In Sachen Flüchtlingspolitik oder #1000malWillkommen

31. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich bin ja seit jungen Jugendtagen ein großer Fan vom Coolibri. Für alle, die den Coolibri nicht kennen: Es handelt sich dabei um ein regionales Veranstaltungsmagazin. Vor gut 2 Jahren habe ich HIER schon mal über meine Coolibri-Liebe geschrieben und ich betone immer gern und überall: Wer im Ruhrgebiet wohnt und dem Coolibri auf Facebook nicht folgt, ist eindeutig selber schuld, denn so verpasst man echt viele tolle, ausgefallene, kreative und spannende Veranstaltungstipps. Oder was Anderes. Und heute geht es mal um was Anderes:

Aktuell ist die deutsche Flüchtlingspolitik in aller Munde. Ob Twitter, Facebook, TV oder inner Zeitung...die Diskussionen sind allgegenwärtig und mir drängt sich so manche Ekelgänsehaut angesichts vieler unreflektierter, selbstbezogener und verwöhnter Aussagen auf. 

Herrschaftszeiten, da sind Menschen in Not! Wir hocken hier schön alltagsgepampert in unserem Netz sozialer Sicherheiten - klar, dem Einen geht es besser, dem Anderen schlechter - aber uns ALLEN geht es immer noch gut genug. Gut genug wofür? Um zu helfen, wenn Hilfe benötigt wird. Um Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft walten zu lassen. Um nicht auf Floskelzüge à la "Wir können doch nicht die ganze Welt aufnehmen" aufzuspringen!

Im zweiten Weltkrieg waren wir Deutschen die Flüchtlinge. Landeten verängstigt ohne Hab und Gut und mit dicken Traumata im Herzensgepäck irgendwo auf der Welt und waren froh, wenn man uns aufnahm. Mir ist es sogar fast (!) egal, auf welche Seite der Flüchtlingspolitik man sich im Allgemeinen zu stellen meint, aber jeder - JEDER - sollte doch verdammte Axt noch mal daran denken, dass es sich um MENSCHEN handelt. Menschen, die Schiss haben. Die alles verloren und/oder hinter sich gelassen haben. Die nicht weiter wissen. Es gilt also angesichts der gesamten Situation, nicht an eine homogene Flüchtlingsmasse zu denken. An den Einzelnen sollte man denken und daran wie der sich wohl fühlt. Und wenn man DARAN denkt, sollte sich ja wohl ein bisschen Nächstenliebe und Respekt aufbringen lassen, denn das könnten auch WIR sein, wenn wir dort und nicht hier geboren wären!

(Jaja, der Coolibri-Kreis schließt sich gleich noch!)

Ich habe selbst in einem Aufnahmeheim für Jugendliche gearbeitet, das ab und an auch mal Flüchtlingsjungs aufgenommen hat. Der Kerle waren arme Säue...anders kann man das echt nicht sagen. Und welchen Stempel drückt man ihnen von außen auf? Den Stempel "kriminelles Pack". Soso. Dass aber so ein Junge, der wirklich gerne Deutsch lernen WÜRDE, der furchtbar gerne zur Schule gehen WÜRDE, der sich total gerne integrieren WÜRDE, das alles aber erst mal gar nicht KANN, weil ihm die Bürokratie alle möglichen Knüppel zwischen die Integrationsbeine wirft...DAS bedenkt kaum jemand. Er kriegt nen Stempel und gut is. Und wenn so ein Junge dann monatelang vor sich hindümpelt, weil er nix kann und nix darf, und dann irgendwann "doofe" Kontakte knüpft - zu kriminellen DEUTSCHEN Jugendlichen, die einfach per se keinen Bock auf nix haben, und anfängt "Mist" zu bauen, zu klauen, zu kloppen oder sonst was Bescheuertes anstellt, dann zeigt man mit dem Finger auf ihn und schreit "Hab ich's nicht gesagt?! Die machen hier NUUUR Ärger!".

Man muss sich da mal hineinversetzen! Über Monate hinweg darf man nix. Nur fernsehen oder ausm Fenster gucken. Man darf nicht zur Schule oder nicht arbeiten. Man spricht die neue Sprache nicht und gerät in die entsprechenden Kreise. Man hat kein Geld oder nur sehr, sehr wenig. Man ist gefrustet, gelangweilt, traurig, entmutigt und einsam. Und dann erst kommt gegebenenfalls - und das natürlich auch längst nicht unbedingt in allen Fällen - das Mistbauen. Als Flüchtling ist man nicht von vornherein ein fieser Schmarotzer, der hier nur aufschlägt, um sich ein kriminelles Kleinimperium aufzubauen! Man rutscht da unter Umständen einfach rein, weil es eben leichter ist, sich in bildungsarme und kriminelle Schichten zu integrieren. Weil man dadurch, dass man nicht zur Schule gehen oder nicht arbeiten darf, mit  "fitteren" Leuten mit "besserer Gesinnung" oder einem höheren Intellekt kaum bis gar nicht in Berührung kommt. Also integriert man sich da, wo man sich integrieren kann. Sowas ist der Hilflosigkeit, der Überforderung und dem Frust geschuldet.

Ich will gar nicht sagen, dass das mit der Flüchtlingspolitik alles ganz einfach ist. Ist es nicht. Ich will nur sagen: Denkt Euch mal rein! Sagt Anderen, die irgendwelchen inhaltsleeren Parolen nachhängen, dass sie sich mal reindenken, nein, reinversetzen sollen! Und tragt selbst eine Haltung nach außen, die Aufgeschlossenheit, Akzeptanz und Hilfsbreitschaft signalisiert, denn das können wir uns hier in Deutschland wirklich leisten. Und das sollten wir!

Und der Coolibri hat mich auf die Idee zu diesem Post gebracht, denn die Redaktion schließt sich einer Online-Aktion an, die auf Tumblr gestartet ist und den Titel #1000malWillkommen trägt. Näheres erfahrt Ihr HIER. Als ich das gesehen habe, war mir klar: Da mache ich mit! 


Ich mache mit, um ein Zeichen zu setzen für mehr Verständnis. Um daran zu erinnern, dass es sich nicht einfach nur um eine Flüchtlingsmasse, sondern um Menschen handelt. Und diesen Menschen möchte ich sagen: Ihr seid hier willkommen und wer Euch etwas Anderes signalisiert hat einfach leider kein Benehmen und ich wünsche Euch auf Eurem Weg möglichst wenige Begegnungen mit dieser Art. Empathie hat leider nicht jeder gepachtet und emotionale Intelligenz erst recht nicht...aber darauf kommt es hier meiner Meinung nach an.


Ob auf Twitter, Facebook, Instagram, Tumblr, Eurem Blog oder sonst wo...vielleicht habt auch Ihr Lust, ein Zeichen zu setzen?! Es kostet Euch nur ein paar Minuten und ein paar gute Gedanken...für ein menschliches Miteinander. Und dafür sollte man seinen Hintern ruhig mal kurz hochbekommen, oder?!

Merke: HIER findet Ihr tolle Gegenargumente mit Blick auf die klassichen Parolen.

Keine Blaubeeren sind auch eine Lösung

29. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, manchmal, ne?! Manchmal mache ich mich selber fassungslos. Dann will ich meinen Kopf anne Tischplatte tackern und einfach nicht mehr aufstehen. Dann würde ich mir selbst so manche Doofheit ersparen. Aaaaber ich würde auch so manche Gelegenheit zur Erschlauung verpassen. Worauf ich hinaus will?! Darauf:

In ein paar Wochen darf ich mit einigen anderen Bloggern nach Kanada fliegen. Zur Blaubeer-Ernte. Genauer: zur Wild Blueberry Harvest Tour Canada. Das weiß ich schon seit Januar und freue mich darauf wie bekloppt. Ich habe nämlich seit meiner Schulzeit den großen Teich nicht mehr überquert und überhaupt lusche ich in Sachen Urlaub ja leider immer nur in Bayern und Holland rum. Nix gegen Bayern oder Holland...aber mal so riiiiichtig raus und weg und überhaupt...das liegt in meiner Welt nun schon gute 13 Jahre (oder so) zurück. Also freu ich mich wie ein Blaubeerkönig! Eine Kanadarundreise...wie toll ist DAS denn?! (Den Flug werde ich allerdings nur hoch narkotisiert überstehen. Weil: KLICK!)

