folgenden präsentiere ich ein Best Of mit dezentem Aufforderungscharakter...

Ein Schafsfell kaufen

 
In der Karawane so viele Vorspeisen essen bis man platzt

Singen und tanzen
 
Einen Blick durch ein Kalaidoskop riskieren

Zu Hause mal ordentlich ausmisten

In der Goldbar ein lecker Weinchen vorm Kaminfeuer trinken



Ein bisskn watt auf Vorrat einkaufen

Kerzen auffn Tisch stellen und anzünden

Aus der Not ne Tugend machen

In der Eisboutique Gioia ne Heidi futtern
Morgens ganz kurz innehalten

Sich ehrenamtlich als Tannen-Taxi engagieren

Eine Mutantenwaffel mit Blütenblättergedöns verspeisen

Spielen und malen

Eine Bubble-Tea-Bar ausprobieren

Das Glück nicht aus den Augen verlieren

Sich nicht ins Bockshorn jagen lassen...weder von der Kälte, noch vom Ruhrgespenst, noch von unangenehmen Beifahrern

Und zur Not: Petrus mit ordentlich Kasalla drohen!

Merke 1: Ein Winter ohne Winter ist wie ein Sommer ohne Sommer.

Merke 2: Übers Wetter zu meckern hat noch keinem geholfen.

Wie man einen gewonnen Gewinn nicht gewinnt

23. Januar 2012

Ich befinde mich am Donnerstag Abend im Scheiße-TV-Himmel und gucke Unser Star für Baku, als ich per Mail die Mitteilung erhalte, dass ich den bei Facebook ausgeschriebenen Gutschein für eine Cocktailrunde für 3 Personen am Reopening-Abend der Fcuk Yoga Bar gewonnen hätte. Große Freude...denn für gewöhnlich gewinne ich noch nicht mal irgendwo ne dämliche Bockwurst oder so. Ich solle in der Bar einfach nach Dennis Soundso fragen...dann wüßte man schon Bescheid. Toll.


Nun muss ich zugeben, dass mir das Fcuk Yoga einfach mal ziemlich suspekt ist. Das liegt zum Einen an einem grundsätzlichen Gefühl, das man ruhig auch "Ahnung" nennen könnte. Und zum Anderen ist das glasklar auf meinen bislang einzigen Besuch der Bar zurückzuführen, der damit endete, dass Omma Tina und ich die Beine in die Hand nahmen und die Flucht ergriffen.

Aber mit nem Gutschein in Petto halte ich es für äußerst angebracht, mich gnädig zu zeigen und dem Laden eine zweite Chance einzuräumen.

Ich fasse zusammen: 

- Es findet sich keine dritte Personen für den 3er-Gutschein. Alle haben schon was vor oder lehnen die Lokalität so sehr ab, dass sie auch kein Gutschein locken kann.
- Am Abend versacke ich zunächst mit "The Voice of Germany" im Scheiße-TV-Himmel. Ich bin müde. Ich will Bett.
- Ich raffe mich gegen 22 Uhr auf, bin knusselig, habe natürlich nix zum Anziehen und doofe Haare.
- Marc kränkelt, findet aber meine Haare freundlicherweise genauso gut wie all meine Anziehsachen.
- Irgendwann nach 23 Uhr kriegen wir die Hintern hoch und schleppen uns nach Rüttenscheid. So ein Gutschein verpflichtet schließlich.
- Wir finden 100 Stunden lang keinen Parkplatz. Natürlich.
- Wir betreten die Bar und kleben an mittelgroßen Steinfiguren fest, die sehr cool und sehr sinnbefreit im Eingang rumstehen.
- Man begafft uns. Nicht beiläufig. Es wird gestarrt, gescannt, gecheckt, geurteilt.
- Wir starren, scannen, checken und urteilen zurück...und flüstern uns abwechselnd "Was ist denn HIER los?!" zu.

