Kreative Kiki-Küche hoch 3

30. September 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich werde immer wieder gefragt wie ich auf meine Rezeptideen komme. Jetzt würde ich gerne irgendetwas Tolles darauf antworten, aber in Wahrheit handelt es sich bei meinen Futterkreationen meist um vollkommen profane Angelegenheiten.

Meistens läuft das so: Ich habe Hunger. Ich habe Hunger auf A und B. Dann versuche ich stundenlang, mich zwischen A und B zu entscheiden. Klappt aber meistens nicht. Also grabe ich in meinem Hirnchen nach Kombinationsmöglichkeiten von A und B, um dem Entscheidungszwang ein lässiges Schnippchen zu schlagen. In diesen Prozess ist für gewöhnlich auch noch die praktische Variable "Was habe ich noch im Kühlschrank bzw. was muss weg?" enthalten. Das Ergebnis ist dann häufig etwas verrückt, aber vor allem lecker...und das ist ja immer noch die Hauptsache, ne?


Heute stelle ich Euch drei dieser Kreationen vor. Eigentlich waren sie gar nicht für den Blog gedacht. Kurz vor dem Verzehr hatte ich jeweils lediglich ein schnelles Schrömmelfoto für Instagram geschossen...also nix hochwertige Spiegelreflex-Foodporn-Fotos, sondern nur zackzack und rein in den Wanst.

Nun wurden aber unter diesen Fotos zahlreiche Instagram-Stimmen laut, die "Rezept! Rezeeeheeeept!" forderten. Und diesen Stimmen beuge ich mich jetzt einfach mal.

#1 Spinat-Rote-Beete-Quiche

Joa. Et is wie et is. Hunger auf Rote Beete. Hunger auf Spinat. Und Blätterteig im Kühlschrank. Die ganze Kiste ist kein großes Hexenwerk:

  • Blätterteig so in eine gefettete Form drücken, dass der Rand ordentlich übersteht.
  • TK-Spinat im Topf erwärmen, mit ein wenig Schmand vermischen und auf dem Teig verteilen.
  • Rote Beete in ner Pfanne anbraten, salzen, pfeffern und ein bisschen mit Honig glasieren.
  • Rote Beete auf dem Spinat platzieren, Mais drumherum verstreuen.
  • Schinkenspeck anbraten und dann in den Teigrand drücken. Teigrand anschließend umklappen.
  • Ab in die Röhre mit dem Kollegen und backen bis gut is.
  • Salzen, pfeffern, thymianisieren, noch ein Schüsschen Honig drüber und mit gehobeltem Parmesan vollenden.

#2  Kürbis-Rote-Beete-Pizza-Streifen

Dieses Rezept ist einzig der Resteverwertung geschuldet. Naja. Und der Tatsache, das sich Berit zum Abendessen angekündigt hatte. Rote Beete und Kürbis mussten weg und im Kühlschrank lag noch n Pizzateig rum. Und Berit ist zufällig ein großer Rote Beete Fan. Also eine glasklare Angelegenheit.

  • Pizzateig ausrollen (...wenn man das bei Fertig-Pizzateig überhaupt so nennen kann).
  • Reichlich Schmand mit Thymian und Honig anreichern und auf dem Teig verteilen.
  • Rote Beete anbraten, salzen, pfeffern und mit Honig glasieren.
  • Kürbis in schmale Stückchen schnibbeln und gemeinsam mit der Roten Beete auf der Pizza verteilen.
  • Fetakrümel drüber bröseln und dann den Ofen mit der Fressalie beehren.
  • Wenn die Pizza einen konsumfertigen Eindruck macht, holt man sie aus dem Ofen (ach was?!) und legt noch mal ne Dosis Salz, Pfeffer und frischen Thymian nach. Auch ein weiteres bisskn Honig tut dem Genuss sicherlich keinen Abbruch.
  • Dann schneidet man das Ding in Streifen. Total ausgefallen.

#3 Currywurst-Toast

Bei dieser Kreation handelt es sich eigentlich um eine Notgeburt, denn ursprünglich wollte ich aus dem Pizzateigrest eine Currywurstpizza basteln. Aber plötzlich hatte ich nur noch sehr, sehr wenig Pizzateig, aber ganz, ganz viel Currywurst. Also wurde das letzte Häufchen Teig mit dem letzten Rote-Beete-Rest gepaart und die Currywurst bekam an ein Toast-Date verpasst.

  • Bratwurst und Zwiebelringe anbraten während der Toast schomma im Ofen vorgetoastet wird. Wer einen Toaster hat, nimmt den Toaster. Ich hab halt keinen.
  • Currywurst in feinster, erwärmter Currywurst-Soße baden lassen. In diesem Fall habe ich mich für die wirklich bezaubernde Pott.Curry-Soße in der Harakiri-Version entschieden. Eine sehr, sehr gute Wahl! Super scharf, aber nicht ZU scharf.
  • Currywurst auf die Toastscheiben geben und den Mais zzgl. Röstzwiebeln die Nachhut mimen lassen.
  • Geriebenen Käse drüber, rein in den Ofen und kurz überbacken lassen bis der Käse schön angeschmolzen ist.

Joa. So ist das mit mir und der vermeintlich kreativen Küche, die eigentlich nur eine Resteverwertungsstelle in Kombination mit zäher Entscheidungsunfähigkeit ist. Meistens hab ich selbst gar keinen Plan davon was ich da zwischen Herd und Ofen veranstalte. Ich fange einfach an und vertraue darauf, dass es am Ende schon schmecken wird. Und falls nicht, treibt es halt der Hunger rein. Wie dem auch sei...wie immer kann ich nur empfehlen: einfach machen! Und das Currywurst-Toast empfehle ich auch...so simpel, so gut!

Merke: Halsweh ist ein doofer Doofmann. 