Naja. Und weil ich mich so freue, habe ich schon vor Wochen auf Pinterest ein Pinnboard mit ausgefallenen und besonderen Blaubeer-Rezepten angelegt: KLICK! Wer Blaubeeren erntet, sollte ja schließlich auch wissen, was man so Tolles mit den Dingern anstellen kann, ne?!


So. Und dann hatte ich die Idee, eins dieser tollen Rezepte nachzumachen, hier davon zu berichten, die Pinnwand im Allgemeinen und Blaubeeren im Besonderen anszupreisen und meine Kanada-Vorfreude angemessen kund zu tun.

Dieses Vorhaben scheiterte allerdings von Woche zu Woche daran, dass ich keine Blaubeeren auftreiben konnte. Natürlich war ich ob dieser Tatsache sehr beleidigt. Und letztens war ich SO beleidigt, dass ich Dani davon erzählt habe: "Keine Blaubeeren! Nirgends! Skandal! Zig Supermärkte! Frechheit! Wie kann das sein? Ist das Ruhrgebiet ein Blaubeer-Sperrgebiet?! Mecker, mecker, mecker! Überall nur Heidelbeeren. Was soll denn sowas?!"

Und Dani so: "Äh. Blaubeeren sind doch Heidelbeeren."
Und ich so: "NÄ?!?!?"
Und Dani so: "Google, google...DOCH!"
Und ich so: "Kannste mir mal eben den Kopf anne Tischplatte tackern?!"

Da stehe ich WOCHENLANG vor Heidelbeeren rum und bin beleidigt, dass ich keine Blaubeeren finde?! Mannmannmann...gut dass ich das wenigstens noch VOR meiner kanadischen Blaubeermission geschnallt habe! Wenigstens VOR ORT möchte ich doch eine gewisse Kompetenz ausstrahlen, ne?!


Aber wenn man der Meinung ist, dass Heidelbeeren keine Blaubeeren sind, dann kauft man halt Brombeeren. Und deshalb gibt es heute KEIN Blaubeer-Rezept. Ursprünglich wollte ich nämlich Blaubeer-Ziegenkäse-Mini-Pizzen backen. Aber als ich dann den Supermarkt mit Brombeeren im Arm durchquerte, kam ich an einem Regal mit französischem Brioche vorbei und beschloss, dass "Brombeer-Brioche" ja doch seeeehr viel cooler als "Blaubeer-Ziegenkäse-Mini-Pizza" klingt. Also so rein phonetisch. Also hab ich mir das Brioche geschnappt, das tolle Heimatofenbäcker sicherlich viel lieber selbst backen würden. Zum Beispiel nach diesem Rezept von Aurélie. Aber mir reicht in diesem Fall das Fertigprodukt vollkommen, auch wenn es auf den Fotos aussieht wie ein labberiges Brötchen bzw. eine Frikadellenzutat in spe.

So. Das war die Geschichte von den Blaubeeren, die auch Heidelbeeren heißen, die dann aber zu Brombeeren wurden und die die Pizza eliminiert und durch ein Brioche ersetzt haben. Und jetzt folgt das Rezept, das die Blaubeere zumindest im Herzen trägt:


Wie immer hab ich auch hier Spaß an "für schnell und für lecker", deshalb braucht es weder viele Zutaten noch viele Handgriffe, um diese kleinen, deliziösen Schnittchen herzustellen. Ich habe zwei Versionen kreiert...einmal mit Ziegenkäse und einmal mit Roquefortkäse, aber wenn ich ehrlich bin, war die erstere Variante bedeutend leckerer.


Ihr schneidet das Brot in dicke Scheiben, schmiert den Käse drauf und packt die Scheiben dann für ein paar Minuten bei 200 Grad in den Ofen. Wenn der Käse etwas zerlaufen ist, holt Ihr die Schätzekens wieder raus, legt die halbierten Brombeeren drauf, quetscht den Schinken ansehnlich dazwischen, träufelt etwas Honig drüber, garniert mit Thymian und mahlt abschließend noch etwas frischen Pfeffer drüber. Datt wars. Total kiki und man fühlt sich trotzdem wie Gott in Frankreich...oder Kanada. Und der ganze Spaß schmeckt bestimmt auch mit Blaubeeren. Würde ich drauf wetten!


So. Feddich. Guten Hunger und schönen Tach! Ich geh dann jetzt mal HEIDELbeeren kaufen. Und einen Tacker.

Merke: Trotzdem demnächst unbedingt mal DIESE Blaubeer-Mini-Pizzen backen.

Frage: Habt IHR tolle Blaubeer-Rezepte auf Lager?! HER DAMIT!
Meine Blaubeer-Pinnwand braucht Futter...

Die Suche nach dem heiligen Pluto. In Herne. [VIDEO]

23. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, schon seit Wochen habe ich ein neues heimatPOTTential-Video im Kasten, aber mein Anfänger-Perfektionismus-Gen hat die ganze Zeit gesacht: "Neneneee, SO geht das nicht!" - und mit "so" meine ich die Tatsache, dass ich das Video diesmal nicht mit dem ipad, sondern mit dem Handy gedreht habe. Und weil ich dabei gegessen und Schmierfinger hatte, hab ich mir teilweise die Linse verschmiert, ohne es zu merken. Und weil ich zu doof war, das richtige Verlängerungskabel für mein Mikrophon zu kaufen, ist der Ton teilweise auch irgendwie beschmiert. Tja. Suboptimal das alles. Aber: Ich hab gelernt, dass ich während des Filmens nicht mehr esse, dass ich nur noch mit dem richtigen Kabel arbeite und dass ich lieber middm ipad als mit dem Handy filme. Mit anderen Worten: Das ist mein drittes Video, ich bin jetzt etwas schlauer als vorher, perfekt kann meine Filmerei ja ruhig später noch werden und "für lustig" ist immer noch wichtiger als "für schön". Also hau ich es heute einfach raus.


Serpil und ich haben nämlich die Halde Pluto besucht...oder eher gesucht. Und diese Angelegenheit erinnert ein wenig an die Suche nach dem heiligen Gral...oder so.

Zwei Birnis on the Road in Herne...mit Schmierfingern, keiner Ahnung von nix und guter Laune. Bidde schön...

ACHTUNG: KLICKT IM VIDEO AUF DAS RÄDCHEN UNTEN RECHTS AUF HD! DANN IS SCHÖNER BZW. DIE QUALITÄT BESSER! SCHADET JA NICH...



Habt Ihr eigentlich irgendwelche Ideen wo ich unbedingt mal auf Video-Trallafitti gehen sollte?! Mir fällt ja "ALLES" ein. Aber "ALLES" ist zu viel. Deshalb könnte ich ein paar konkrete Vorschläge gebrauchen. Was gehört inspiziert? Wem oder was soll ich mit der Kamera auf die Pelle rücken? Wo soll das nächste pottsche "Bildungs-TV" (haha) stattfinden? Schickt mich irgendwo hin, ladet mich ein, zieht mit mir zusammen los oder verdonnert jemanden zum Interview mit mir! Ich bin zu (fast) allen Pott-Schandtaten bereit...beim nächsten Mal ess ich dabei auch nix.

Merke I: Danke, liebe Serpil, fürs Mitmachen, gemeinsam keine Ahnung haben,
fürs Konfetti, das viele Lachen und einen schön-bekloppten Abend!