Wahrscheinlich komme ich nun auf alle Zeiten auf die Fcuk Yoga Black List. Aber: Das ist mir mal sowas von egal. Deshalb frei wech vonne Leber:

- Der Altersdurchschnitt in der Bar liegt bei 38 Jahren...würde ich grob schätzen. Die Frauen drücken den Schnitt leicht nach unten, die Männer drücken ihn hingegen deutlich nach oben. Das männliche Publikum drückt darüber hinaus auch ordentliche Kilos in irgendwelchen Muckibuden und führt die ach so tolle Muskelmasse nun gerne in fast platzenden Shirts und Hemden aus während ein maximalerfolgreiches Grinsen die asi-getoastete Visage ziert. 

- Auch die weibliche Bagage scheint den Asi-Toaster-Style als Zierde zu begreifen. Aber in Wahrheit waren die Damen bestimmt nur allesamt im Zermatt und haben gewinterurlaubt. Da wird man bekanntlich ja immer sehr, sehr braun.

- Ich klebe derweil immer noch an der bekloppten Steinfigur fest und überlege wie wir bis zur Bar durchdringen sollen, um uns die Cocktails zu organisieren. Und ob es das überhaupt wert ist...das überlege ich auch. 


- Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man an Bars folgendes Verhalten an den Tag legen sollte: Anstellen, bestellen, Drink entgegen nehmen, GEHEN und PLATZ MACHEN! Sämtliche Trullas, die an allen Bars der Welt in der Hoffnung festkleben, dass sich gleich ihr Traummann neben ihnen materialisieren könnte, um sich einen Drink zu bestellen, sollen bitte einfach tot umfallen und PLATZ MACHEN! Aber vielleicht bin ich da auch einfach überempfindlich. Schließlich will ich auch in Innenstädten ständig lauthals "GEHEN...NICHT STEHEN!" in fremde Gesichter keifen.

- Nun kleben diese "STEHEN...NICHT GEHEN!"-Damen sogar in zweiter und dritter Reihe am Tresen fest. So viel Schminke habe ich zuvor übrigens selten auf einem Haufen gesehen. Die durchschnittliche Tresenblockiererin sieht derart aufgestrapst, gestriegelt und toupiert aus, dass ich meine eigene Kleidung und meine doofen Haare plötzlich ziemlich gut finden kann. Praktisch.

- Wie quetscht man sich nun aber durch ein Rudel flirthungriger Frauen, ohne an glitzernden Gürtelschnallen, bösartig grellen Krallenfingernägeln und hochgepushten Titten dem Tod durch Verbluten oder Ersticken anheim zu fallen? 

- Eben. Gar nicht. Wir schaffen es nicht an den Tresen. Es gelingt uns lediglich, uns mühsam an der Douglas-Brigarde vorbei in den hinteren Teil der Bar zu schieben. Dort finden wir sogar einen Sitzplatz...auf dem wir dann - trotz heiliger Gutscheinigkeit - ziemlich doof aufm Trockenen rumsitzen.


- Marc erbarmt sich und bricht auf gen Bar. Ich begucke in der Zwischenzeit den muskelbespacktesten und braunsten Mann in der ganzen Bar, der in Spuckweite von mir sitzt. An ihm klebt eine junge, überaus hübsche Blondine. Sie scheint ihn toll zu finden. Das verstehe ich - auch unabhängig von einem etwaigen Muskelfaible - nicht, denn der Typ hat Strasssteine auf seinem Shirt. STRASSSTEINE!

- Irgendwann taucht Marc wieder auf. Ohne unsere Cocktailgewinne. Man kenne hier keinen Dennis Soundso. Und überhaupt...man hätte mir schließlich mitgeteilt, dass ich den Gutschein ausdrucken und mitbringen sollte.

- Äh...hallo?! Nix hat man mir gesagt. NIX. Ich sitze hier also in dieser behämmerten Restefickrampenbude für pseudoschöne Menschen rum und kriege jetzt noch nicht mal was umsonst?!? Ich glaub, et hackt?! Marc und ich beschließen, die Lokalität augenblicklich zu verlassen. Aber vorher schreibe ich noch eine kurze Beschwerdemail an den Gutscheinverloser, der sich übrigens bis jetzt noch nicht zu seinem imaginären Dennis geäußert oder gar entschuldigt hätte. Böse Welt!