Ein Ring, die Castroper zu knechten

28. September 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ehrlich gesagt halte ich mich ja für einen kleinen Landmarken-Schlaubi. (Für diejenigen, die nicht im Ruhrgebiet wohnen: Landmarken sind Kunstwerke, die zahlreich auf pottschen Halden zu finden sind. Das Tertaeder zum Beispiel. In seltenen Fällen stehen solche Landmarken aber auch ohne Halde unterm Popo irgendwo in der Pott-Pampa rum. Zum Beispiel die Bramme Rheinorange in Duisburg.) Mit anderen Worten: Ich bilde mir ein, alle Landmarken zu kennen und den meisten von ihnen auch schon meine persönliche Aufwartung gemacht zu haben. Deshalb hab am ich Wochenende auch fast einen kleinen Kollaps hinterm Steuer bekommen, als ich durch Castrop-Rauxel tuckerte und sich plötzlich im Vorbeifahren ein riesiger orange-blauer Kreis in meinen Augenwinkel quetschte.

In einem meiner Lieblingslieder gibt es so eine Zeile: "Heiliger Scheiß, was für ein Kreis! Was er hier wohl macht und wie er wohl heisst?"...ein mehr als perfekter Soundtrack für genau diesen Moment. Also Vollbremsung, wenden, parken und gucken gehen. Klar.


Es handelt sich um die sogenannte Landmarke Schweriner Ring, die nicht zu verwechseln ist mit der Halde Schwerin, auf der die Landmarke Sonnenuhr thront. Also nomma zum Mitschreiben und Merken: Es gibt in Castrop-Rauxel eine Landmarke Schwerin UND eine Halde Schwerin und die beiden trennt eine ca. 300 Meter lange Luftlinie.


Joa. Wusste ich nicht. Also große Freude und so...schließlich hätte ich nicht gedacht, dass ich nomma rein zufällig einfach eine Landmarke finden würde. Hat sich fast wie ein kleines Geschenk angefühlt.


Obwohl...klein isser nicht gerade...der Schweriner Ring. Bei einem Durchmesser von 4,3 Metern wiegt das Teil ganze 3,3 Tonnen und entstammt einem Windräder-Produktionsüberschuss. Es wurden also Windräder gebaut und ein Materialfehler sorgte dafür, dass es "Wegschmeissen oder Kunst draus machen" hieß. Der Künstler Jan Bormann, der auch für die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin verantwortlich ist, entschied sich für Kunst, und so wohnt dieser mächtige Kugelstahllager-Ring nun seit 2010 auf einem Castroper Hügelchen...schön mit Blick auf Maisfelder und Windräder.


Nun würde ich nicht sagen: "Boah, Ihr müsst da unbedingt hinfahren und Euch diesen Kreis angucken!". Ist halt am Ende doch nur ein Kreis, der da so rumsteht. Aber wenn Ihr mal der Halde Schwerin einen Besuch abstatten wollt, dann könnt Ihr gut einen kurzen Zwischenstop beim Schweriner Ring eingelegen und ein paar Fotos einsacken. Wenn man sich nämlich mit der Kamera unten an den Fuß des Hügelchens stellt, ergeben sich lustige Perspektiven.


Und vielleicht werdet Ihr jetzt lachen, aber auf dem Hügelchen wächst total schönes Grünzeuchs. Besondere Gräser, schöne Blüten...und nicht einfach nur Grashalme und Gänseblümchen.


Tja. Und sonst so? Man kann sich schön in die Sonne legen, bisschen pottsche Landluft schnuppern und über Wald, Felder und Flur gucken.


Und dahaaaann überwindet man die 300 Meter Luftlinie und ist - ZACK - auf der Halde Schwerin. Dort kann man dann mal testen, ob das mit der Sonnenuhr wirklich alles so seine Richtigkeit hat. Aber davon berichte ich ein Andermal.


Halt...eins noch: Castrop-Rauxel ist echt einen Ausflug wert. Da gibbet nicht nur einen Ring, um die Einwohner zu knechten und eine Sonnenuhr, um die Zeit zu kontrollieren, sondern auch noch die Zeche Erin, die - mit ein wenig Phantasie - inmitten einer Dünenlandschaft liegt. Kann man also getrost mal rumerzählen: Im Pott hamwa auch Dünen. Ha!


Merke: Auch auf der Halde Hoheward isset wie am Meer. Nur ohne Meer.

Blitzgeschichten aus Bochum. Oder: Juli im September-Schnee!

22. September 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, gestern hat et in Bochum geschneit. Und ich war dabei. Mit anderen Worten: Juli im September im Dezemberschnee. Klingt komisch? War es auch. Aber auch ganz schön toll.


Lasst mich kurz ausholen: Drei junge Menschen ausm Pott (na gut, einer ist zugezogen, aber das wollen wa ma nicht so eng sehen) haben eine Kreativagentur gegründet. Diese Agentur heißt "Frei nach vorn" und die drei jungen Menschen heißen Meike, Philipp und Ansgar.


Frei nach dem Motto "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Leben direkt vor der Haustür beginnt?" sagen diese Herrschaften (ich zitiere):
"Wir finden, dass hier im Pott genug Geschichten erzählt werden, die genauso gut und ehrlich sind wie auch woanders. Man muss nicht reisen, um Besonderes zwischen dem Klingeln des Weckers und dem Wieder-pennen-gehen zu erleben. Man muss nicht ins Kino, um tolle Typen zu sehen oder zu hören. Es reicht ein Schritt vor die Haustür."
So. Das ist schomma ne ziemlich töffte Einstellung. (Mein Rechtschreibprogramm wehrt sich massiv gegen das Wort "töffte". Finde ich nicht in Ordnung.) Und passend zu dieser Einstellung haben sich Meike, Philipp und Ansgar ein sehr, sehr grandioses Projekt überlegt: Blitzgeschichten.