Merke II: Die gute Serpil kann man übrigens als Fotografin buchen: KLICK!
Eine liebere Kameratante kann man sich echt nicht wünschen!

schrebergartenPOTTential und ein Rezept

21. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich habe einen neuen Fetisch! Einen Schrebergarten-Fetisch! Und wer ist daran schuld?! Der Tobi. Der ist nämlich ein verifizierter Oberhausener Superschrebergartenbesitzer und hat mich einfach eingeladen.


Und so kam es, dass ich mich letztens plötzlich inmitten eines Kleingartenvereins wiederfand...mit Spaß inne Backen von hier bis zum Nordpol. Nun habe ich seit meiner Grundschulzeit in keinem Schrebergarten mehr verweilt. Damals hab ich mit meiner Freundin Katlen manchmal Kleingartenvereinszeit im Bottroper Schrebergärtchen ihrer Eltern verbracht. Ich erinnere mich noch genau daran, dass wir dort die tollsten Liebeslieder von Marius Müller Westernhagen gehört und mitgesungen haben. (Und erst Jahre später wurde mir bewusst, dass ich damals nicht die leiseste Ahnung hatte, was diese ganzen Liedzeilen eigentlich bedeuten.)



Jeeeedenfalls habe ich nun festgestellt, dass in mir ein lautes Schrebergartenherz schlägt. Zwar habe ich von Gärtnerei ungefähr so viel Ahnung wie vom Backen (also ca. 0), aber Natur finde ich trotzdem toll. Blümchen hier, Obstbäume da...nur die Wespen finde ich doof. Aber dafür hab ich voll Spaß an allem anderen Getier: Mal kommt ne Katze vorbei, dann quakt ein Frosch ein schrilles Klagelied, weil Tobi den Teich durch eine Feuerstelle ersetzt hat, Mäuse rasen durch die Beete, Junikäfer machen auf Sturzflugakrobatik und in der Abenddämmerung kommen die Fledermäuse raus und schwirren einem um den Kopf (...und ich dann natürlich immer so: "BATMAAAAN!").


Tobi hat den Schrebergarten von einem alten Öppaken übernommen, das auf seine alten Tage die ganze Arbeit nicht mehr wuppen konnte. Und weil Tobi die Vorstellung so schön fand, einen Ort zu haben, an dem man mit Freunden am Feuer sitzen und Backgammon spielen kann, hat er sich die paar grünen Quadratmeter unter den Nagel gerissen und ist jetzt selbst total gespannt was da so alles vor sich hin wächst. Zwar tut er immer so, als ob er keine Ahnung von dem hätte, was er da genau tut, aber ICH finde, dass er das voll toll macht. Und ich bin heute schon gespannt wie Bolle auf die Rote Beete, die Möhren, die Tomaten, die Weintrauben und alles Andere, was da jetzt schon ganz langsam vor sich hinpimmelt.


Lange Einleitungsrede, kurzer Sinn: Da stehen Obstbäume. Und diese Obstbäume gehen voll ab! Und mich als olles Stadtkind kann man ja mit nem Kirschbaum echt schwer aus der Fassung bringen. Und mit Apfelbäumen auch. Und überhaupt!


In meiner Begeisterung renne ich natürlich die ganze Zeit von rechts nach links und mache Fotos. Und manche poste ich dann auf Instagram. Und wenn man keine Ahnung von nix hat, findet sich auf Instagram immer jemand, der - zum Glück - viel schlauer ist. Und deshalb wissen wir jetzt, dass es sich bei den Apfelbäumen um eine ganz besondere Apfelsorte handelt: nämlich um sogenannte Klaräpfel.


Und diese Klaräpfel sind wohl ne ganz besondere und sehr alte Apfelsorte. Mit dem Wissen fanden wir die Schreberäpfel natürlich direkt NOCH toller. Aber der instagrammsche Volksmund sagt, dass man Klaräpfel am besten einfach so genießt, anstatt sie irgendwie zu verarbeiten. Einfach weil sie so lecker sind...zumindest im frisch gepflückten Zustand. Also haben wir uns am Wochenende dann nur den Kirschbaum zwecks Ernte und Weiterverarbeitung vorgenommen.


Nach einem Rezept von Zucker, Zimt und Liebe haben wir eine Kirsch-Galette fabriziert. Na gut, "wir" stimmt nur so mittel. Ich hab bloß die Kirschen entkernt und Tobi hat gebacken. Andernfalls hätte der Backteufel, der mir ja leider viel zu hold ist, am Ende noch alles versaut. Tolle Fotos von der Galette gibbet nicht, weil sie erst um 22:15h ausm Ofen kam, aber trotzdem möchte ich Euch an dieser Stelle Jeannys Rezept auuuusdrücklich ans geneigte Kirschherz legen!

Aber ich hab noch ein heimatPOTTential-Rezept für Euch! Wenn man sich wie ich schrebergartentechnisch so undezent aufdrängt, muss man natürlich auch was Anständiges zu Futtern mitbringen. Also habe ich einen Salat erfunden, der eeeeeecht bomenblecker ist. Und deshalb bekommt Ihr den jetzt von mir kredenzt!


Fruchtiger Lachssalat?! Klingt komisch?! Is SUPER! Also aufgepasst! Ihr braucht:


Und so gehts: Tortellini kochen und kalt abschrecken. Radieschen in Scheibchen schnibbeln, Parmesan in breite Streifen hobeln, Apfel in kleine und den Lachs in größere Stückchen schneiden und den ganzen Krempel miteinander vermengen.

Für das Dressing mischt Ihr Naturjoghut mit reichlich Meerrettich-Frischkäse und gebt etwas Olivenöl, einen diiiicken Tropfen Honig und 1-2 Spritzer Zitrone bei. Dann wird nach Gusto gesalzen und gepfeffert und frischer Dill untergehoben.

Dressing mit dem Tortellini-Verein paaren und feddich.


Ohne Quatsch, das war SO lecker und mal was GANZ Anderes!

(Ehrlich gesagt frage ich mich grad, ob ich auch noch Feta dazugegeben habe. Sieht auf den Fotos irgendwie so aus. Aber ich erinnere mich beim besten Willen nicht mehr. War halt ne spontane Kiste.)

Ich hab übrigens eine diebische Freude daran, auf dem Schrebergartentischchen alle möglichen Schätzekens auszubreiten, denn auf den Fotos sieht das dann ein bisschen so aus, als ob sie schweben würden. Ihr müsst Euch das so vorstellen: Tobi mäht den Rasen und zupft Unkraut und ich renne um das Tischchen und schiebe Blümchen, Äpfel, Kirschen und Johannisbeeren von rechts nach links und wieder nach rechts. Total gute Arbeitsaufteilung!


Also...Ihr seht: Ich bin im Schrebergartenfieber! Und vielleicht entdecke ich ja noch meinen grünen Daumen?! Ich halte Euch aufm Laufenden...

Merke I: Danke Tobi, dass ich jetzt einen Platz umme Ecke habe, der sich wie Urlaub anfühlt!

Merke II: Schrebergärten sind voll nicht nur für Spießer! Wie immer:
Spaß ist, was man selbst draus macht, ne?!

Glücklichmacher-Musik und eine Sonnenbrand-Hähnchen-Ente aus Peking

16. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, vorgestern ist mir echt was Irres passiert. Ich hab Post bekommen - und zwar aus Peking!

Ich so Briefkasten. Werbung. Rechnung. Langweilig. Und dann so: "Wasn das?!"...komische Asiatenschriftzeichen als Absenderadresse...HÄ?! Also den Brief vor lauter Neugier voll für unfein aufgerissen und das hier gesehen:


Und dann so: "Hä? Wer schickt mir denn ein Hähnchen mit Sonnenbrandglanz? Und vor allem: WARUM?"

