Der bayrische Burger Burner und mein Rumpelwicht

31. August 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, kennt Ihr die Rumpelwichte von Ronja Räubertochter? Die, die ständig rumdackeln, verwirrt sind und "Wieso denn bluß?" rufen?! Manchmal fühle ich mich genau SO. Wie mein eigener Rumpelwicht, der mir bei allem Möglichen, was ich so mache, über die Schulter guckt und "Wieso denn bluß?!" ruft. Und die Antwort ist immer die Gleiche: "Ich weißet doch auch nicht!"

Manchmal mache ich nämlich einfach Sachen. Ich würde nicht sagen, dass ich diese Sachen ohne Sinn und Verstand mache, aber vielleicht muss ich zugeben, dass ich sie zumindest manchmal ohne Grund mache. Einfach weil. WEIL sie mir einfallen. Wie zum Beispiel der Bayrische Burger Burner.


Und dem Rumpelwicht auf meiner Schulter könnte ich auf "Wieso denn bluß?" einfach nur "Ja wieso denn bluß NICHT?!" entgegnen. Oder auch: "Mah, weil ich Bock auf Weisswürste habe. Und auf Leberkäse. Und auf Spiegelei. Und auf Krautsalat. Und auf süßen Senf!" - und das sind doch schon ziemlich viele ziemlich sehr gute Gründe, oder?!


Also hab ich den ganzen Krempel eingekauft und mich damit bei Julius einquartiert. Julius isst gerne, Julius macht gerne Fotos von Essen und Julius kann gut damit leben, wenn das Essen dann am Ende eiskalt ist. Außerdem hat Julius einen super schönen Esstisch und irgendwie wollte ich meinen Bayrischen Burger Burner unbedingt auf genau diesem Tisch sehen. Nur wie dieses Schätzchen letztlich genau aussehen sollte...DAS wusste ich nicht.

Also rannte Julius die ganze Zeit um den Esstisch und mich rum und fragte "Und jeeeetzt?!" ...und ich immer so: "Ich weißet doch auuuu niiiiich!". Und Julius dann so: "Also die Veeera hätte vorher eine Skizze angefertigt." Und ich dann so "Grmpf. Ja. Die Vera...". Die ist ja auch voll der Foodporn-Gott.

Ich hatte natürlich keine Skizze, keine reizenden Deko-Props und noch nicht mal einen ungefähren Plan, außer dass alle Lebensmittel auf den Laugenzopf drauf sollten. Irgendwie halt. Nur irgendwie sah halt irgendwie nicht gut aus. Tja.

Also rannte Julius weiter um mich rum und sagte Dinge wie "Mehr Petersilie! Unbedingt mehr Petersilie!". Ich also einen ganzen Strauß davon neben den Burger geklatscht und Julius so "Ja, nee. Das ist zu viel."

Dann habe ich 2 Stunden lang das Quantitätsvorkommen der Petersilie neben dem Burger reguliert und irgendwann war es dann "okay". Mehr aber auch nicht. Aber lecker war es. Und irgendwie ist das unterm Strich für mich doch immer noch die Hauptsache.


Muss ich mit Blick auf die Zubereitung eigentlich noch groß was erklären?! Ich glaube nicht. Aber...ach, watt solls?! Also: Honigsenf statt Butter auf die beiden Laugenzopfhälften schmieren, dann die unter Hälfte wie folgt belegen: Salatgarnitur, Krautsalat, angebratener Leberkäse, süßer Senf, geröstete Zwiebelfetzen, Petersilie, Weisswurst, Spiegelei, Petersilie fürs Auge und dann den Laugendeckel druff. Feddich. A guaten...wie die Bayern sagen würden.

Ein bayrischer Burger aufm Ruhrpottblog?! Ich darf das. Ich bin nämlich auch ein bisschen in Bayern aufgewachsen und jetzt gerade würde ich da sooo gerne irgendwo inne Alpen an nem Gebirgssee sitzen. Und wo sitze ich? Am Esstisch in Essen mit ner fetten Baustelle unterm Fenster. Echtes Leben halt...machste nix.

Merke: Foodporn-Workshop bei Vera buchen...falls sie mal einen gibt.

Auf Trallafitti im WDR - und zwar heute!

27. August 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, heute ist für mich ein ziemlich besonderer Tag und ehrlich gesagt freu ich mich voll, denn: Ich bin heute im Fernsehen...


Nun war ich ja schon ein paar Mal im Fernsehen. Aufgeregt is man da immer, weil...das könnte ja wer gucken und "Bah, is die doof!" denken. Hinter so nem Blog kann man sich bei aller Extrovertiertheit ja trotzdem immer noch so'n bisskn verstecken: Man zeigt nur die Bilder, auf denen man sich okay findet. Wenn man einen Satz getippt hat, den man für ungut befindet, löscht man ihn einfach oder schreibt ihn um. Und bei selbstgedrehten Videos schneidet man natüüürlich nur die Szenen zusammen, die einem gefallen. Also alles ziemlich auf Nummer sicher.

Aber wenn man mehrere Tage im Ruhrpott unterwegs ist und dabei von ner WDR-Kamera gefilmt wird, dann fühlt sich das anders an. Man sieht sich ja selbst nicht während man durch die Gegend tapert. Man erzählt dies und das und nen Schwank und noch einen, und hinterher fragt man sich "Samma, watt hab ich da denn nomma GENAU erzählt?!". Aber man weiß es einfach nicht mehr genau. Und so bleibt einem nix Anderes übrig, als zu hoffen, dass man nicht besonders doof aussah und nix besonders Doofes gesagt hat.


So. Und warum ist das heute besonderer als sonst? Weil mich als Reaktion auf mein "Im Pott is schön"-Videochen vor einigen Wochen eine nette Frau vom WDR angerufen und gefragt hat, ob ich mir vielleiiiiicht vorstellen könnte, mit dem WDR vor der Kamera zusammenzuarbeiten. Und weil ich mich voll über die Frage gefreut und JA gesagt habe.

Nun steht da immer noch dieses dicke Vielleicht im Raum. Denn nur weil ich da Bock drauf hätte, heißt das noch lange nicht, dass es klappt. Und DESHALB bin ich heute besonders aufgeregt. Es handelt sich bei dem Filmchen, das heute in der Lokalzeit Ruhr mit mir gezeigt wird, also quasi um einen Test...so nach dem Motto "Mal gucken wie die das so macht" und vor allem "Mal gucken wie das die Zuschauer überhaupt so finden."


Der WDR will sich ja bekanntlich ein bisskn verjüngen und testet deshalb im Rahmen seiner aktuellen Aktion #machtan einige neue Formate. Die wichtigsten Chefs machen dann die Daumen rauf oder runter uuuuund es wird auf Einschaltquoten, Zuschauerrückmeldungen und Likes etc. geguckt. Und daaavon hängen dann alle weiteren Entscheidungen ab.