Hinter diesem Titel steckt ein Fotokalender. Nein. Besser: Ein RUHRPOTT-Fotokalender, der wirklich seinesgleichen sucht. Auf 12 Kalenderblättern wollen sie mit 12 unterschiedlichsten Motiven den guten, alten Pott zeigen, mit oder in dem sie aufgewachsen sind: ein bisschen verschroben, herzlich und echt. Eigentlich setzen sie mit ihren Bildern genau das um, was ich mit meinem extra für den Ruhrpott kreierten Begriff "Herzensschmodder" meine. Also versteht sich quasi von selbst, dass ich mich mit dem ersten Blick auf ihre Webseite direkt in die Blitzgeschichten-Idee verknallt habe...


Genau wie ich haben die Drei am "echten" Ruhrpott Spaß und pfeifen auf Neubauten, Schickimicki-Touri-Hochglanz-Ecken oder Werbepeitschen-Promo-Kommerz-Gedöns. Aber weil es eben immer so ist, dass alles Neue das Alte zunehmend verdrängt, haben sie es sich für ihren Kalender zum Ziel gemacht, den Pott am Beispiel von Bochum so zu zeigen wie sie ihn (noch) fühlen. Soll heißen: Jedes Kalenderblatt erzählt eine kleine Bochumer Geschichte. Eine Geschichte vonne Bude, vonner Eckkneipe oder vom Fussekplatz...zum Beispiel. Mit ganz viel Liebe zum Detail siedeln sie ihre Bilder in den 70er und 80er Jahren an und rücken typische Pottköppe und Opelfahrzeuge in den Mittelpunkt ihrer Inszenierungen. Jedes Bild zeigt einen anderen Opel und keins dieser Fahrzeuge darf nach den 80er-Jahren vom Band gegangen sein.


So. Und gestern haben sie es schneien lassen...mitten in Bochum umme Ecke vom Tippelsberg in einem kleinen Hinterhof.


100 Kubikmeter Schnee, ein alter Opel, ein Plastiktannenbäumchen und ein Mechaniker, der sich wie Bolle über den Reim "Ich hab keine Panik mehr, ich hab jetzt n Mechanikeeer" freut. Nein, stimmt gar nicht. In Wahrheit wurde dieser Mechaniker pünktlich zu Weihnachten von seiner "Alten" verlassen und was macht er dann schön zu Heiligabend? Genau: Er schraubt an seiner Karre rum...mit Tannenbäumchen, Schnee und einer fetten Portion Weihnachtsfrust, der ihm angemessen ins Gesicht geschrieben steht.


Also: Schnee, Schlitten, Schneeschaufel, Mama, Papa, Mechaniker, Nachbarn...und ich mittendrin. So durfte ich zum ersten Mal miterleben wie ein professionelles Fotoshooting eigentlich abläuft. Ich sag mal so: Da kam ich mir mit meiner kleinen Pimpf-Kamera und mit "keine Ahnung von nix" schon ein bisskn belämmert vor. War aber nicht schlimm, denn Meike, Philipp und Ansgar waren so nett, entspannt und herzlich, dass ich mich trotzdem sofort verdammt wohl gefühlt habe. Trotzdem graut es mir ein wenig davor, wenn sie meine Fotos in diesem Post in Augenschein nehmen. Aber vielleicht haben sie ja Mitleid und geben mir Nachhilfe in "besser fotografieren"?!

Jedenfalls war das Bild ziemlich zackig im Kasten und wird bald das Dezemberblatt des Blitzgeschichten-Kalenders zieren. Bald? Genau. Ab November wird es den Kalender nämlich zu kaufen geben, damit er im neuen Jahr auch an möglichst vielen Wänden prangen kann. (Ich sag nur "Christkind", ne?!)

Das gesamte Projekt hat die Frei-nach-vorn-Bande übrigens per Crowdfunding gestemmt. Mit anderen Worten: Der Kalender finanziert sich über im Vorfeld gesammelte Spenden und ich freue mich riesig für die Drei, dass sie genug Geld zusammenbekommen haben, um ihre tolle Idee tatsächlich umzusetzen.


Ende des Monats darf ich übrigens nicht nur bei der Erstellung eines weiteren Kalenderblatts dabei sein...ich darf sogar mitmachen und als 80er-Jahre-Uschi vor der Kamera posen. Ich seh mich schon mit so ner typischen Asi-Palme aufm Kopf vor ner Eckkneipe rumstehen...das wird großartig-bekloppt!

Jedenfalls kriege ich im Zuge der Vorbereitungen für das Motiv auch mit, welch immensen Aufwand Meike, Philipp und Ansgar für jedes einzelne Bild betreiben. Solche Gedanken macht man sich ja als Außenstehender eigentlich eher nicht. Man denkt nur "Och, cool", wenn einem was gefällt. Aber dass da Technik, Outfits, Deko, Schminke, Frisuren, Licht und was weiß ich noch alles bis ins kleinste Detail geplant, beschafft und an den Mann oder die Frau gebraucht werden müssen...das nimmt man natürlich gar nicht wahr. So ein Shooting macht man auch nicht mal einfach eben irgendwo. Man muss Genehmigungen einholen, Absperrgebühren zahlen und so weiter und so fort. Also ganz schön viel Aufwand und es war einfach nur toll zu sehen, mit wie viel Spaß inne Backen das Team bei der Sache war. Da war keiner genervt, gestresst oder angesickt. Ganz im Gegenteil: Wir standen da Allemann im tiefsten (naja) Schnee bei Bombenstimmung und ich hab ehrlich gesagt die ganze Zeit darauf gewartet, dass ich endlich einen Schneeengel machen kann.


Konnte ich dann auch. Und den Kunstschnee werde ich mir wahrscheinlich noch 3 Wochen lang aus Haaren und Klamotten pulen. Aber das war der Spaß allemal wert.