Das Warum klärte sich gar nicht so einfach, denn die Rückseite vom Hähnchen (...ich weiß übrigens, dass das auf der Postkarte eine Ente und kein Hähnchen ist. Aber ich sag lieber Hähnchen zu der Ente! Weil.) sah so aus:


Also hab ich mich aufs Sofa gesetzt und meine Inspector-Gadget-Superlesefähigkeiten eingeschaltet, um mich durch die wiiiiirklich krasse Hieroglyphen-Schrift durchzuackern. Tja. Und dann saß ich da...grinsend wie ein Honigkuchenpferd...mit offener Kinnlade. (Ja, das geht gleichzeitig.) Und weil mich die Hähnchenpost aus Peking so umgehauen hat, sage ich jetzt hier an Ort und Stelle DANKE, liebe Julia, sagen muss! (Alles, was ich von Julia weiß, ist, dass sie in nem Häuschen ohne Klo und Heizung wohnt und dass ihr Bruder sagt, dass man ihre Schrift nicht lesen könnte. Und dasse nett ist, weiß ich auch! Unnette Menschen verschicken nämlich nicht einfach so liebe Zeilen!)


So. Und nun weiter im Text. Wisst Ihr was ein Unding ist?! Ich liebe Musik und schreibe hier nie darüber. Das gehört geändert. Wir machen das jetzt so: Ich quassel erst ein bisschen rum und dann kredenze ich Euch eine Youtube-Playlist mit den Songs, die mich momentan besonders glücklick machen. Ich freue mich nämlich immer RIESIG über Musiktipps, die mich mitten ins Musikherz treffen, und vielleicht ist bei meiner Playlist ja der eine oder andere Song für Euch und Euer Musikherz dabei...das braucht schließlich Futter! Aber in meiner nachhaltigen Hähnchenpostfreude schiebe ich vorweg: Die Musik ist zwar für alle, aber ganz besonders für Julia aus Peking, denn ihr sei dieser Post und somit auch die Playlist gewidmet. Ordnung muss sein - auch im Freudesektor! (Und im Kleidungssektor herrscht auch Ordnung: Ich hab EXTRA mein Glücksbärchi-Shirt für diesen Blogpost angezogen...Glücksbärchi...Glücklichmacher-Musik...klar, ne?!)


Das Erste, was mir zum Thema "Musik" einfällt, ist mein Vater, der früher mal über mich gesagt hat "Die interessiert sich für nichts - außer für Musik!". Oder hat das meine Mutter gesagt?! Egal, irgendjemand hat das gesagt und es war gar nicht mal so verkehrt, wenn man von der Tatsache absieht, dass ich mich auch noch SEHR für die englische Sprache interessiert habe. Schließlich wollte ich die Lieder, die ich toll fand, auch verstehen können.

Ich war ein MTV-Kind. Und das ist etwas Gutes, denn daaaamals...in den frühen 90ern...war MTV noch toll. Ich konnte sämtliche Lieder binnen der ersten 3 Sekunden am Video erkennen und samt Interpret benennen. SO toll fand ich MTV. Und das RTL Oldie Radio fand ich auch toll. Ich habe tonnenweise Kassetten aufgenommen mit Songs, die im Radio liefen. Natürlich fehlten immer die ersten Sekunden eines jeden Liedes...schließlich musste man ja immer erst mal zur Anlage rennen, um das Record-Knöpfchen zu drücken. All diese Kassetten hatten Namen. Diese Namen ergaben sich immer aus einzelnen Liedzeilen, die mir besonders am Herzen lagen. Zum Beispiel: "The more you suffer, the more it shows you really care" oder "Learn to pretend there's more than love that really matters" und so. All diese Kassetten gibt es noch immer. Sie wohnen wohlbehütet in meinem Keller und eigentlich sollte ich sie unbedingt mal wieder zu Tage fördern und anhören. Schließlich handelt es sich dabei ja um sowas wie Tagebücher. Musikalische Tagebücher mit Radiomoderatorengelaber. Und sowas hat ja irgendwie auch einen besonderen Zeitgeist, ne?!


(Maaaah...jetzt fehlt da ein "my" im Tori-Zitat. Mist. Pech. Ich lass das jetzt trotzdem so.)

Jedenfalls habe ich nicht nur ein großes Herz für englischsprachige Musik, sondern auch eine staaaarke Affinität zu guten deutschen Liedern, weil ich mich einfach immer unheimlich freue, wenn es jemandem gelingt, Herzensthemen ohne Kitsch, aber mit tollen Bildern zu besingen. Deshalb liefere ich Euch heute auch eine zweisprachige Glücklichmacher-Mischung. Aber ich sage es direkt: Mich macht nicht nur happyhippo-easypopeasy Musik glücklich. Ich bin auch ein Freund von "Melancholie ist das Vergnügen traurig zu sein". Somit stellt sich für mich DANN echtes Musikglück ein, wenn das Lied mir etwas gibt...und zwar egal auf welcher Emotionsebene.

Kennt Ihr das? Es gibt Liedzitate, die einem eine kleine Welt bedeuten. Liedzeilen, die zu Freunden werden, weil sie Halt und Rat geben. Musikalische Worte, die das sagen, was man immer schon mal gesagt haben wollte, aber nicht wusste wie. Die Lieder, die mir besonders am Herzen liegen, haben alle mindestens einen solchen Satz in Petto. Wann immer ich Anderen eins dieser Lieder vorspiele, hebe ich an der entsprechenden Stelle den Zeigefinger und sage "Jetzt! JETZT! Hör zu!". Generell finde ich Zuhören SO wichtig. Ich HASSE es, wenn ich jemandem ein Lied, das mir viel bedeutet, vorspiele, und derjenige fängt nach 10 Sekunden an zu quasseln. Maaaaaann! Ich spiel so ein Lied doch nicht vor, weil ich es ganz okay finde! Ich spiele das vor, weil es mir ECHT viel bedeutet, weil ich es groß und wichtig finde und weil ich glaube, dass es meinem Gegenüber auch etwas geben könnte. Aber dafür muss halt anständig zugehört werden. Aus diesem Grund steht in meiner Wohnung auch ein Schild mit den Worten "Do not talk over music!"...Musik an, Klappe zu...zumindest dann, wenn es sich nicht im Weichspülmusik handelt.


Gestern Abend habe ich ein Lied gehört, über das ich spontan gesagt habe: "So dürfte sich das Leben anfühlen". Also MEIN Leben. Es gibt einfach Lieder, die das können. Die mit Melodien das vermitteln, was der eigenen Lebensgefühlsehnsucht entspricht.

Klingt alles kitschig? Egal! Musik ist ne Herzenssache und Herzenssachen dürfen ruhig mal kitschen.

So. Fertig gequsselt. Jetzt kommt die Playlist. Ich pupse übrigens auf sämtliche Konventionen und mische hier einfach mal alles mit allem: Alt, neu, mittelaltneu, deutsch, englisch, uptempo, Ballade...einmal quer durch den Gefühlsgarten und nix passt zu nix, aber alles zu meinem aktuellen Musikglück. So. Bidde schön: KLICK!



Ich würde mich riesig freuen, wenn Ihr mir per Kommentar eins Eurer (aktuellen) Glücklichmacher-Lieder verratet. Postet einen Link oder nennt einfach nur den Titel samt Interpreten. Ich höre mir dann gerne alles an, um 1-2-3 neue Schätzchen für mich ausfindig zu machen, denn gute Musik ist eins der schönsten Geschenke überhaupt. Jetzt, im Alltag und im Leben. Oder?!

HA! Und wenn genug Lieder zusammen kommen, bastel ich daraus einen heimatPOTTential-Leser-Mix auf Youtube. Also: Los! Mitmachen! 

Und liebe Julia aus Peking, ich hoffe ECHT, dass bei den Liedern mindestens eins dabei ist, dass Dir richtig gut gefällt. Dann wäre das ab sofort UNSER Lied. Romantisch, ne?! Eine Hähnchen-Enten-Musik-Freundschaft zwischen Peking und Essen. Und sach ma Bescheid, für welches Lied Du Dich entscheidest. Sonst weiß ich ja nicht, bei welchem Song ich künftig immer an Dich denken muss, ne?! (Boah, ich hoffe, Du bist kein Techno-Freak oder so...denn dann wird das mit nem gemeinsamen Lied ECHT schwierig!)