Ich bin also diesmal eeeecht aufgeregt, denn es geht eeeeecht um was. Ehrlich gesagt denke ich seit Wochen, dass jeden Moment das Telefon klingeln und jemand "Och Du, das war alles nur n Scherz!" sagen wird, aber noch ist das nicht passiert. Aber natürlich kann es sein, dass ich, nachdem die Sendung gelaufen ist, sowas wie "Nö, schade, kam voll nicht gut an" zu hören bekomme. Aber dann ist das halt so. Geht der Ruhrpott auch nicht von unter, ne?!

Jeeeedenfalls hab ich mit Sanni, die den Beitrag als freie WDR-Mitarbeiterin mit mir gedreht hat, Mordsglück gehabt. Wir haben uns vor den Drehtagen getroffen und gemeinsam überlegt was wir wo und vor allem wie drehen wollen. Und ich fand Sanni einfach sofort super. Man merkt ja, ob man ne Wellenlänge und Freude an ähnlichen Ideen hat...und das war bei uns zum Glück der Fall.

Also sind wir rumgedüst, waren in Essen, Oberhausen, Dortmund, Gelsenkirchen, Bottrop, Bochum und bei mir zu Hause, sind den Sonnenuntergängen hinterhergerannt, haben Fördertürme angeschmachtet und die Ruhr besucht, sind Seilbahn und Tretboot gefahren, haben 1-2 Haldewitzkas veranstaltet und ganz viel über das Ruhrgebiet gequatscht.


Daraus ist jetzt das entstanden, was heute Abend zwischen 19:30 und 20:00 im WDR zu sehen sein  und "Pilotfilm" genannt wird. Das klingt jetzt so, als ob da ein halbstündiger FILM mit mir gedreht worden wäre...was natürlich Quatsch ist. In Wahrheit handelt es sich um 5 Minütchen, in denen ich im Rahmen der Lokalzeit Ruhr einige meiner liebsten Plätze im Ruhrgebiet vorstelle, meine Liebe zur Heimat erkläre und noch ein paar Tipps fürs anstehende Wochenende gebe...einer davon ist zum Beispiel der erste Street Food Market in Bochum, der unter dem Namen Food Lovers nicht nur mit ganz viel leckerem Essen aus aller Herren Länder, sondern auch noch mit Livemusik aufwartet!


Sanni, ich hab es Dir ja schon am Telefon gesagt, aber ich will es auch hier nomma sagen: DANKE! Danke dafür, dass Du so viel Herzblut in den Beitrag gesteckt hast. Danke dafür, dass Dir keine Idee zu viel und kein Ziel zu weit war. Danke, dass Du mir die ganze Zeit das Gefühl gegeben hast, gut bei Dir aufgehoben zu sein. Und danke für die ganzen Verrenkungen, Deine Ideen und Deine Geduld. Sowas ist in dem Ausmaß alles andere als selbstverständlich und ich bin unheimlich froh, dass ich diese "Kiste" mit Dir zusammen machen durfte, denn egal was da jetzt in der Zukunft draus werden mag oder nicht...ich hatte einfach wirklich viel Freude mit Dir auf Trallafitti im Pott!


So. Auch wenn das doof klingt: Ich drücke mir jetzt für heute Abend einfach mal selbst die Daumen. Und falls Ihr Eure ein bisschen für mich mitdrücken wollt, würde ich mich riesig freuen, denn so ein kleiiiiines bisschen heimatPOTTential im WDR fänd ich für die Zukunft einfach schön, auch wenn es mir irgendwie unangenehm ist, hier ganz offen und ehrlich zu sagen: "Ich im Fernsehen...joa, da hätte ich schon Bock drauf!". Aber so isset und ich will ja auch nix Komisches auf RTL2 oder so machen, sondern ganz ordentlich im WDR auf Ruhrpott-Trallafitti gehen...also watt schön Solides mit n bisskn Herzensschmodder, Kodderschnauze und vor allem mit ganz viel Heimatliebe.

Also: Vielleicht habt Ihr ja Lust, heute Abend den WDR einzuschalten und mal reinzugucken?! Und wenn Ihr mir oder dem WDR bzw. der Lokalzeit Ruhr (auf Facebook oder so) danach sagen wollt wie Ihr den Beitrag so fandet...haut raus! Ich bin gespaaaaaannt und hoffe eeeeecht, dass er Euch gefällt!

Merke: Auuuuuufgereeeeeeegt! Sonst nix.

Ein begehbarer Darm in Bochum. Oder: Die Ruhrtriennale und "The Good, the Bad and the Ugly"

26. August 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, wenn man Kunst nicht versteht, fühlt man sich ja manchmal n bisskn wie ein Banause. Wenn man nun durch irgendeine Ausstellung läuft und dort z.B. mit einem Bild oder einer Skulptur nix anfangen kann, zuckt man halt einmal kurz mit den Achseln, geht weiter und bildet sich dann einfach angesichts irgendeines anderen Bildes oder einer anderen Skulptur ein, es mehr oder weniger gekonnt für sich selbst interpretieren zu können.

Was aber, wenn man durch eine Großinstallation läuft und so ziemlich gar nichts kapiert? Was, wenn man seine Eigeninterpretationen so abstrus findet, dass man einfach gerne die Wahrheit - also in diesem Falle die Wahrheit des Künstlers - wüsste?!


Tja. Dann steht man vielleicht so konfus da wie ich am Wochenende angesichts der Ausstellung "The Good, the Bad and the Ugly", die noch bis zum 26.09.2015 auf dem Gelände der Bochumer Jahrhunderthalle im Rahmen der diesjährigen Ruhrtriennale unter dem Motto "Seid umschlungen" zu sehen ist.


Nun hatte ich mich im Vorfeld gar nicht groß schlau gemacht. Alles, was ich wußte, war: Da isn begehbarer Darm.

Aha. Verrückt genug, um sich das einfach mal anzugucken.

So. Nun mal vorneweg: Ich mag Kunst. Ich mag Festivals. Ich mag Kunstfestivals. Und ich mag die Ruhrtriennale...also das Festival der Künste in der Metropole Ruhr, denn es verbindet laut Eigenbeschreibung die Einzigartigkeit nachindustrieller Orte mit aktuellen Entwicklungen der internationalen Kunstszene. Aber ich mag es auch, wenn ich Kunst verstehen kann...zumindest ein bisschen. Und wenn ich Kunst nicht verstehe, freue ich mich über Informationen, die mir dabei ein klein wenig helfen.