- Im Anschluss an dieses feudale Tageshighlight landen Marc und ich - als waschechte Partyanimals - in der Zweibar und trinken Tee. 


Und sonst so? Es hat in kürzester Zeit so viel gehagelt, dass die Dachrinne am Nachbarhaus voll war. Fand ich sehr beeindruckend.


Merke I: Der Schacht I am CentrO in OB hat nun einen Nachtflohmarkt im Programm. 
Alter Vatter...das war der schlechteste Flohmarkt vonne Welt. 

Merke II: Aber auch auf dem schlechtesten Flohmarkt vonne Welt 
lässt sich watt Feines finden!

Schiefhalsige Campari-Cocktail-Giraffen


Merke III: I Gespenster-Ziegenkäse!


Sonntagssüß: Crumble N'Bumble

22. Januar 2012

Dass Backen keins meiner ach so zahlreichen Talente darstellt, habe ich in meinem letzten Blogpost wahrlich hinreichend demonstriert. Umso gewagter also meine Absicht, bei der wöchentlichen Initiative Sonntagssüß mitmachen zu wollen.

Initiative Sonntagssüß? Wasn das? Da haben sich drei Blogger-Damen zwecks folgender Mission zusammengetan: "Wir möchten die Menschen dazu animieren, sich sonntags zum Kuchengenuss zu versammeln, einen Moment - und sei er noch so klitzeklein - bewusst zu genießen, die Süße aufzugabeln und das Saure außen vor zu lassen."...und darüber zu bloggen. Die jeweiligen Posts werden dann reihum von einer der Aufruferinnen auf dem eigenen Blog (in der Kommentarbox) gesammelt...und damit ist heute Katrin von lingonsmak dran.

So. Diesen Spaß gucke ich mir jetzt schon ne ganze Weile an und bestaune Fotos von Leckereien, die wahrlich duftig, hauchzart, vollmundig, wolkengleich, traumhaft schmackhaft und insgesamt nach maximal großer Backkunst aussehen - also nach allem, was ich mit meinem schwatten Backdaumen a la Kackwurst/Sprühwurst nicht produziert bekomme.

So. Lange Rede, großer Wahnsinn: Ich hab den schwatten Backdaumen geschwungen. Und weil das bei mir beim besten Willen nicht nach großer Backkunst aussieht und somit auch keine himmelsgleichen Fotos nach sich ziehen kann, gibbet nun ein Sonntagssüß der anderen Art:


Aprikosen-Crumble N'Bumble










So. Hamwa datt auch erledigt. Aber das Wochenende gab glücklicher Weise noch n bisskn mehr her als zwei leicht angebrannte Crumble-Pöttchen. Und deshalb gibbet morgen einen Wochenendnachschlag. In diesem Sinne:

Merke I: Pittamesser schreibt man Pittermesser. 

Merke II: Den schönsten Food-Blog vonne Welt hat übrigens 
 Kathrin Koschitzki von photisserie.


Kackwurst + Sprühwurst = ?

13. Januar 2012

Jammer, jammer, großes Elend, jammer, jammer, oh weh, oh weh, jammer, jammer, Dentalschlachter, jammer, jammer, böse Welt, jammer, jammer, großes Leid, jammer, jammer, aua aua, jammer, jammer, Schmerz und Weh, jammer, jammer...aber ich reiß mich jetzt mal zusammen, denn eigentlich will ich über etwas anderes schreiben.

Ich bekenne:

1. Ich liebe Scheiße-TV! Wenn irgendwas gecastet wird und / oder gruppendynamische Psycho-Action im Raum steht, bin ich Feuer und Flamme.

2. Ich habe viele Talente. Pünktlichkeit, Überraschungen für mich behalten und Rechnen gehören eindeutig nicht dazu. Backen auch nicht.

Diese beiden Bekenntnisse stehen tagesaktuell in einem Maximalzusammenhang, denn heute startet das Dschungelcamp mit einer neuen Staffel. Jaja, Asche auf mein Haupt, ihbah und so...Hinz und Kunz guckt lieber ARTE...jaja. Mir egal. ICH kann ARTE gucken UND Scheiße-TV toll finden. Einfache Kiste. So.