Merke I: Unbedingt wieder mehr Oldies hören. Man sagt ja nicht umsonst:
Oldie but Goldie!

Merke II: Ich kriege IG-Videos einfach nicht zentriert hier eingebunden. Nervt voll!

Wer etwas Doofes über anderer Leuts unperfekte Schenkel denkt, ist selber doof.

14. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, in letzter Zeit häufen sich hier die persönlicheren Posts und ich erwische mich immer wieder dabei, zu denken: "Kannste doch nicht schon wieder bringen! Du musst doch übers Ruhrgebiet schreiben. Trallafitti und so!" - aber eigentlich muss ich GAR NIX...glaub ich zumindest. Und deshalb gibbet heute mal wieder eine Runde "Gedankengut".

Kennt Ihr Ellen?! Ellen bloggt auf Je suis huck. Klingt nach Frankreich, aber in Wahrheit wohntse in Bochum. Ich kenne Ellen nun schon ein paar Jährchen. Mal haben wir mehr, mal weniger und manchmal auch gar keinen Kontakt. Aber wir haben uns immer im Blick. Lesen unser Geschreibsel und schicken uns zwischendurch auch mal ne SMS oder so, wenn wir online irgendetwas im Kosmos der Anderen entdecken, das einfach nach einer kleinen Bekundung verlangt.


So. Ich finde Ellen super. Ich rede auch oft von ihr...und das selbst in Phasen, in denen wir gar nichts miteinander zu tun haben. Ellen ist nämlich mein heimliches Idol. Na gut, wenn ich diesen Post veröffentliche, hat es sich ausgeheimlicht. Aber das ist okay.

Von Ellen habe ich etwas gelernt.

Ellen ist wunderschön. Sie sieht aus wie Grace Kelly - nur in modern und viel cooler. Aber sie hat nach meinem eigenen sehr bescheuerten "Das-Kate-Moss-dünn-is-datt-GUTE-dünn!"-Irrglauben ein paar kleine Kilos "zu viel" auffe Hüften. Es fällt mir echt schwer, das jetzt genau so zu tippen, weil ich mir sofort ganz, ganz feste dafür auf den Hinterkopf hauen möchte. Und wenn ich das jetzt so stehen ließe, dann wäre das ein bodenloses Fass Sch****. Aber ich möchte auf etwas Bestimmtes hinaus:

Ich renne also Jahr und Tag durch die Gegend und wäre gerne so dürr wie Kate Moss. Weil ich einfach panne bin. Ich weiß das auch, aber irgendwie sitzt dieser bescheuerte Wunsch schon seit längst vergangenen Jugendtagen in meinen Gehirnwindungen. Daraus resultiert ein ständiges Bedachtsein darauf, dass die Kleidung auch jaaaa SO fällt, dass alles, was in meinem Doofkopp als "zu viel" oder "zu wabbelig" abgestempelt wird, brav vertuscht wird. Richtig kurze Hosen im Sommer? Doch nicht bei DEN Oberschenkeln! Enge Shirts? Nur dann, wenn ich weiß, dass ich mich nicht hinsetzen werde, weil sich dann ja vielleicht ein Rölleken oberhalb des Hosenbunds abzeichnen könnte. Auf Fotos immer schön den Bauch einziehen und den Kopf hoch halten, weil akute Doppelkinn-Gefahr. All sowas eben.

Und dann ist da diese Ellen, die aussieht wie Grace Kelly. Nur NOCH schöner. Und Ellen rennt in kurzen Shorts rum. Oder in bauchfreien Shirts. Oder zu Hause auch mal inner Unterbuxe. Denn Ellen sacht: "SO WHAT?! Mir is WARM!".


Ellen sitzt neben mir auf dem Tretboot im Bikini. Mit Röllekes. Und ist wunderschön. Ich sitze auf diesem Tretboot und denke die ganze Zeit "Juli, Bauch einziehen! Boah, seh ich aus! Mahhh, wabbelschwabbel!". Mit anderen Worten: Ellen hat einen schönen Tach. Und meiner ist im Vergleich eher "geht so". Weil ich mich selber stresse.

Das war vor mittleweile 3 Jahren. Und im letzten Sommer hat es dann plötzlich KLICK gemacht. Ellen und ich sind abends mit ihrem Hund Gassi gegangen. Es war warm. Mir war warm! Und ich habe Shorts getragen. Sehr kurze Shorts, die ich sonst nur zwecks Hitze-Gammelei zu Hause getragen hätte. Und selbst da hätte ich mich ein wenig geschämt. Und zwar vor mir selbst. Aber weil Ellen sowas selbst total entspannt macht und ich mit ihr verabredet war, dachte ich, dass ich mich das einfach auch mal traue. Ellen hat auch keine Mikadostäbchenbeine...die wird also schon nicht doof gucken. Ellen hat gar nicht geguckt. War ihr wahrscheinlich einfach egal. Und warum? WEIL SOWAS EGAL IST!

(Das folgende Foto hat ne unterirdische Qualität. Aber das ist auch egal, denn der Moment und die Erkenntnis, die ich damit und mit dieser Gassigeh-Tour verbinde, sind viel wichtiger...)


In diesem Sommer trage ich Shorts. Kurze Shorts. Nicht nur solche, die knapp überm Knie enden. Und ich sehe darin echt nicht so aus wie ich theoretisch gerne würde, aber ich habe einfach beschlossen: EEEEGAL! Und es funktioniert. Wenn man sowas beschließt und durchzieht, dann ist es einem echt irgendwann einfach wumpe. Dann läuft man rum und freut sich plötzlich. Weil es viel wertvoller ist, sich praktisch wohl zu fühlen, als sich theoretisch ständig bekloppt zu machen. Weil man plötzlich zu sich steht und weil das viel mehr wert ist als irgendwelchen dummen, beknackten, falschen, antrainierten, eingebildeten und ungesunden Schönheitsidealen hinterher zu hecheln. Man ist plötzlich frei. Und das ist viel, viel cooler als es jedes erzwungene dürre Hippentum auch nur jemals im Ansatz sein könnte.

Noch so eine Ellen-Erinnerung: Letztes Jahr. Grillabend. Ich so "Für mich nicht so viel Fleisch, ich ess Melonensalat!". Und Ellen so "Geil! Grillfackeln! Her damit! Und mit allem Anderen auch." Ellen hatte an dem Abend eine weite Latzhose an und darunter trug sie einen Sportbustier oder sowas. Also etwas Knappes. Immer wieder fiel mein Blick auf ihre kleinen (!) Röllekes und immer wieder dachte ich: "Den Mumm hätte ich nicht!" und "Die sieht mit ihren Röllekes trotzdem 20x besser aus als wir anderen Mädels mit unserem Abnehmfimmel!"...weil sie eine Ausstrahlung hat, die alles und jeden weghaut. Weil sie sich ehrlich - richtig, richtig ehrlich - angenommen hat so wie sie ist. Und DAS macht schön.


In meinem "Im Pott is schön"-Video laufe ich teilweise in kurzen Shorts rum. Hätte ich vor 1-2 Jahren IM LEBEN nicht gebracht. Erst recht nicht auf Video. Und dann noch online! Und in diesem Jahr dachte ich "Pffff...SO WHAT?!", denn schließlich hab ich nie irgendwo behauptet, dass ich perfekt wäre. Also muss ich das auch nicht sein. Und wenn irgendjemand angesichts des Videos oder wenn er mir auf der Straße begegnet, denken sollte "Diese Shorts? Bei DEN Beinen?"...dann kann ich innerlich getrost lächeln und sagen : "JA, GENAU! Weil ich endlich etwas Entscheidendes kapiert habe und das macht mich mit meinen unperfekten Schenkeln viel cooler als Du es mit Deinen Starksern und Deiner Meinung über mein Aussehen bist!".