Tja. Und dann stehe ich da vor diesem Darm - dem sogenannten BarRectum - an der Jahrhunderthalle. Kannse reingehen, kannse rausgucken und kannse Dich auf einem riesigen Fäkal-Sitzsack drin rumfläzen.


Verrückt. Verrückt finde ich gut. Aber was soll das?! In meinem Schädelchen fläzen sich immer mehr Fragezeichen.

"Nun gut, vielleicht erschließt sich mir der Sinn im Rahmen der Gesamtausstellung" denke ich, denn neben dem Darm gibt es in diesem "Künstlerdorf", das eine ganze Reihe von Arbeiten des Ateliers Van Lieshout umfasst, ja noch mehr zu sehen. Einen Domestikator zum Beispiel, der als Totem oder auch als Tempel des Festivalgeländes gilt.


Der Domestikator sieht aus wie ein Mann, der ein Lebewesen (Mann, Frau oder Tier) von hinten begattet. "Aha", denke ich. Sonst nix...außer vielleicht noch "warum?".

Dann liegen da zwei Köpfe. Ich denke "Aha. Köpfe..." und "...äh?!".


Dann beäuge ich den Hagioscoop. Ich stecke meinen Kopf in eins der Gucklöcher und sehe das, was Ihr jetzt auf den nachfolgenden Fotos sehen könnt.


Joa.

Ich laufe da also rum und fühle mich wie ein Banause. Oder wie jemand, der gerne verstehen möchte. Aber ehrlich gesagt verstehe ich nur die Toilettenformation, weil mir halt klar ist, wozu Toiletten nun mal so da sind.


Dann setze ich mich neben das Refektorium, dem zum Teil überdachten Veranstaltungsbereich des Geländes, und fühle mich ein bisschen doof, weil mir echt zu allem, was ich sehe, nicht mehr als "verrückt" einfällt. Aber für mich darf Kunst einfach ruhig gerne etwas mehr als "nur" verrückt sein. Also frage ich eine Dame, die so aussieht, als ob sie vor Ort arbeiten würde, ob es irgendwo Infomaterial zur Ausstellung gäbe.

Gibt es. Den Lageplan samt Informationstexten habe sie just am BarRectum ausgelegt. Super! Also hingehoppelt, eingesackt, wieder hingesetzt und gelesen.

Und dann habe ich mich NOCH dööfer gefühlt.

Kennt Ihr so Erklärungstexte, die irgendetwas erklären wollen oder sollen, und am Ende ist man genauso schlau oder dumm wie vorher?! Joa. Genau.

Ich sitze da und lese. Ich lese laut. Ich konzentriere mich. Ich will das ja schließlich verstehen und mich bitte nicht doof fühlen. Am ehesten verstehe ich noch: Der Domestikator "symbolisiert die Macht der Menschheit über die Welt und zollt dem Empfindungsreichtum, der Kultiviertheit und den Talenten der Menschheit Tribut, ihrer Organisationskraft, die sie zur Unterwerfung und Domestizierung der natürlichen Umgebung einsetzt. Dieser Akt der Domestizierung führt jedoch auch dazu, dass Grenzen nicht nur ausgelotet, sondern überschritten werden. Es verbleiben nur wenige Tabus und mit diesen will sich der Domestikator auseinander setzen."


Ist eins dieser Tabus nun der Verkehr zwischen Mensch und Tier per Hündchenstellung?! Ja, ich weiß, dass die Frage sehr plump ist. Aber wenn man da so sitzt und sich das anguckt und dann den Text liest, dann stellt man sich die Frage doch, oder? Und jaaaahaaaa, Kunst SOLL und WILL Interpretationsspielräume lassen...also interpretiere ich: Der, der mit dem Tier Anal(?)verkehr betreibt, ist The Bad?!

Und der Darm? Der ist The Ugly? Und wer ist dann The Good? Oder ist das alles zu viel Interpretationssehnsucht meinerseits?!


Ich sitze da also und sage zu meiner Begleitung: "Ich versteh das alles nicht. Das schreib ich in meinem Blog auch." ...woraufhin ich den gut gemeinten Rat bekomme, doch besser nichts Doofes über die Ruhrtriennale zu schreiben. Hm. Ich will doch gar nix Doofes schreiben. Ich find das Kunstfestival ja toll! Und wenn ich sage, dass ich da was nicht verstehe, dann ist das nicht doof gemeint. Dann bin ich vielleicht einfach nur nicht pfiffig genug.

Nun gibt es für unpfiffige Kunstfreunde wie mich jeden Sonntag eine Führung durch die Installation. Vielleicht liefert so eine Führung ja Erklärungen, aber ich sitze da nun mal an einem Samstag und muss ohne auskommen. Zu den Köpfen, die auf dem Gelände rumliegen, gibt es übrigens gar keine Erklärung. Das Informationsblatt benennt sie lediglich mit "The Head Claudia & The Head Hermann". Soso.

Das Hagioscoop entstammt einer Reihe idealer Avangarde-Farmen für die Zukunft, aber auch für die Gegenwart und für die Vergangenheit mit dem Ziel, einen überlebensgroßen Pavillon zu schaffen. Beim Hagioscoop handelt es sich um eine Farm für die Heilige Familie. Das steht im Infoblatt. Und ich denke "Aha. Inwiefern denn genau?!" und "Was heisstn datt jetzt?".


Über den Darm wird gesagt, dass er ein perfektes System und anatomisch korrekt nachgebildet sei. Nur der letzte Teil des Dickdarms sei überdimensional aufgeblasen, um an der Bar, die durch ein Fenster geschaffen wurde, möglichst viele Menschen aufnehmen zu können. Ja, gut. Faktisch verstehe ich das, frage mich aber trotzdem warum jemand einen Darm nachbaut und ob damit irgendeine spezielle Aussage verbunden ist...auch so im Gesamtkontext, der irgendetwas mit einer "Parallelwelt, die unsere eigene spiegelt und verzerrt" zu tun haben soll. Sagt das Infoblatt.


Wir halten also fest: Ich bin ein Kunstbanause. Aber trotzdem kann ich mir vorstellen, dass das Gesamtgelände in den Abendstunden bei entsprechender Beleuchtung im Rahmen der vielen Programmpunkte sicherlich optisch ein Knaller ist. Denn einige der Ausstellungsobjekte stehen dort nicht nur als Ausstellungsobjekte per se, sondern sind in diverse Workshops, Events und Lesungen eingebunden und werden dann entsprechend "bespielt". Dann wirkt das alles bestimmt noch mal ganz anders.

Vielleicht besuche ich also demnächst mal einen der Programmpunkte oder nehme an einer Führung teil, um ein wenig zu erschlauen. Vielleicht gehe ich aber auch einfach nur noch mal auf ein Eis dort vorbei, denn im Refektorium sorgt das Bochumer I AM LOVE an einer kleinen Bar fürs Catering.