So. Ich finde, das ist ne Kiste, von der Ihr gehört haben solltet. Drei junge Menschen, die den guten, alten Pott mit einem Kalender ehren, in dem ganz, ganz viel Liebe zum Detail und zur Heimat steckt. Und wenn der Kalender draußen ist, sag ich nomma Bescheid und werde ein paar Exemplare verlosen. Und falls Ihr im Dezember auf der Suche nach einem schnieken Weihnachtsgeschenk für Pottfreunde sein solltet...die Fährte sei hiermit gelegt!

Ach...und falls Ihr Lust habt, selbst Teil des Blitzgeschichten-Kalenders zu sein: Es werden noch Leute gesucht...und zwar für das Fussball-Motiv auf Rot-Weiß-Wattenscheid (Termin: 3.10. nachmittags). Ebenfalls gesucht wird noch eine türkische Familie (Vatter, Mutter, Kind1 & Kind 2), die im 70er-Jahre-Motiv "auf Reise" gehen soll...schön mit gepackten Köfferchen am Opel.

Außerdem wird für die kommende Woche noch händeringend nach zwei Autos fahndet! Kennt Ihr jemanden, der einen Manta A oder einen Kadett A beherbergt?! Oder habt Ihr selbst so ein tolles Möhrchen in der Garage stehen? Dann gebt Eurem Pottherz einen Ruck und stellt die Karre für ein Shooting zur Verfügung. Mit den Autos wird umgegangen wie mit rohen Eiern. Hab ich live miterlebt ("GEH MIT DEM SCHNEE VOM AUTO WECH!").

Also...falls Ihr Interesse ooooder die richtigen Autos ooooder Tipps habt, meldet Euch gerne bei Meike unter meike[ät]freinachvorn[punkt]de und ich verspreche Euch ein lustiges, spannendes Erlebnis mit super sympathischen Leuten. Und im Dezember sagt Ihr dann zum Oppa: "Kumma, hier...da bin ich...in Deinem neuen Kalender!".

Merke I: Tolle, tolle Frei-nach-vorn-Bande. Echt jetzt!
Schenkt Ihnen auf Facebook domma ein Like. Hamse verdient.

Merke II: Die guten Fotos in diesem Post hat Ansgar gemacht.
Die nicht so guten stammen von mir. Klar.

Empfehlungsserie: Was tun in Essen? Teil 1: "Restaurants & Cafés"

17. September 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, es gibt eine Frage, die mich immer und immer wieder ereilt:

"Hömma, was kann man denn so Schönes in Essen unternehmen, wenn man für ein Wochenende da ist?! Haste vielleicht Tipps für Unternehmungen zwischen Natur und Kultur, für lecker Essen und schöne Geschäfte?"

...und ich antworte mir immer voll den Wolf. Nach zig Wölfen hab ich mir nun gedacht, dass ich zu der Frage einfach mal eine Serie mit einem ganzen Wolfsrudel an Tipps raushaue. Dann kann ich künftig einfach antworten: "Kumma da!" und den entsprechenden Link versenden. Also, ohne große Umschweife...ach nee, doch nicht, ein Hinweis noch: Ich bin ja kein großer Freund von 08/15-Kommerz-Gedöns oder irgendwelchen Gastro-Ketten, die es ohnehin in jeder größeren Stadt mit den immer gleichen Fingerfood- und Burgerangeboten auffe Karte gibt. Deshalb findet Ihr im Zuge dieser Serie also eher Empfehlungen jenseits des (meiner Meinung nach) langweiligen Mainstreams. Ich mag es kleiner, ausgefallener, kreativer und mit etwas mehr Herz und Hirn und breche hiermit wie immer gerne eine Lanze für kleine Einzelhändler und Nicht-Ketten-Gastronomiebetriebe. Für alle, die an sowas keine Freude haben: Geht einfach in die Innenstadt...da gibbet natürlich auch ganz viel 08/15-Kommerz. Jeder wie er will, ne?!


Heute starte ich mit schönen Restaurants und Cafés und falls Ihr meine Tipps mit einem Kommentar ergänzen wollt: GERNE! Sicherlich gibt es noch einige weitere besondere Orte die ich (noch) nicht oder nur vom Hören-Sagen kenne. Also lasst uns unsere Lieblingstipps doch einfach mischen bzw. tauschen?! Also...los geht's mit: lecker Essen in Essen!

Café Livres
[Südviertel, Moltkestraße 2a]
Das Café Livres ist für mich eindeutig eins der schönsten Cafés im ganzen Ruhrgebiet. Es liegt an einer stark befahrenen Kreuzung im Südviertel, die Straßenbahn poltert ständig an der komplett verglasten Front des Ladens entlang und trotzdem sitzt man im Livres wie in einer kleinen, hellen und urbanen Oase. Ein riesiges und wild bestücktes Bücherregal lädt zum Stöbern ein, das Mobiliar stammt aus der Vintage-Liga, die Küche bietet täglich wechselnde Gerichte, tolle Kuchen, leckere Salate und schöne Quiches und ist schwerpunktmäßig im vegetarischen Lager beheimatet. Das Publikum ist stets bunt gemischt von der süßen Omma bis zum Hipster. Ich wüsste nicht wo ich mich in Essen lieber auf ein Käffchen treffen würde. In den Abendstunden finden häufig Konzerte, Lesungen oder andere kleine Events statt - alles für umme und am Ende geht ein Hut rum. Ein wirklich schöner, besonderer Ort mit ganz viel liebevollem Charme.