Dieses (Lebens-)Gefühl, diese Sicht und dieses Standing verdanke ich Ellen. Und deshalb ist Ellen mein Idol. Mein Wohlfühl-Selbstbewusstseins-Idol. Und das binde ich gerne bei jeder Gelegenheit irgendwelchen Leuten auf die Nase. Ich sitze irgendwo in Shorts rum und durch das Sitzen quillt der Schwabbel ein bisschen an den Seiten der Schenkel rum und ich sage "Kumma, das ist mir grad voll egal. Wäre mir vor 1-2 Jahren nicht egal gewesen. Da hätte ich sowas gar nicht angezogen oder damit nicht so rumgesessen, dass die Schenkel noch dicker aussehen. Aber die Ellen..." - und dann erzähle ich von ihr. Und davon wie schön sie ist. Und wie cool. Und wie schlau. (Na gut, vielleicht erzähle ich das nicht IRGENDWELCHEN Leuten. Das wäre ja auch ziemlich bekloppt. Ich erzähle es dann, wenn es passt.)

Ellen, Du bist toll. Dein aktueller Post "Die Sache mit der Traumfigur" ist toll. Und ich bin dankbar, dass ich in der Hinsicht von Dir lernen durfte. Das ist ein unglaublicher Wohlfühlgewinn, den ich nie wieder missen möchte.

Und wer etwas Doofes über anderer Leuts unperfekte Schenkel und Co. denkt, ist selber doof. So einfach ist das. (Außerdem: SO wichtig ist man gar nicht, dass fremde Leute sich voll den Kopf um einen machen! Wir sind ja schließlich alle nicht der Nabel der Welt, oder? Die Meisten denken schlichtweg GAR NIX, wenn man an ihnen vorbeiläuft. Feddich!) Und mit genau DEM Gedanken sollte man hoch erhobenen Hauptes durch die Straßen laufen, in Cafés sitzen oder tanzen gehen...mit Röllekes und Schwabbel...ob viel oder wenig davon. Denn es ist einfach EGAL! Lebensfreude, Selbstbewusstsein und freies Handeln sind 100x sympathischer und schöner als jeder Zwangsperfektionismus. Sowas kann man zwar auch immer wieder in allen möglichen Frauenzeitschriften lesen, aber in der nächsten Ausgabe bringen dann genau diese Zeitschriften wieder "Diäten, Bauch-weg-Jeans und anderen Schönheitswahn-Blödsinn." Total unglaubwürdig also. Aber so 'ne Ellen...die ist glaubwürdig, denn sie ist ECHT und lebt einfach ihr Wohlfühlleben, ohne sich um "sollte-müsste-könnte" zu scheren. Und das ist groß.



Ach so, da Fee auf ihrem Blog aktuell auch das Thema "Körper" aufgreift, schließe ich mich hiermit ihrer Blogparade an. Und jetzt gehe ich duschen und ziehe dann irgendetwas an, was mir gefällt...ob vorteilhaft oder nicht. HA!

WICHTIG: Haut mich nicht, weil ich hier angesichts total normal-schön-weiblicher Figuren von Röllekes und so spreche. Oder weil ich sage, dass ich mal gedacht habe, dass Ellen ein paar Kilos zu viel auffe Hüften hätte. HAT SIE NATÜRLICH NICHT!!!! So ein bescheuertes Figur-Gehirn funktioniert ja auf zwei Ebenen: Ebene 1 sagt "Alles voll normal-schön", Ebene 2 sagt "Kate Moss, Frauenzeitschriften, Modelkack". Und Ebene 2 ist natürlich totaler Bullshit. Und ich weiß auch, dass weder Ellen noch ich auch nur im Ansatz übergewichtig sind. Ich möchte hier NIEMANDEM auf den Schlips treten, der denken könnte "Pffff...ICH habe WIRKLICH Übergewicht! Wie kann die mit Blick auf diese wunderschöne Ellen auch nur im Ansatz von Röllekes reden?!". Ich weiß wie bescheuert das alles ist. Aber jeder hat doch seine eigene Wahrnehmung, jeder hat sein eigenes Körperempfinden und ein Recht darauf, sich doof oder wabbelig oder sonst was zu finden, auch wenn das aus anderer Leuts Sicht totaler Quatsch ist. Also von Herzen: NO OFFENSE!

Merke I: Ausstrahlung macht schön. Sonst gar nix!

Merke II: Die Fotos von Ellen habe ich allesamt aus ihrem Instagram-Feed geklaut.
Ein toller Feed mit ganz viel Lebensfreude übrigens. Sollte man folgen!

LUCK in A CUP: Mein neues Lieblingsrestaurant mit großer Klappe, tollen Tischen und lecker Futter!

7. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, es gibt ja so "Sachen", an denen fährt man immer nur vorbei. Weil man halt auf dem Weg von A nach B ist und keine Zeit hat, B einfach mal eben zu C zu machen und einen Zwischenstop einzulegen. Dann sitzt man im Auto oder in der S-Bahn, starrt zum x-ten Mal die "Sache" an und denkt sich "Muaaah. Sieht gut aus! Da muss ich mal hin!"...und dann vergisst man es wieder...bis man WIEDER dran vorbeifährt. So kann das eine kleine Ewigkeit gehen und es braucht dann manchmal einfach einen dummen Zufall, um diesem Endloskreislauf ein Schnippchen zu schlagen.

So ging es mir mit LUCK in A CUP auf der Essener Rü. 1000x dran vorbei gefahren und 1000x gedacht "Was ist das eigentlich? Guter Name! Luck geht immer. Auch in cups. Muss ich mal hingehen..."


Nun habe ich letztens Daniela auf ihrem Balkon besucht. Sie lockte mit Hähnchenbollen und Salat und da sag ich ja nicht nein. Nun war ich noch nie in Danielas Behausung gewesen und wußte deshalb auch nicht, dass sie direkt über LUCK in A CUP wohnt. Ha! Also habe ich vor dem Betreten des Hauses ENDLICH mal einen anständigen Blick in das Ladeninnere werfen können. Und was ich da sah, sorgte dafür, dass ich die Hähnchenbollen am liebsten von Balkon nach unten geschleppt und direkt in dem Restaurant verspeist hätte. Weil das Restaurant einfach EEEECHT toll aussieht. Mit einem kurzen Blick habe ich so viele Dinge gesehen, die mir gefallen, dass ich ab dem Moment spontan zum Fan mutiert bin - auch ohne dort gegessen zu haben.

Aber selbstverständlich reicht "Die haben voll tolle Tische!" allein nicht aus, um hier eine laute Empfehlung auszusprechen. Schöne Tische machen ja noch kein gutes Restaurant, ne? Da muss man doch schon mal gegessen haben, um anständig schwärmen zu können. Und deshalb habe ich das dann einige Tage später nachgeholt. Und jetzt wird geschwärmt!

(Achtung, da es sich um einen spontanen Futterausflug handelte, hatte ich meine Kamera nicht dabei. Ihr bekommt heute also nur eine reine Handyfoto-is-voll-toll-da-Beweisführungskette geboten. Muss reichen. Awatt...ich klau jetzt einfach zusätzlich ein paar Fotos von deren Facebookseite und gehe davon aus, dass sie mich dafür nicht verklagen oder steinigen werden.)

Also. Restaurantliebe hat für mich ja ganz viel mit Sympathie zu tun. Und was muss ein Restaurant machen, um sympathisch zu sein? Es muss ne Message haben...und einen Stil, der mir in den Geschmackskram passt. Naja, und lecker musset auch sein. Also drei Dinge auf einmal. 

Fangen wir mit der LUCK in A CUP-Message an:

Direkt vor dem Laden steht eine Tafel. Und auf dieser Tafel stehen wechselnde Sätze. Und mit solchen Sätzen hat man mich - wenn sie gut sind - eh schon so ziemlich im Sack. Guckt mal...