Und dann schnappe ich mir den I AM LOVE Kevin und sage: "Hömma, ich bin ja n bisskn blöd. Erklär mir das hier alles mal." Und vielleicht erklärt er es mir dann. Aber vielleicht kriege ich auch einfach nur ein Milchreis-Zimt-Eis. Wäre auch nicht das Schlechteste.

Merke: Pro Kunst, auch wenn ich sie nicht kapiere!

Merke: Nächster Stopp -> Nomandslanding in Duisburg.


Eine Nacht im Urban Campsite Amsterdam. Oder: Kunst, in der man schlafen kann.

11. August 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich bin ja so ein bisschen mit dem Ruhrpott verheiratet. Und die einzige Stadt, für die ich mich jemals scheiden lassen würde, ist Amsterdam. Amsterdam hat einfach schon vor Jahren mein Herz geklaut. Kann ich gar nix für. Diese hutzeligen Häuschen mit Blendläden an den Fenstern, die Grachten, die Hausboote, die Mischung aus altem und neuen Design, die vielen kleinen Geschäftchen mit dem tollen Killefitt, die Nähe zum Meer, das bunte Volk, das dort herumstromert, die Blumen, die sich die Leute mitten im Zentrum vor die Häuser pflanzen undundund. Amsterdam lieb ich einfach. Und deshalb muss ich da auch immer mal wieder hin. So geschehen in der vorletzten Woche.

Und manchmal krieg ich ja einen am Kopp. Da muss es dann einfach etwas mehr sein. Etwas mehr?! Etwas bekloppter, etwas verrückter, etwas kreativer, etwas anders. Und deshalb wollte ich in Amsterdam nicht einfach in nem Hotelzimmer übernachten. Frei nach dem Motto #Schlafelieberungewöhnlich hatte ich mich ins Urban Campsite Amsterdam verknallt, das mir auf der Airbnb-Seite untergekommen war. Dabei handelt es sich um einen Campingplatz der besonderen Art - gelegen am Ijseelmeer und mit der Tram etwa 20 Minuten vom Amsterdamer Hauptbahnhof entfernt.


Auf der Webseite heißt es: "Urban Campsite Amsterdam ist eine öffentlich zugängliche Open-Air-Ausstellung von Kunstwerken. Das Außergewöhnliche an diesen Kunstwerken ist die Tatsache, dass sie auch als Unterbringung dienen, während die Ausstellung als vorübergehender Campingplatz fungiert."

Ich also so vorm PC: "Boah, KUNST AM STRAND, IN DER MAN SCHLAFEN KANN?!"
Tobi dann so: "Ja, aber kumma auffe Wetterkarte. Regen und so. Vielleicht doch lieber ein kleines, normales Airbnb-Apartement?!"
Ich dann wieder so: "BOAH, KUNST AM STRAAHAAAND!"
Und Tobi so: "Ja, cool. Aber hinterher regnet es in die Dinger rein..."
Und ich so: "QUATSCH, DA REGNET ES DOCH NICHT REIN! UND SELBST WENN! KUNST AM STRAND! HALLO?"
Und Tobi so: "Najaaaaa, ist schon cool, aber..."
Und ich so: "BITTÄÄÄÄÄÄÄÄ!"
Und Tobi so: "Naaaaa gut."

Ich sage es vorweg: Ich muss in diesem Leben noch unbedingt lernen, auch mal auf die klugen Hinweise anderer Leute zu hören. Bekloppt, verrückt und kreativ ist zwar total toll, aber wenn man dabei klitschnass wird, sieht das Ganze dann doch irgendwie ein bisschen sehr anders aus.

Wir buchten am späten Abend einen Holzkubus in dem Camp...


...und fuhren am nächsten Morgen los. Bei strömendem Regen. Aber selbst an dem Punkt war meine Freude noch ungebrochen! Es gibt kein falsches Wetter, es gibt nur falsche Kleidung und so. Blabla. Und dann kamen wir an.


Wir wurden von einer Campmitarbeiterin sehr freundlich begrüßt und herumgeführt. Sie zeigte uns den offen gestalteten Aufenthaltsbereich, eine zur Badewanne umgebaute Mülltonne, die Feuerstelle, die Campküche und unseren Holzkubus, der in echt noch seeeehr viel kleiner war als die Bilder im Internet mich hatten vermuten lassen.


Sie öffnete die Tür zu unserer Kunstbehausung und das Innenleben sah behaglich aus...nur war die Matratze klitschnass. Oh...da hätte wohl jemand die Tür nicht richtig zugemacht...hieß es. Und Tobi und ich beide so im Geiste: "Neneneeee, da hat irgendwer diesen Kubus einfach nicht wasserdicht gebaut!". Aber die Camplady zückte ihr Handy, zeigte uns, dass laut Wetter-App der Regen in der kommenden Stunde aufhören sollte und meinte, dass sie die Matratze dann einfach in den Wind legen würde...dann wäre sie nachts auf jeden Fall trocken.

Und ich so: "Ähhhhhh?! Neeeee?!"

Schließlich handelte es sich nicht um sonnigen 30-Grad-Wind, den die App da verhieß. So ne Matratze trocknet doch nicht mal eben über ein paar Stunden im Wind! So panne bin ja noch nicht mal ich, dass ich das glauben würde...

Also haben wir nach Alternativen gefragt. Nur für den eveeeentuellen Fall, dass das mit der Windtrocknung doch nicht ganz so toll funktionieren sollte. Uns wurde dann ein altes Kuhfuttersilo gezeigt, das wie eine umgekippte Riesenboje aussah. Mein erster Gedanke: "Wenn man da bei starkem Regen drin liegt, dann kann man seinen Kopf auch gleich in ein Schlagzeug stecken und einen weltberühmten Aggro-Drummer draufkloppen lassen."


Aber iiiiirgendwie bin ich ja doch etwas komisch und so machte mir das alles (erst mal) nicht wirklich etwas aus. KUNST AM STRAAAHAAAND! Ich fand das Camp einfach trotzdem toll, die Ideen angemessen verrückt, die Nähe zum Wasser bezaubernd und die Tatsache, dass da irgendwelche Leute einfach so ein Kunstcamp durchgezogen, anstatt nur wieder und wieder über die Idee an sich zu quatschen - wie es die meisten Menschen angesichts so eines Projekts täten - also diese Tatsache fand ich einfach so schwerwiegend gut, dass ich den praktischen Vorgang der Übernachtung an sich einfach mal ausblendete und wie ein aufgescheuchter Hase - hoppelhoppelhoppel - zwischen den Kunstwerken hin und her rannte und ein paar schnelle Fotos machte.