Tofino
[Südviertel, Witteringstraße 99]
Das Tofino ist meiner Meinung nach Essens erste und beste Burgeradresse. Achtung: Der Laden nimmt keine Reservierungen an und ist klitzeklein, so dass man nicht immer unbedingt einen Tisch ergattern kann, aber es lohnt sich, zu warten. Die Burgerkreationen sind ausgefallen und jeden Monat gibt es einen anderen saisonal ausgerichteten Spezialburger. Zu den Pommes gibbet tolle Sößkes, es läuft immer schöne Musik und wenn man Glück hat, kann man seinen Burger auf dem gemütlichen Sofa mit Blick auf das Treiben auf der Straße futtern. Fühlt sich ein bisschen an wie zu Hause...inklusive Leutekino. (Meinen ausführlichen Blogpost über das Tofino findet Ihr HIER.)

Viertelliebe
[Südviertel, Hildegardstraße 1]
Die Viertelliebe liegt mir besonders am Herzen. Ich kenne keinen anderen Laden in Essen, der mir ein vergleichbares "hausgemacht"-Gefühl vermitteln könnte. Es gibt tolle Currys, ausgefallene Kuchen, leckere Kniften und Einiges, was einen "wie bei Muttern" denken lässt. Und vor allem sind die Inhaber einfach echte Herzchen, die nicht einfach nur eine Gastronomie betreiben, sondern wirklich gerne "Menschen empfangen". Das klingt komisch, ich weiß. Conny und ihr Mann servieren nicht nur leckeres Essen, sondern auch eine Prise "Zu Hause"-Gefühl. Wann immer ich dort bin, mischen sie sich unter ihre Gäste und teilen Tisch, Kuchen und liebe Worte mit ihnen. Einmal war ich spätabends dort und brachte großen Hunger mit. Alle Restaurants und Imbissbuden hatten bereits die Schotten dicht gemacht. Auch die Küche der Viertelliebe war eigentlich geschlossen. Aber als ich "Huuuuunger, Huuuuunger!" verlauten ließ, ging der Cheffe mit den Worten "Ach komm, ich mach Euch ne Lasagne" in die Küche. Wie toll ist das denn, bitte?! Die Viertelliebe ist auch ein Ort der Musik. Es finden regelmäßig kleine Veranstaltungen und Jam-Sessions statt.

Zodiac 
[Rüttenscheid, Witteringstraße 41 & 43]
Das Zodiac ist wirklich ein ganz spezielles Restaurant. Leider habe ich dort nie anständige Fotos gemacht. Hier steht alles unter dem Motto "bio, vegetarisch, vegan und vollkorn". Man sitzt inmitten eines Dschungels aus Pflanzen und Lampions und der Service ist richtig, richtig herzlich. Hier nimmt man sich für den Gast Zeit und erklärt auch gerne dies und das mit Blick auf die Speisekarte angesichts der unterschiedlichen und teilweise recht fremden Gerichte aus 12 Ländern. Lustig finde ich die Sternzeichen-Pizzen! Ja, im Ernst...man kann hier wirklich seine passende Sternzeichen-Pizza bestellen. Ich glaub ja nicht an diesen ganzen Astrologiekram, aber lustig finde ich das trotzdem. Selbstverständlich kann man aber auch als Wassermann ne Waage-Pizza ordern. Ausgehend von den 12 Sternzeichen dreht sich im Zodiac übrigens alles um die 12. 12 Tische, Gerichte aus 12 Ländern, die 12 findet sich gleich 2x in der Telefonnummer des Ladens, der übrigens tatsächlich am 12.12. Eröffnung feierte. Tut natürlich nicht wirklich was zur Sache, ist aber irgendwie ein bisschen charmant-verrückt.

Sattgrün
[Innenstadt, Rathenaustraße 2 / Hirschlandplatz / Theaterpassage]
Das Sattgrün ist ein rein vegetarisches, zum Teil auch veganes Buffet-Restaurant. Nun mag man "Pffff...Buffet?!" denken wollen, aber HALT! Ich hab mich echt noch nie durch ein SO leckeres und abwechslungsreiches Buffet gefuttert. Das Angebot kann wirklich was und beweist: Vegetarische bzw. vegane Küche ist weder langweilig noch einseitig. Der Laden ist in der City direkt neben dem Trendschuppen Vapiano gelegen und ich kann nur jedem empfehlen: Lasst den V-Laden links liegen und geht ins Sattgrün, wenn Ihr in der Innenstadt lecker essen wollt! Dort gibt auch es SAGENHAFTEN Kuchen...so riiiichtig schön kletschig.

Fünfmädelhaus
[Stoppenberg, Hugenkamp 35]
Das Fünfmädelhaus ist ein echter Knüller. Es liegt umme Ecke von Zollverein und ist somit wunderbar mit einem Besuch des UNESCO-Welterbes zu verbinden, denn auch thematisch passt diese Location hervorragend, da es sich sowohl durch das Speisenangebot als auch durch die Einrichtung im Bergbaukontext bewegt. Man sitzt dort wie früher "inne Wirtschaft". Die Servietten kommen im Grubentuch-Look daher, man kann schwarzes Kohlebrot oder Ruhrpott-Tapas futtern und die Gerichte tragen lustige Namen wie "Pillepup" oder "Scharfer Obersteiger". Dieses Restaurant hat seinen Ursprung in den 30er Jahren und befindet sich bis heute in Familienbesitz. Es wird lustiger Ruhrpott-Killefitt verkauft, manchmal greift jemand zur Gitarre und schmettert einfach los und an lauter Pottschnauze kommt hier keiner vorbei. Mehr Ruhrpott geht nicht! (HIER habe ich ausführlich über das Fünfmädelhaus geschrieben.)