Allein für den Spruch mit den viel zu dünnen Mädchen könnte ich den Laden KNUTSCHEN! Was für eine groooßartige Vorstellung. Bums...umgefallen...och...zu dünn...tja! SUPER!

Halten wir also fest: Manchmal reicht schon die richtige Attitüde, um sich in ein Restaurant zu verknallen.

So. Kommen wir zum LUCK in A CUP-Stil. Wie sieht es denn da überhaupt aus? Wie hoch kann der Wohlfühlpegel ausschlagen? Wie sehr will man wie viele Gegenstände heimlich klauen und sich in die eigene Wohnung stellen?! Bei Tischen eeetwas schwierig mit der heimlichen Klauerei, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen...


Jaja, doofe Handyfotos, aber Ihr seht worauf ich hinaus will: Selbst gebaute Palettentische mit fritz-kola-Bänken! Und draußen VOR dem Restaurant wird es NOCH ausgefallener!


Das sind Auto-I-see-Faces-Tische! Wie cool ist das denn, bitte?! Und sonst so? Bitte sehr...


Eine hauseigene Popcorn-Bar (denn als Appetizer bekommt man statt Brot hier ein Schälchen Popcorn gereicht!), Blümchen am Eingang, eine Killefitt-und-Bilder-Galerie hinter Maschendrahtzaun, Salz- und Pfeffermühlen so groß wie Baseballschläger (naja...fast) und ein traumhafter, alter Kühlschrank. Am besten hat mir allerdings die offene Küche und der darüber prangende Spruch gefallen. Dieser Spruch brachte mich während meines Besuchs dazu, Folgendes auf Instagram zu posten:


Soooo ein tolles Motto! Das würd ich mir glatt auch zu Hause übers Bett kritzeln. Nun denn, wir resümieren also: Tolle Sprüche, Popcorn und gute Ideen in Sachen Einrichtung. So weit so sehr gut!

Ab an die LUCK in A CUP-Futter-Front. Was kann die? Die Rede ist von handgemachtem, frischen Soulfood. Dem Namen LUCK in A CUP nach ist man vielleicht geneigt, zu glauben, dass es hier nur ein paar Tassensuppen gibt. Aber: weiiiiit gefehlt! Die Karte präsentiert eine schöne Mischung aus asiatischer und amerikanischer Küche. 


Nudeln aus einer hauseigenen Manufaktur, frisch gerollte Röllekes, tolle Pommes, Burger auch für Veganer, schöne Suppen und mit dem Cup of the Day gibbet außerdem ein täglich wechselndes Tagesgericht. Auf der Facebook-Fanpage hat eine Frau übrigens folgenden Kommentar hinterlassen: "Super lecker. Ein Traum als Veganerin. Dazu top Service!"...ist ja auch keine unwesentliche Information.

Ich wollte eine Suppe essen. Weil die Südländer bei enormer Hitze ja immer was Warmes essen, um den Körper runterzukühlen. Oder so. Also hab ich ein Süppchen bestellt, das super lecker war, aber von mir derart schäbbig fotografiert wurde, dass ich es Euch hier nicht zeige. Sonst denkt Ihr hinterher, dass das Essen da nicht lecker aussähe. Sieht es aber! Denn ich alter Fuchs hab mich einfach unseren Tischnachbarn aufgedrängt, um auch noch deren Gerichte zu fotografieren...


(Ein Scherz am Rande...krkrkrkrkr.) Jedenfalls haben die Tischnachbarn sich gegenseitig versichert wie lecker ihr Essen wäre. Hab ich belauscht. Und ich war vollkommen geflasht von den Dips, die zu dem Brot, das es zu meiner Suppe gab, gereicht wurden. Chili-Mayo und Erdnuss-Irgendwas. Muaaaaahhhh...beide GRANDIOS! Aber dieses Erdnussdings war der OBERBURNER! Hab ich dann auch der Bedienung gesagt und daraufhin erfahren, dass da in Sachen Herstellung sehr viel Liebe und vor allem sehr viele Stunden drin stecken, damit es so schmeckt wie es schmeckt. Sollte man würdigen und in Gedanken niederknien. Echt jetzt!

Folgendes Bild habe ich auch auf Facebook gemopst. Seht Euch das mal an! Ein Restaurant, das SOWAS fabriziert, MUSS man doch einfach ein bisschen lieb haben, oder?


Also: Message, Stil und Futter...alles zu meiner vollsten Zufriedenheit! Nein...zu meiner vollsten Begeisterung! Wenn Daniela mich also künftig zum Essen auf ihren Balkon bitten sollte, muss ich aufpassen, nicht "Och, können wa nicht lieber einfach unten bei LUCK in A CUP essen?!" zu antworten. Das wär ja n bisskn sehr unhöflich.

So. Und jetzt gehe ich raus und hoffe, dass ich viel zu dünne Mädchen treffe...mit viel zu großen Sonnenbrillen. Bums...umgefallen. Krkrkrkrkr...

Merke I: Bestellt da uuuunbedingt dieses Erdnussdings. Uuuuuunbedingt!

Merke II: Man munkelt, dass es aufm Klo ein Tafel-Kritzel-Gästebuch gibt!

Gegen die eigene Alltagsblasiertheit

5. Juli 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich möchte Euch etwas erzählen, das mir seit ein paar Tagen nicht mehr ausm Kopf geht.

Am Donnerstag habe ich endlich mal den Hintern hochbekommen und bin zum Bürgeramt gedackelt, um mir einen Reisepass und auch einen neuen Perso machen zu lassen. Das schiebe ich nämlich schon ewig vor mir her. Nun bin ich ja manchmal voll nicht schlau und deshalb lief das Ganze erst mal so ab:



Joa. Nix Foto, nix Pass. Aber da meine Wartemarke mir eh verhieß, dass ich nun noch gepflegte 3 Stündchen (WAAAATT?!) zu warten hätte, konnte ich ja gut und gerne noch so doofe biometrische Dinger machen lassen gehen. Also ab zum Fotofritzen umme Ecke, aber:


Joa. Gut. Fahr ich halt nach Rüttenscheid. Da wird schon irgendwo so ne Knipsbude sein. Knipsbude gefunden, sofort dran gekommen, doofe Fotos erhalten, auf denen mein Pony aussieht wie ne Oppaglatze mit 5 sorgsam drüber gekämmten Haarsträhnen. Egal, Karl. Zurück nach Steele, anderthalb Stunden im Stau gestanden und dann im Wartebereich des Bürgeramtes rumgelungert bis ich endlich dran war.


Ich darf an Schalter XY vorstellig werden. Das ist der Schreibtisch in der hinterletzten Ecke und an ihm sitzt ein sehr betagter Mann. So betagt, dass ich denke: "Was macht der hier?! Der sollte doch LÄNGST verrentet sein!" und "Oh Gott, wie der schon guckt...!". Der guckte nämlich doof. So "Ich check eh nix mehr"-doof. Aber nun gut, ich will schließlich was von dem...nämlich zwei Pässe, also schön freundlich gelächelt und hingesetzt.

Ich trage mein Anliegen vor. Pässe. Plural. Oppa so: "Nö, junges Frollein! So geht das hier nicht. Sie haben am Schalterautomaten nur EIN Anliegen angegeben. Wir machen jetzt mal schön nur Ihren Personalausweis. Hier ist jetzt alles zeitlich getaktet und da müssen Sie sich schon an die Anweisungen halten, die der Computer Ihnen gibt. Hamse nicht richtig gelesen, ne?! Nur so huschhusch. Tja. Selbst schuld. Ich kann heute jedenfalls nicht mehr für Sie tun. Aber Sie können ja eine neue Marke ziehen und ich sehe Sie dann kurz vor Feierabend noch mal wieder."