Ach so, ich habe nicht ein einziges Foto mit der Spiegelreflexkamera gemacht. Die wollte ich im Regen dann doch nicht zücken. Deshalb müsst Ihr hier nur mit Handy- und ipadfotos vorlieb nehmen. (Schön, dass mein Unterbewusstsein scheinbar "Oh, die Kamera darf nicht nass werden" schaltet, aber die Tatsache, dass ICH nachts im strömenden Regen liegen könnte, total ausblendet.)


Mit der Vereinbarung "Zur Not schlafen wir im Kuhfuttersilo" in Petto machten wir uns dann auf den Weg nach Amsterdam und ließen uns so lange einfach durch die Grachtensträßchen treiben bis wir den Zeitpunkt für die Übernachtungsmaßnahme für gekommen hielten. (In Punkto Amsterdam habe ich die Tage auch noch einen tollen Shopping- und einen schönen Restauranttipp für Euch, aber das muss erst mal warten.)


Also mit der Bahn zurück zum Camp. Es regnete mittlerweile wieder in Strömen. Ach was, es goss aus Eimern! Meine Turnschuhe waren so nass, als hätte ich mit ihnen völlig sinnbefreit einfach mal ne Stunde mitten im Ijseelmeer gestanden. Nun parkt man sein Auto etwas außerhalb vom Camp und da der Weg von der Tramstation bis zum Parkplatz schon schwerste Feuchtigkeitsschäden an uns hinterlassen hatte, haben wir im Auto erst mal eine Pause gemacht. Das war der Zeitpunkt, zu dem ich das alles dann doch nicht mehr soooo toll fand. Ich glaube, ich habe gute 10x "Es tut mir leid. Das nächste Mal nehmen wir einfach ein Appartement!" gesagt und dabei ganz viel halb-hysterisch gelacht. Was will man auch um Mitternacht ohne Übernachtungsalternativen anderes machen, ne?!

Half ja alles nix...also zurück zum Camp. Ich musste nämlich aufs Klo. Der ganze Zirkus schlug mir nämlich ein bisschen auf den Magen. Mit anderen Worten: Ich musste RICHTIG aufs Klo. Ihr wisst schon. Nur wollte ich DA nicht RICHTIG aufs Klo müssen, denn die Klos sind ja auch Kunst (Tribal Toilet Tower). Das folgende Bild erklärt es ein wenig:


Man geht da so ne Wendeltreppe hoch und in eins der Kabüffchen rein. Da steht dann zwar eine richtige Kloschüssel, aber man kann nicht abziehen. Wenn man Pipi macht, soll man einfach nur den Klodeckel schließen und wenn man "das Andere" macht, soll man etwas Heu hinterher werfen. Ja, im Ernst. Hinterher? Ja, denn das, was man macht, fällt durch dicke Röhren, landet dann unten und wird dann per Superkompostierungssystem zu Gras. Klingt verrückt, ist verrückt. Das alles fand ich gar nicht schlimm, aber es war mitten in der Nacht und ich wußte ja nicht wie laut das ist, wenn mein "Nicht-Pipi" da die Röhre runterfällt und unten aufklatscht. Und dann liegen da lauter Leute in den Objekten drumherum und können das hören?! Daaaaa bin ich dann doch ECHT empfindlich. Manchmal warte ich auf öffentlichen Toiletten sogar so lange bis alle anderen die Örtlichkeit verlassen haben. Ich möchte "dabei" einfach nicht akustisch wahrgenommen werden.

Aber eine andere Möglichkeit gab es nicht. Also sind wir zum Camp gelatscht. Ich erwähne es gerne noch mal: strööööömender Regen und ich immer wieder so "Hahahaha...es tut mir so leid...hahahaha...oh Gott, ist das schrecklich...hahahaha...meine Schuhe sind ganz nass...hahahaha...es tut mir ECHT leid...hahahaha..."

Man hatte uns im Vorfeld erklärt, dass das Camp nachts abgeschlossen werden würde und wir uns mit einem Code Zugang verschaffen könnten. Und irgendwie erwarteten wir so ein High-Tech-Mopped, in das wir die benannte Zahlenkombination eintippen konnten. Da war aber gar kein High-Tech-Mopped, sondern nur ein Bauzaun und ein Zahlenschloss mit 4 Rädern. Und kein Licht. Und das Zahlenschloss wollte nicht so wie wir wollten und die Taschenlampe und den ganzen anderen Übernachtungskrempel hatten wir natürlich im Auto gelassen, weil ich ja so dringend und schnell nur mal eben aufs Klo wollte. Irgendwann waren wir dann zwar noch nasser als nass, aber wir waren drin.

Erst mal unterstellen und das Klo aus der Ferne beäugen. Anlauf nehmen quasi. Aber plötzlich musste ich gar nicht mehr. Somit war die ganze Prozedur vollkommen umsonst gewesen, denn wir mussten ja wieder zurück zum Auto, um unsere Sachen zu holen. Also noch mal Zahlenschloss, Regenmarsch, Taschen schultern, Bettdecke untern Arm klemmen (wir hatten uns eine mitgebracht...nur für den Fall, dass uns unter der vorhandenen im Camp zu kalt werden sollte) und zurück durch den Regen, vorbei am nervigen Zahlenschloss und rein ins Kuhfuttersilo.

Naja, ehrlich gesagt bin ich dann doch noch aufs Klo gegangen. Und falls Ihr Euch das fragt: Es hat üüüüberhaupt kein Geräusch gemacht. Echt nicht. Versteh ich zwar nicht, war aber so.

Zum Glück war im Camp scheinbar keiner mehr wach und so konnten wir uns VOR dem Silo umziehen, um nicht mit den nassen Klamotten da reinkrabbeln zu müssen. Da drin sind nämlich einfach nur eine Matratze, eine Funzel und ein Wasserkanister...und wir wollten unser Bett natürlich nicht vollschlammen.

Die Nacht?! Was SUPER! Kein Witz! Alle Befürchtungen, das ganze Unbehagen waren für die Katz. Zum Glück! Es war muckelig, trocken, lustig und bequem. Echt...die Matratze war VOLL bequem! Für unbequeme Matratzen hab ich nämlich einen super Rückensensor. Es regnete auch immer mal wieder wie bekloppt, aber man fühlte sich trotzdem nicht wie im Inneren eines Schlagzeugs. Ganz im Gegenteil...immer, wenn ich zwischendurch doch mal kurz wach wurde, war ich fast sogar traurig, wenn ich merken musste, dass es grad mal kurz NICHT regnete. Und Platzangst oder so war auch nicht angesagt. Das Silo ist zwar klein, aber wenn man drin liegt, ist es einfach nur gemütlich und nicht beengend. Na gut, ich weiß nicht wie das für Leute wäre, die ernsthaft an Platzangst leiden, aber uns ging es darin echt super. Und zwecks Luftzufuhr hatten wir die Luke auch vorsichtshalber einen kleinen Spalt aufgelassen.