Tatort
[Rüttenscheid, Rüttenscheider Straße 182]
Das Tatort-Restaurant habe ich vor ein paar Jahren mal spontan zu meinem Lieblingslokal des Jahres gekürt...einfach weil das Essen eeeecht Bombe war! Die Speisekarte ist kreativ und saisonal orientiert und ich habe diesen Laden schon mal einem Pärchen zum Hochzeitstagsessen empfohlen...die Beiden waren begeistert. Die Speisekarte ist handgeschrieben und an ein rustikales Klemmbrett geheftet. Ich mag solche Details. Und noch ein schönes Tatort-Detail: An einigen Tischen sitzt man auf Kissen, die sich mit lustigen Dackeln oder Flamingos zieren. Feinste Küche aufm Teller und den Hintern aufm Dackelkissen. Find ich gut. Ach so...manchmal finden im Tatort auch Ausstellungen statt. Man sitzt also zwischen Kunst. Kann ja auch nicht schaden, ne?! (HIER entlang zum ausführlichen Blogpost.)

Haus am See
[zwischen Werden und Fischlaken am Baldeneysee, Harnscheidts Höfe 1]
Das Haus am See ist ein Spezialkandidat. Vor Jahren habe ich nach meinem ersten Besuch dort darüber geschrieben, die Location hoch gelobt, aber den Service und das Preis-Leistungs-Verhältnis bemängelt. ABER: Das Haus am See ist eine SO tolle Location, dass mir der Rest sogar egal ist. Ich gehe immer, immer wieder gerne hin, weil ich hier im Pott einfach nichts Vergleichbares kenne. Direkt am Baldeneysee gelegen bietet der wirklich ausgefallen kreativ gestaltete Gartenbereich einen super Ausblick, aber es kommt noch besser: Im Garten stehen selbst gebaute Holzschaukeln, auf denen man mit mehreren Personen liegen kann. Stellt Euch also vor: Ihr liegt da schön auf Schafsfellen und Kissen gebettet mit einem Bierchen oder Weinchen oder einer heißen Schokolade, schaukelt langsam vor Euch hin, starrt in den Sonnenuntergang überm See und kriegt, wenn Ihr Glück habt, auch noch was Leckeres vom Grill. Das Glück hatte ich noch nie, weil immer wenn ich da bin, nicht gegrillt wird. Das scheint aber mein persönliches Schicksal zu sein. Jedenfalls finde ich die Aufmachung und Atmosphäre dort SO toll, dass ich gerne hingehe, um etwas zu trinken und um - wie immer - auf ne Grillwurst oder so zu hoffen. Ja, es ist mein Ernst: Es gibt Locations, bei denen sind mir Service und Futter sogar egal...wenn der Rest SO TOLL ist wie im Haus am See. Einen Besuch dort kann man übrigens wunderbar mit einem schönen Spaziergang am Wasser entlang verbinden. Einfach bei Haus Scheppen parken und loslaufen. Irgendwann ist man dann da und muckelt sich in den Garten. HACH!

In Sachen Sushi: Sushi Haus & Red Sun
[Rüttenscheid, Wegener Straße 1 & Rüttenscheider Straße 126]
Vor einem Jahr bin ich mal durch das ganze Ruhrgebiet getigert und habe mich durch sämtliche Sushi-Läden gefuttert. Deshalb halte ich mich hierbei natüüürlich für einen regionalen Experten. Und der Experte sagt: Geiles Sushi gibbet im Sushi Haus und bei Red Sun. Mehr habe ich dazu eigentlich nicht zu sagen, außer: Im Sushi Haus isset immer brechend voll und man sitzt recht beengt. Hier sind auch die japanischen Maultaschen ein Gedicht! Im Red Sun ist es deutlich ruhiger und stylischer. Zwar gibt es in beiden Lokalen tolles Suhsi, aber die Locations an sich könnten kaum unterschiedlicher sein.

In Sachen Eis: Kika's & Sorelli's
[Werden: Werdener Markt 2 & Brückstraße 7 / Rüttenscheid: Rüttenscheider Straße 229]
Das Kika's und das Sorelli's sind meine liebsten Eisdielen in Essen. Beide sind in Essen-Werden in direkter Ruhrnähe angesiedelt, allerdings hat das Sorelli's nun eine zweite Filiale in Rüttenscheid aufgemacht. Konzentrieren wir uns aber mal auf Werden, denn der Stadtteil ist ohnehin einen Ausflug wert. Fachwerkhäuschen und kleine Geschäftchen laden zum eher ruhrpottuntypischem Bummel ein und bei schönem Wetter kann man sich auch schön anne Ruhr setzen oder mit nem Tretboot lostuckern. Während das Sorelli's mit dem schöneren Mobiliar und zusätzlich zum Eis mit Frozen Yoghurt aufwartet, punktet das Kika's bei mir mit seinen Thermobechern. Mache ich total gerne: Ab mit dem Spaghettieis in einen Thermobecher und dann runter zur Ruhr. So kann man eisessender Weise Tretboot fahren, ohne dass alles schon geschmolzen wäre ehe man überhaupt nur im Bötchen sitzt.

Kokerei Café
[Stoppenberg, Arendahls Wiese 3]
Das Zollverein-Gelände unterteilt sich in zwei Bereiche: Zeche Zollverein und Kokerei Zollverein. Die meisten Besucher stromern wahrscheinlich nur auf dem vorderen Zollverein-Gelände herum, aber eigentlich ist der weiter hinten gelegene Kokerei-Bereich viel spannender, weil es viel mehr zu sehen gibt. UND weil dort das Kokerei Café zu finden ist, das bei mir mit seinen Waffeln ordentlich Eindruck hinterlassen hat. Richtig, richtig dicke Waffeln...mit Blütenstaub oder heißen Kirschen. Echt ganz was Feines. In den Sommerferien ergibt sich, wenn man im Außenbereich sitzt, eine Art Freibad-Atmosphäre. Klingt doof? Ist es aber nicht, denn Freibad-Atmosphäre ist durchaus genehm, wenn es sich um ein altes Werksschwimmbad handelt, das inmitten dieses sagenhaften Industrie-Charme-Tempels einfach nur abgefahren wirkt. Und wer Lust hat, kann natürlich selbst nen Köpper ins Wasser machen. Im Dezember hingegen gibbet ein anderes Highlight: eine 150 Meter lange Eislaufbahn, auf der man vor der alten Koksmischbatterie galant herumgleiten kann. Für Kinder gibbet dann übrigens kleine Pinguine als Laufhilfe...ähnlich einem Rollator...nur mit Kufen und in klein. Jedenfalls hat man vom Kokerei Café, in dem es übrigens auch herzhafte Speisen gibt, einen tollen Blick auf die Bahn und das sagenhafte Sonnenrad. Kulisse, Kulisse, Kulisse! Ach so...und im Winter hab ich da mal bei nem schön heißen Süppchen ne Runde Backgammon gespielt...hat auch was.