Und weil dem so ist, bin ich heute Abend zu einem Dschungelcamp-Abend in einen Düsseldorfer Privathaushalt eingeladen. Der Bewohner dieses Privathaushaltes ist übrigens auch der Organisator des Dschungelcamp-Tippspiels, an dem ich in diesem Jahr teilnehmen werde. Ja, in der Tat: Dinge, die die Welt bewegen!

Und wenn man so feierlich zu einem Dschungelcamp-Abend im Hause des Dschungelcamp-Tippspiel-Chefs eingeladen ist, will man natürlich nicht mit leeren Händen aufkreuzen. Man weiß schließlich was sich gehört. Und da es sich nicht um einen 08/15-Quassel-Futter-Rumsitz-Abend handelt, kann man natürlich auch nicht mit irgendsonem 08/15-Mitbringsel antanzen. Also habe ich mir Gedanken gemacht.

Wahre Visionen machten sich in meinem Hirnchen breit! Ich würde backen! Einen Kakerlaken-Kuchen! Oder Spinnen-Muffins! Oder einen Snake-Cake!

über www.cakewrecks.com
über www.notmartha.org

über www.kaffehaus-co.de

Der Einfachheit halber entschied ich mich für die Snake-Cake-Variante. Und da ich auf der Arbeit saß, hab ich schnell sämtliche Schränke durchwühlt und festgestellt: Alles vorhanden, was mein unterbelichtetes Bäckerherzchen begehren könnte.

So. An dieser Stelle bitte noch mal das Snake-Cake-Bild aufmerksam betrachten, um die Diskrepanz zu dem, was ich im Folgenden verbrochen habe, in voller Gänze wahrnehmen zu können.


Das, was ich aus dem Ofen holte, sah - warum drumherum reden? - wie ne astreine Kackwurst aus. Aber mein Bäckerherzchen lachte. Kackwurst? Macht nix. Passt auch toll. "Scheiße-TV" macht sich als Motto für den Abend natürlich ebenfalls ganz ausgezeichnet. Trotzdem...etwas derart Unappetitliches sollte man niemandem zumuten. Also kurz nachgedacht und zu dem Schluss gekommen, dass eine tolle Glasur die Kackwurst massiv aufwerten würde.

Als ich auf die Idee kam, einfach die Tonnen an Weihnachtsschokolade einzuschmelzen, die sämtliche Schränke auf der Arbeit bevölkern, fand ich mich ziemlich pfiffig.

make an avatar

 


Als ich dann jedoch feststellte, dass ich anstatt gewünschter Glasur lediglich eine dicke Sprühwurst produziert hatte, ließ das Pfiffigkeitsgefühl doch erheblich nach. Vielleicht hatte der Herd einfach aufgrund der Bockwürstchen die falsche Aura.



Inzwischen trudelten die ersten Spassels von draußen rein. Der Kuchenduft lockte in die Küche und Kevin, Chantal und Cindy (die in Wahrheit anders heißen...aber nur unwesentlich anders) zeigten mit den Worten "Ih...sieht das scheiße aus!" ihre gewohnt ehrliche Haut. Aber ich ließ mich nicht entmutigen. Minus plus minus ergibt plus. Weiß man doch! Also bestand eine reelle Chance, dass aus Kackwurst plus Sprühwurst irgendentwas ganz Tolles werden würde.

Joa. Dem war aber nicht so.


Die sprühglasierte Kackwurst landete im Müll. Ich werde mit leeren Händen beim Dschungelcamp-Tippspiel-Chef auftauchen. Schließlich weiß ich ja was sich gehört.


Merke I: Zahnärzte, die mit ihrem Bestienbesteck vor Zähne kloppen,
um zu gucken, ob das weh tut, gehören verkloppt.

Merke II: Die Dental-Hölle ist ein grausamer, grausamer Ort.

Merke III: Jammer, jammer, jammer, jammer, jammer, jammer!

Merke IV: Ich befinde mich aktuell im Scheiße-TV-Himmel: 
Der Bachelor, Unser Star für Baku, The Voice of Germany, Schwer verliebt, 
DSDS, Dschungelcamp, Das perfekte Model...hach...!


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