Am Morgen schien dann auch mal gaaaanz kurz die Sonne, als wir aus dem Silo krabbelten...


An der Rezeption konnte man Kaffee kaufen, in der Campküche lief das Radio (Haddaway: "Baby, don't hurt me, don't hurt me...no more!") und langsam krochen alle anderen Bewohner aus ihren Kunstobjekten.


Meine Schuhe waren immer noch klitschnass, es fing wieder an zu regnen und dann hatte ich keinen Bock mehr und wir sind nach Hause gefahren.

Feddich.

Ich fasse zusammen: Das Urban Campsite Amsterdam ist eine super tolle, ziemlich verrückte, romantische, hippiehafte, malerische, kreative Kiste. Aber man sollte dort bei gutem Wetter wohnen, denn die Konstruktionen - zum Beispiel auch der gemeinschaftliche Aufenthaltsbereich - sind einfach nicht wirklich regenfest. Und das ist schon ein bisschen doof. Aber nicht so doof, dass ich wirklich meckern wollen würde, weil ich es einfach viel zu toll finde, dass es sowas überhaupt gibt.


Es handelt sich bei dem Camp übrigens um ein Wandercamp. In den Vorjahren waren sie damit nur in Wäldern unterwegs. Vielleicht hat man einfach das Wetter am offenen Ijesselmeer unterschätzt, wenn man immer unter geschützten Baumwipfeln verortet war?! Ich weißet nich, aber is auch nich so wichtig. Kunst darf bekloppt sein...und unperfekt. Oder was meint Ihr?

Merke: Ein ♥ für die Kunst und für verrückte Projekte!

Aktion "Essen - Zu Gast in Deiner Stadt" oder: eine Nacht im Mintrops Stadthotel auf der schönen Margarethenhöhe

6. August 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, vor ein paar Jahren habe ich im Essener Stadtanzeiger von der damals brandneuen Aktion "Zu Gast in Deiner Stadt" gelesen. Ich bin gerne Gast und meine Stadt mag ich auch...also habe ich einfach mal mitgemacht: KLICK! Und Mitmachen geht so: Man nächtigt zu einem sehr günstigen Sonderpreis in einem der heimatstadtinternen Hotels, die an der Aktion beteiligt sind, und kann tagsüber zusätzlich an diversen Programmpunkten teilnehmen, die innerhalb des Stadtgebiets flankierend angeboten werden. Mit anderen Worten: Einfach mal direkt vor der Haustür was Anderes erleben und dem eigenen Alltag für ein paar Stunden Adios sagen.

Und weil mir die ganze Kiste damals so viel Spaß gemacht hat, hatte ich in diesem Jahr Lust auf eine neue Runde...diesmal allerdings in Kooperation mit der EMG - Essener Marketing GmbH, die als Veranstalter hinter der Aktion steckt. In Kooperation meint: Die EMG hat mich samt Begleitung zu den Übernachtungen eingeladen.


Nun müsst Ihr wissen, dass ich im Vorfeld eine heimliche Favoritenliste erstellt hatte, denn selbstverständlich findet man manche Hotels noch toller als andere. Aber nur weil ICH gerne in diesen NOCH tolleren Hotels nächtigen würde, heißt das ja noch lange nicht, dass die Hotelinhaber Lust auf irgendwelche Bloggersperenzchen haben. Also war erst mal Abwarten angesagt.

Und daaaahaaaann haben unter Anderem genau die zwei Hotels zugesagt, die ich auf meiner heimlichen Liste auf Top 1 und Top 2 gesetzt hatte. HA! Habbisch mich natürlich gefreut wie Oberbolle, denn in beiden Fällen handelt es sich um Hotels, die ich schon seit Jahren immer nur schön von außen angeschmachtet habe. Aber kommen wir mal zur Sache bzw. zu meiner Residenz im Mintrops Stadthotel auf der Margarethenhöhe.


Haaaach...die Margarethenhöhe! Wie gerne würde ich dort wohnen! Aber fürs Erste tut es auch eine Nacht im Mintrops Hotel, das direkt am Kleinen Markt gelegen ist. So oft stand ich schon davor und habe mir gedacht wie toll es sein muss, einmal auf dem schönen Balkon zu stehen und zum Volk zu sprechen. Naja...oder nur da zu stehen...ohne Volk und so.


Ich packe also mein Täschken, mache mich auf den Weg, freue mich, dass auf dem Marktplatz an dem Tag tatsächlich sogar ein Markt aufgebaut ist und checke ordnungsgemäß ein.


Dann werde ich zu meinem Zimmer geführt...und flippe innerlich ein bisschen aus, denn es ist tatsächlich das Zimmer mit dem allerallerschönsten Blick auf den Marktplatz. Keine 2 Sekunden nachdem der nette Rezeptionsmann mich allein gelassen hat, stehe ich giggelnd auf dem Balkon und weiß vor lauter "Krkrkrkrkr" und "Hihihihihi" gar nicht was ich zuerst machen soll: Fotos, rumhopsen, Beine hoch und den Ausblick genießen...oder vielleicht doch zum (Markt-)Volk sprechen, aber das war leider einfach viel zu sehr mit dem Abbau der Stände beschäftigt.


Natürlich hat das Mintrops Stadthotel noch viel mehr als "nur" einen sagenhaften Ausblick zu bieten! De facto handelt es sich - wie sollte es auf der Margarethenhöhe auch anders sein? - um ein sehr geschichtsträchtiges Gebäude. Den Betreibern ist ein wirklich wunderbarer Spagat zwischen "damals" und "heute" gelungen. Man verneigt sich in Punkto Gestaltung vor der Vergangenheit und integriert gleichzeitig die Moderne der heutigen Zeit. Überall im Haus findet sich Kunst. Farben, Holz, Glas, Stahl und ungewöhnliche Designformen geben sich auf Schritt und Tritt gekonnt die Klinke in die Hand.


Die schönen Fenster sorgen für tolle Lichtspielereien und das Glasdach, das den Hoteltrakt mit dem Restaurantbereich verbindet, erlaubt einen Blick auf die historische Rückseite des Gebäudes.


Große Aufnahmen aus dem Industriezeitalter finden sich in den Gängen, moderne Kunst geleitet den Weg durch das Treppenhaus, ein offenes Regal bietet Literatur für Groß und Klein sowie unterschiedliche Gesellschaftsspiele zum Zeitvertreib im Foyer an und im Eingangsbereich wird man von frischen Kräutern begrüßt.