Arabesque
[Südviertel, Rellinghauser Straße 117]
Ein Ausflug nach Arabien ohne Reisekosten?! Dann bitte hier entlang! Die Räumlichkeiten im Arabesque sind im orientalischen Stil gestaltet und die Speisekarte bietet eine sagenhafte Auswahl an Köstlichkeiten. Mein Favorit: Die kleinen Vorspeisentellerchen! Man kann sich bis zu 40 verschiedene (!) Mini-Tellerchen kommen lassen. Dazu wird spezielles Brot serviert, dessen Name mir grad nicht einfallen will. Ein Tellerchen kostet einen Euro. Man bestellt halt so viel wie man ausgeben möchte und wenn man zu zweit 20 Tellerchen futtert, braucht es eigentlich kaum noch ein Hauptgericht. Die Speisen auf den Tellern kommen teilweise in den verrücktesten Farben daher und sind nicht nur die Futterei, sondern auch auf jeden Fall ein Foto wert! Wann kann man schon mal für so kleines Geld so viel durcheinander probieren?! Nicht nur lecker, sondern auch spannend und unterhaltsam.

Hugenpöttchen
[Kettwig, August-Thyssen-Straße 51]
Jetzt mal ein Tipp für fein! Essen gehen aufm Schloss! Und zwar auf Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig. Kettwig mag einer der malerischsten Stadtteile Essens sein und mir persönlich ist allein schon die Fahrt zum Schloss eine Freude, weil man einfach so eine tolle Aussicht auf die Ruhr hat. Im Hugenpöttchen gibt es gehobene, gutbürgerliche Küche mit Pfiff...wie man so schön sagt. Trotz des feinen Ambientes hat dort keiner einen Stock im Popo und an warmen Abenden kann man toll auf der Terrasse mit Blick auf den Schlosspark dinieren. Die Preise sind in Anbetracht der stilvollen Location moderat und ich persönlich bin ein großer Fan vom Hirschburger nebst Süßkartoffeln und vom Thunfisch-Sushimi. Allerdings weiß ich nicht, ob es sich dabei um Standardgerichte auf der Karte handelt. Im Hugenpöttchen kann man auch frühstücken. Wer sich dafür entscheidet, sollte keinenfalls das grandiose Ei Benedict verschmähen. (Meinen Blogpost über das Schlosshotel und das Restaurant findet Ihr HIER.)

Le Chat Noir
[Rüttenscheid, Birgittastraße 22]
Das Le Chat Noir nennt sich selbst "Weinlokal und Bistro". Es liegt auf einer der Seitenstraßen Rüttenscheids. Bei der schwatten Katze handelt sich um ein rustikales, französisches Restaurant ohne Schischi, wenn man vom E.T.-Gemälde und so manch anderem Bild mit bolligem Goldkettchen drumherum mal absieht. Aber das ist ja auch ziemlich cooler Schischi-Kram. Man sitzt bei Kerzenschein an Holztischen, auf denen immer brauner Zucker steht. Ich sage es immer wieder gern: Läden mit braunem Zucker sind gute Läden. Ich esse dort am liebsten einen der großen Salate...die sind wirklich, wirklich toll. Auch toll: Zum Brot gibt es wechselnde, selbstkreierte Buttersorten. Meine Güte...hab ich da schon tolle Butter gegessen...und ich mag eigentlich gar keine Butter. Kleiner Hinweis: Auch wenn die Vorstellung eines französischen Weinlokals eher nach einem ruhigeren Ort klingt...es kann dort manchmal auch ganz schön laut sein, weil die Räumlichkeiten recht klein sind und die Tische sehr nah beieinander stehen. Manchmal will man ja lieber etwas mehr "für sich" sitzen. (Einen schönen Blogpost-Einblick in das Lokal gebe ich HIER.)

Landgasthaus Brandenburg
[Burgaltendorf, Kirchstraße 67]
Machen wa uns nix vor: Besonders schön isset im Landgasthaus Brandenburg nicht. Es fällt eher in die "Wirtschaft"-Kategorie und wirkt wirklich ein bisschen überholungsbedürftig. Aber. ABER! Dort wohnt das ehrenwerte Schnitzelparadies! Es gibt dort Schnitzel, von denen man noch Monate später träumt. Ihr seht die zwei Platten dort oben auf dem Foto? Dabei handelt es sich um 2x "Schnitzel-Potpourri" zu schlappen 15€. Unter allen Schnitzelvariationen kann man sich 3 kleine (HAHA!) Schnitzel aussuchen und hat dann auch noch die freie Beilagenwahl. Wer also nix so gut kann wie essen, MUSS DA MAL HIN! Außerdem kann man bei schönem Wetter draußen sitzen und eventuell einen tollen, ländlichen Sonnenuntergang sowie hungrige Igel beobachten. Das macht mit lecker Schnitzel im Bauch unter Umständen eh viel mehr Spaß, als in irgendeinem aufgestylten Schuppen zu hocken...finde ich zumindest.

Feddich.