Natürlich bin ich entrüstet! Ich zieh doch nicht NOCH MAL so ne Marke und warte NOCH MAL 3 Stunden oder so! Außerdem hat der "Frollein" zu mir gesagt. Ich HASSE es, wenn man FROLLEIN zu mir sagt! Und auuuußerdem bin ich froh, dass ich überhaupt endlich mal den Hintern hochbekommen habe! Das schaffe ich doch frühestens in 9 Monaten wieder!

Nun hatte ich zwei Optionen: Flunsch ziehen und stänkern oder freundlich Mimimimimi machen. Ich hasse Mimimimimi, aber manchmal ist Mimimimimi voll schlau. Also entschied ich mir für "voll schlau" und säuselte "Oh nein! Wie konnte ich das nur übersehen? Wie dumm von mir! Oh je, kann ich gut verstehen, dass Sie sich da an die Vorgaben halten müssen. Bürokratie ist halt kein leichtes Geschäft...blabla!".

Und plötzlich der Oppa so: "Naja, ich guck mal was sich machen lässt. Gebense mal Ihr Foto her."

So. Nun saß ich da und hab mich natürlich innerlich beömmelt, weil Mimimimimi offensichtlich zu funktionieren schien. Wohlgemerkt in Kombination mit Schnütchen und Augenaufschlag. Aber dann fing der Oppa an, mich zu belehren. Über das Bürgeramt, meine Fotos, die Welt, das Wetter. Und ich werde nur so mittelgerne von wildfremden Menschen belehrt. Aber schön weiter die Zähne zusammengebissen und ein reizendes Lächeln nach dem anderen rausgepresst. Und immer schön genickt.

Nun war der Oppa sehr langsam. SEHR langsam. Und ich hatte keinen Bock, war undercover-gereizt, mir war warm und die Luft war schlecht. Genauer: Es stank. Sehr. Nach Multivitamin-Tablette gepaart mit Mundgeruch. Und während ich noch so "Bah, bah!" dachte, sabberte der Oppa ein Stückchen Irgendwas AUF meinen abgelaufenen Ausweis, der vor ihm lag. Nach ein paar Sekunden fiel ihm das dann auch auf und er wischte es mit der Hand weg. Und zwar so, dass es eine Schmierspur auf meinem Ausweis hinterließ. Mein Blick fiel auf seine Hände. Ekelhafte Hände! Sehr, sehr ungepflegt, viel zu lange, dreckige und krumme Fingernägel. BAH, BAH! Aber schön weiter lächeln und nicken...

Meine Kleinmädchennummer sorgte zwar dafür, dass der Oppa ECHT beide Pässe für mich beantragte, aber dafür musste ich mich behandeln lassen, als ob ich eine Zweitklässlerin wäre...mit einem IQ von 54. Ich glaube, ich habe selten Aggressionen mit solch einem liebreizenden Gesichtsausdruck gepaart. Ach was, selten?! NIE! NIEEEEE!

Innerlich habe ich geschimpft: "BAH! Ekeliger Typ! Wie kann man den mit Kundenkontakt betrauen? Wie kann der nur einfach so rumspucken? Warum schneidet der sich nicht der Nägel? Is ja ne optische Zumutung! Und boaaah, wie der stiiiiiinkt! Eine olfaktorische Zumutung!". All sowas eben.

Aber dann hatte ich es irgendwann überstanden, bekam meine Formulare in die Hand gedrückt und musste nur noch zahlen. Mission so gut wie complete.

Nun wollte ich mit ec-Karte zahlen. Meine Güte, ist der Mist TEUER! Also holte der Oppa das ec-Karten-Gerät. Und dann sah ich es. Ich sah, dass er seine rechte Hand "komisch" hielt. Gekrümmt. Wie eine Kralle. Und dann verstand ich es. Der Mann musste einen Schlaganfall gehabt haben. Und hatte es trotzdem zurück in die Arbeit geschafft.

Ich saß da und hab mich geschämt. Für meine gedachten Abfälligkeiten. Für meine blasierte Hochnäsigkeit. Für mein "Keinen-Meter-weiter-denken".

Der Mann KANN sich offensichtlich seine Fingernägel nicht anständig schneiden. Und wahrscheinlich weiß er selbst nur zu gut wie seine Hände aussehen. Na klar, er könnte zur Maniküre gehen. Aber welcher Oppa macht das schon?

Ich zahlte, bekam noch 1-2 oppamäßige Belehrungssprüche gedrückt und durfte gehen. Also ab nach Hause. Dort postete ich dann auf Instagram ein kleines Video von einem Ausflug zur Halde Pluto mit nebenstehendem Text:

[Nachtrag: Am Tag nach der Veröffentlichung dieses Posts habe ich den Namen des Beamten aus meinen Zeilen auf Instagram entfernt, da mir einige Kommentare in dieser Hinsicht zum Glück noch mal einen guten Denkanstoß gegeben haben. Ich habe den Namen nicht gelöscht, um mein Verhalten zu schönen, sondern um - soweit dies im Nachgang überhaupt noch möglich ist - ein wenig mehr im Sinne des Betroffenen zu handeln. An dieser Stelle eine ernst gemeinte Entschuldigung dafür, dass ich das nicht im Vorfeld selbst bedacht habe. Das war wirklich dumm. Genaueres hierzu ist dem Kommentarverlauf unterhalb des Posts zu entnehmen.]


So. Ich habe das geschrieben, OBWOHL ich das mit dem Schlaganfall gecheckt hatte. Weil ich einfach irgendwas Lustiges rausschnoddern wollte. Es folgten Kommentare à la: "Mein Papa heißt auch X und ist kein Lama." und "X hat nicht gespuckt, dem ist nur sein Gebiss verrutscht." und "Ihhh. Im Bürgeramt Steele? Da sitzt so ein Typ, der ist echt [Schockgesicht-Smiley]." und "Der sitzt da schon seit Jahr und Tag. Der ist voll usselig. Schon als Kind fand ich den komisch."

Die ganze Kiste ist nun 3 Tage her und geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Weil ich mich immer noch schäme. Weil ich nicht richtig hingeguckt habe. Weil ich nicht nachgedacht habe. Weil ich es schließlich DOCH NOCH geschnallt und mich dann TROTZDEM noch lustig darüber gemacht habe. Weil ich dafür gesorgt habe, dass Andere darauf einsteigen. Weil ich mich wie ein Arsch benommen habe. Weil Alltagsblasiertheit auf Kosten Anderer einfach ECHT daneben ist! Weil es toll ist, dass der Oppa trotz seiner Einschränkungen diesen Job überhaupt macht, anstatt sich inne Ecke zu hocken!

Ich habe vor vielen Jahren mal im Rahmen eines Praktikums mit Schlaganfallpatienten zu tun gehabt und sehr nah mitbekommen wie sehr da teilweise gekämpft werden muss, um die kleinsten Kleinigkeiten neu zu erlernen. Das Sprechen, die Motorik...und ja, diese Schlaganfallpatienten haben auch gesabbert, gespuckt, hatten ekelige Hände und wirkten insgesamt einfach usselig. Aber alter Vatter, das könnte mir auch passieren. Oder Euch. Und dann sitzt man da und soll sich auslachen oder ekelig finden lassen wegen doofer Fingernägel oder einem gespuckten Bröckchen, während man sich für jeden Mist voll die Mühe geben muss?

Ich schreibe diesen Post, um mir selbst eine laute Ohrfeige zu verpassen. Und weil ich glaube, dass wir alle mal ab und an ein wenig genauer über unsere kleinen Blasiertheiten des Alltags nachdenken müssen, um fair, menschlich und herzlich zu bleiben. Denn das ist das, was zählt. Keine tiptop Fingernägel. Und Scheiß auf den Ausweis...den kann man abwischen, ne?!

So. Das musste raus. Ist vielleicht wichtiger als Trallafitti und Lekkilekki.

Merke: Nie wieder Witze auf Kosten Anderer machen, wenn man es eigentlich besser weiß.
Sowas hängt einem echt nach.


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