Merkt Ihr worauf ich hinaus will? Es ist einfach die Mixtur von unterschiedlichsten Elementen, die dem Hotel eine wirklich besondere, ein wenig verspielte, aber dennoch sehr vergangenheitsrespektable Atmosphäre verpasst...und das mit einer scheinbaren Leichtigkeit, die zumindest mich wirklich beeindruckt.


Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich der Liebe zum Detail verfallen bin. Es sind eben die kleinen Dinge, die einen Unterschied machen. Und deshalb kann ich mich auch richtig ehrlich darüber freuen, dass zum Beispiel im Foyer nicht einfach nur Käffchen, Tee und Wasser angeboten werden. In der Wasserkaraffe sorgt ein Fruchtspieß für Farbe und Geschmack und in der gläsernen Teekanne auf einem Stövchen schwimmen Erdbeeren! Mit sowas kriegt man mich ja...


Aber man kriegt mich auch mit gutem Essen. Und was das angeht, hat uns das Hotelrestaurant, das aber auch Gästen offen steht, die nicht über Nacht bleiben, wirklich umgehauen! Ach so...ich sage "uns", weil ich natürlich nicht alleine im Mintrops Stadthotel genächtigt habe. Meine beste Freundin Heidi war mit von der Partie und sie stand als großer Margarethenhöhe-Fan direkt nach ihrer Ankunft übrigens genau wie ich giggelnd mit "Krkrkrkrkr" und "Hihihihi" auf dem Balkon. Naja, ehrlich gesagt sind wir sogar ein bisschen rumgehüpft wie zwei Erstklässler, die von der Lehrerin Gemischte Tüten auf Lebenszeit versprochen bekommen.


Vor dem Essen im Restaurant habe ich mich schon im Hotelzimmer über die schönen Leckereien hergemacht, die mich dort freundlicher Weise empfangen hatten. Ein schöner Obstteller und wirklich, wirklich wundervolle, kleine Schoko-Leckerchen aus eigener Herstellung...stellt Euch einfach eine Mischung aus tollster Praline und Brownies vor. Der HAMMER!


Im Rahmen der Aktion "Zu Gast in Deiner Stadt" machte ein dicker Schwung an Infomaterialien über die Stadt Essen im Allgemeinen und die Margarethenhöhe im Besonderen das gastfreundliche Empfangskomitee auf dem Zimmer komplett.


Und damit niemand behauptet, dass ich das Badezimmer unterschlagen hätte, zeige ich Euch das natürlich auch. Schließlich sind Badezimmer wichtig! Wer hat schon Freude an ner usseligen, dunklen Nasszelle? Eben!


Der Spiegel bzw. der Spiegel in Kombination mit der Beleuchtung ist übrigens fantastisch. Es gibt ja so gemeine "Ich hasse mich!"-Spiegel, in denen man wie das ollste Schrottmöhrchen weit und breit aussieht. In diesem Fall ist die Sache aber genau gegenteilig gelagert: ein echter "Och, ich kann mich heute ganz gut leiden"-Spiegel. Kann man ja ruhig auch mal erwähnen, ne?!


So. Kommen wir zurück zum Restaurant. Es heißt schlicht und ergreifend "M". Erst mal war ich total geplättet, weil da zur Begrüßung ein kleines Tafelschildchen mit meinem Namen drauf stand. Auch hier wieder: Liebe zum Detail und so. Voll schön!


Aber es kam noch toller: Man hatte uns extra ein dreigängiges Menü zusammengestellt, das uns lediglich die Entscheidung zwischen Fisch oder Fleisch abverlangte. Unser eeeeecht netter Kellner (...der nicht eiiin Mal doof geguckt hat angesichts unserer Handys, Kameras, Ladegeräte und Hampeleien) ließ uns die Wahl: Entweder wir entscheiden uns für das Menü oder wir wählen aus der regulären Karte. Heidi und ich haben dann halbe-halbe gemacht. Ich Menü, sie Karte.

Ehrlich gesagt fand ich an dem Punkt schon alles toll, ohne auch nur einen Happen gegessen zu haben. Einfach weil ich mich so wohl gefühlt habe, weil der Kellner so nett war, weil das Menü so toll klang und überhaupt. Aber daaahaann wurde es noch toller, denn das Essen war bombastisch lecker. Wir durften mit einem kleinen Gruß aus der Küche starten: Scampi auf Balsamico-Linsen. Nee. Stimmt gar nicht. Vorher gab es noch zweierlei Brot mit dreielei Dips teils mit Zutaten aus eigenem Anbau. Dann kam der Küchengruß, gefolgt von der eigentlichen Vorspeise. Mein Menü sah Pfifferlingssalat mit Avocadocreme und Frisée vor und Heidi hatte sich für Erdbeeren und Ziegenkäse in Blätterteig entschieden.


Danach waren wir eigentlich schon satt. Aber Schwächeln kam nicht in Frage, denn es ging noch köstlicher weiter! Als Hauptgang bekam ich Iberisches Rinderhüftsteak mit Pfefferjus, Bohnencaussoulet und Rosmarinkartoffeln serviert (es war VIEL leckerer als das Instagramfoto beweisen könnte) und Heidi hatte sich mit Couscoustalern an die Vegetarierfront begeben. (Anmerkung an meine Mutter: Wenn Du daaamals SO die Schnibbelbohnen zubreitet hättest, hätte ich sie bestimmt gemocht und nicht unterm Esstisch versteckt!)


Es folgte das Dessert. Na gut. Da haben wir dann etwas geschwächelt und uns einen Teller geteilt, der laut Menü "Beerenvariationen" hieß. (Es waren auch Blaubeeren dabei. Und wer meinen vorvorletzten Post gelesen hat, weiß, warum ich das an dieser Stelle bemerkenswert finde.) Passend zum Dessert wurde uns übrigens auch noch ein grandioooser Regenborgen serviert...direkt vorm Fenster...aber für das Foto bin ich trotzdem ganz schnell nach draußen gerannt...


So. Heidi und ich also so kurz und knapp vorm Futterkoma...im besten Sinne. Und dann kommt dieser nette Kellner umme Ecke und fordert uns auf, die Augen zu schließen...es gäbe nämlich noch eine Überraschung aus der Küche. WAAAATT?! Der Teller wurde zwischen uns platziert, wir durften die Augen öffnen und wären schon allein beim Anblick der Leckerchen fast endgültig geplatzt.


(Natürlich haben wir sie TROTZDEM gegessen. Wenn Heidi und ich was können, dann essen!) Jedenfalls wurden wir darüber informiert, was von den süßen Sachen aus eigener Herstellung bzw. aus eigenem Anbau stammt. Das mit dem eigenen Anbau hab ich ja oberhalb schon mal erwähnt und an dieser Steller erkläre ich dann auch gerne, warum das Hotel "Mintrops STADThotel" heißt, denn es gibt auch noch ein "Mintrops LANDhotel" in Essen-Burgaltendorf...sozusagen eine Hotelschwester. Und diese Hotelschwester verfügt über tolle Gärten mit eigenem Obst- und Gemüseanbau, der dem Restaurantangebot zu Gute kommt. (Der Kellner - Manno, ich wüsste so gerne seinen Namen...immer nur "der Kellner" zu schreiben, ist doch doof - hat uns jedenfalls SO SEHR vom Landhotel vorgeschwärmt, dass ich auch da am liebsten mal eine Nacht verbringen würde! Kleiner Wink mit dem ganzen Zaun. Verzeihung.)

Wir haben also ALLES aufgegessen und fühlten uns wie Gott auffer Maggiehöhe. Und was macht man als Gott auffer Maggihöhe?! Natürlich erst mal frische Luft auf dem tollen Hotelzimmerbalkon schnappen...und zwar in den puscheligen Pantöffelkes, die im Zimmer bereit lagen. (O-Ton Heidi: "Boah, die sind voll toll. Ganz warm und weich! Ich glaube, uns ist hier draußen nur nicht kalt, weil die Pantoffeln so toll wärmen.") Aber Heidi und ich sind nun mal ziemlich verrückte Götter und deshalb haben wir natürlich auch noch reichlich Quatsch gemacht...vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen. (Glaubt mir ja eh keiner, wenn ich hier so tue, als ob wir uns die ganze Zeit nur voll "für fein" benommen hätten.)


Geschlafen haben wir natürlich auch. Und zwar wie Stein. Ich hab mir ja letztens erst ne neue Matratze gekauft, aber nach einer Nacht auf so einer Mintrops-Matratze bereue ich diesen Kauf zutiefst. Diese Hotelmatratze ist nämlich eindeutig nur für mich und meinen Krüppelrücken produziert worden...was Anderes kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

(Ich meine das übrigens alles sehr ehrlich und ernst! Wenn ich meinen Aufenthalt im Mintrops Stadthotel nur halb so toll gefunden hätte, würde ich auch nur halb so sehr schwärmen. Ehrenwort!)

Am Morgen ging es dann ans Frühstücksbuffet. Nun bin ich ja eigentlich nicht so der Frühstücker, aber bei DEM Angebot hab ich natürlich eine Ausnahme gemacht, denn auch hier beweist die Hotel-Crew wieder viel Liebe zum Detail im Hinblick auf Angebotsvielfalt, Präsentation, Frische und Kreativität.


So kann man sich zum Beispiel an einer Front-Cooking-Station nicht einfach nur Rühreier mit Speck auf den Teller schaufeln, sondern sogar unterschiedliche Pancakes, Spiegeleier und Omelettes bestellen. Die Gurken und Tomaten stammen aus dem eigenen Anbau, viele weitere Produkte werden von regionalen Anbietern eingekauft, die auf einer Karte namentlich benannt und den Produkten zugeordnet werden...find ich super. Und das frische Mett...das fand ich auch super!


Und dann?! Heidi und ich schon wieder pappensatt und Rückzug auf den Hotelzimmerbalkon, die zweite. Noch mal 1000 Fotos gemacht, ein bisschen in der Sonne gesessen, die sich freundlicher Weise hat blicken lassen, dem Plätschern des Marktplatzbrunnens mit den pinkelnden Männekens gelauscht und dann war es auch leider schon an der Zeit, unsere Täschken zu packen, um uns zu verabschieden.


Seht Ihr diese Karte?! Natürlich seht Ihr sie...doofe Frage. Es handelt sich dabei nicht um eine plumpe Werbekarte, sondern um eine Postkarte...verbunden mit dem Hinweis, das man damit jemanden grüßen kann, der leider nicht mit von der Übernachtungspartie war. Das Porto übernimmt das Hotel, wenn man die Karte beim Check-Out an der Rezeption abgibt. Hab ich natürlich gemacht! Ich sachet gern noch mal: Liebe zum Detail...und zu guten Ideen! (Leider ist die Karte bis heute - eine Woche später - immer noch nicht beim Adressaten angekommen. Grmpf!)

So. Natürlich sind Heidi und ich nach dem Auschecken nicht sofort nach Hause gedüst, sondern noch ein Weilchen über die Margarethenhöhe geschlendert. Aber davon erzähle ich Euch ein andermal. Die folgende Collage versteht sich als optischer Teaser und allen, die die Essener Margarethenhöhe gar nicht kennen, sei gesagt: DAS SIEHT DA ÜBERALL SO AUS! Wie in einer anderen Welt...ein bisschen unglaublich eigentlich, aber vor allem unglaublich schön. Meiner Meinung nach einer der besondersten Orte im ganzen Ruhrgebiet!


(Das Daheim-Schild ist sooo super! Aber sooo dreckig. Hätte ich ne Leiter gehabt...ich hätte es geputzt...datt sach ich Euch abba! Tut einem ja inner Seele weh...)

So. Ich bedanke mich beim Mintrops Stadthotel für die herzliche Gastfreundschaft und die tolle Einladung zum Abendessen, bei unserem Kellner für...ach, weil er so is wie er is, Heidi für ihre werte Begleitung und dem Essener Marketing für die Einladung zu dieser schönen Aktion im Rahmen von #EssenzuGastinDeinerStadt.

Wer mit auf Facebook und Instagram folgt, weiß: Meine zweite Hotelübernachtung führte mich ins Schloßhotel Hugenpoet. Aber davon erzähle ich Euch erst die Tage. Bis dahin: Genießt datt schöne Wetterchen und spaziert vielleicht mal über die Margarethenhöhe!

(Mal wieder der Vollständigkeit halber: Die Idee zur Kooperation mit dem Essener Marketing stammte von mir und ich freue mich, dass sie auf Anklang stieß. Über die Kosten der Hotelaufenthalte hinaus ist keine Kohle geflossen. Wisster Bescheid.)

Merke I: "Daheim" auf der Margarethenhöhe...datt wär's!

Merke II: Das Mintops Stadthotel verfügt über sehr tolle Tagungs- und Veranstaltungsräume.
Zum Beispiel einen historischen Weinkeller oder das Margarethe-Krupp-Zimmer.
Das Hotel wurde übrigens als 7. bestes Tagungshotel Deutschlands ausgezeichnet.
Nicht schlecht, Herr Specht!

Merke III: Die Omma kommt für ein Wochenende zu Besuch nach Essen
und Ihr wisst nicht wo Ihr sie über Nacht "parken" sollt? Tja. JETZT wisst Ihr es.



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