So. Natürlich gibt es noch viele weitere tolle, leckere und schöne Restaurants, aber so ist das eben mit Empfehlungen...irgendeine Wahl muss man halt treffen. Wer es rosa und etwas "szenig" mag, dem sei auch noch das Zucca auf der Rü ans Herz gelegt. Mein Fall isset in Sachen Optik und Publikum nicht, aber die Gorgonzola-Pasta mit Walnüssen dort ist der Knaller. Außerdem habe ich da mal die leckersten Muscheln meines Lebens gegessen. Dann verkrafte ich sogar mal rosafarbene Wände.

Empfehlen möchte ich auch noch das Restaurant Seitenblick. Das steht nur oben nicht bei, weil ich dort tatsächlich noch nie auch nur ein einziges Foto gemacht habe. Das Seitenblick liegt mitten in der Innenstadt und ist meine erste Adresse für "lecker Frühstück". Aber auch in den Abendstunden wird hier Feines serviert. Ganz besonders sind mir die tollen Flammkuchen in Erinnerung geblieben, die auf riesigen Holzbrettchen kredenzt werden. In den Abendstunden ist es im Lokal etwas schummerig. Das finde ich teilweise ein bisschen anstrengend für die Augen, aber es hat definitiv auch etwas Romantisches. Außerdem handelt es sich hierbei um ein "anständiges" Restaurant, in das man gut mit Mama und Papa oder Omma und Oppa gehen kann...und dafür ist ja auch nicht jedes Lokal geeignet, ne?

So. Jetzt reichts aber wirklich! Wie gesagt: Das hier wird ne Serie und ich werde versuchen, in nächster Zeit pro Woche jeweils eine Kategorie rauszuhauen. Es werden folgen: Kneipen & Biergärten -  (Industrie)Kultur & Natur - Shoppen - Mal was ganz Anderes - Übernachtungsmöglichkeiten.

Wisster Bescheid. In diesem Sinne: Gerne her mit EUREN Tipps in Sachen Restaurants und Cafés und viel Spaß in Essen (beim Essen).

Merke: Ein Herz für Nicht-Ketten-Gastronomie!

Liebling des Monats: Café Kalinka - Kaffee und Kram

10. September 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, am Wochenende unternehme ich ja gerne mal was mit meinem Lieblingskumpel Julius. Das läuft dann meistens so:

Ich so: "Tach. Watt machst Du heute?"
Julius so: "Tach. Einkaufen. Putzen."
Ich so: "Und sonst so?"
Julius: "Weiß ich noch nicht."
Ich so: "Sollen wa was zusammen machen?"
Julius so: "Okay."
Ich so: "Was denn?"
Julius so: "Hm. Keine Ahnung."

Aber letztens hat Julius erfrischender Weise mal nicht "Hm. Keine Ahnung", sondern "Musst Du nicht mal wieder in irgendein Hipstercafé, um darüber zu bloggen?" geantwortet. Und ich so: "Jo."

Also habe ich online nach irgendeinem "Hipstercafé" fahndet, eins gefunden und dann zackig den Julius eingekarrt, um das Bochumer Kalinka zu inspizieren.


Nun sach ich et direkt: Das Kalinka ist alles Mögliche, aber ganz bestimmt kein 08/15-Hipstercafé, das irgendwelche Trendklischees bedient oder auf hippen Hypezügen mitfährt, nur um mit angesagten Chia-Samen oder so um sich zu werfen. Das Kalinka ist was Besonderes!


Vorm Kalinka stehen Pflanzen. In Kochtöpfen. Vorm Kalinka steht ein Wegweiser auf dem Bürgersteig. Aus Kreide. Vorm Kalinka steht ein Chilibusch (oder so) und ein riesiger Porzellanköter. Vorm Kalinka wohnt Grünzeug in Schubladen und Holzkisten. Vorm Kalinka stehen Stühle mit Herzchenpolster und ein Schild, das "Alles hausgemacht" verspricht.


Mit anderen Worten: Ich hatte noch gar keinen Fuß in das Café gesetzt und war schon hin und weg. Also nix wie rein da und erst mal wie ein bekloppter Hoppelhase mit der Kamera von rechts nach links und wieder zurück gerannt. Ich hab mich vor Begeisterung echt nicht mehr eingekriegt. Und das meine ich genau so wie ich es sage. Ich war wirklich schon richtig, richtig lange nicht mehr von einem Café, einem Restaurant oder einer anderen Location derart "geflasht".


Das Kalinka nennt sich nicht umsonst im Untertitel "Kaffee & Kram", denn dort gibbet Kram...und zwar aus den Kategorien "Ha, das hatte ich auch...damals", "Ohhh...das stand bei meiner Omma!" und "Boah, ist das SCHÖN!". Liebhaberkram eben. Nix vonne Stange, sondern alles mit einem guten Auge für besondere Schätzekens gesucht, gefunden, gesammelt und zusammengewürfelt. Und diesen Liebhaberkram kann man kaufen.


Man macht es sich also an einem der Tische oder in einer der Sofa- bzw. Sesseleckchen gemütlich, bestellt etwas und könnte sich, wenn man wollte, gleichzeitig oder im Anschluss an den Verzehr selbst das Sitzmöbel unterm Hintern wegkaufen. Oder einen Pflanzenpott mit nach Hause nehmen. Oder irgendetwas Anderes, was dort so rumsteht und einem "Nimm mich miiiiiit!" zuruft.


Überall findet sich neben ausgewählten Möbeln vergangener Tage schönster Killefitt in Regalen oder Vitrinen, auf Tischchen oder Höckerchen. Man kommt sich ein bisskn vor wie in nem Wunderland...es sei denn das eigene Herzchen schlägt nur für Blingbling und Kommerzgedöns. Seht Ihr den kleinen Spielzeughund in der zartblauen Vitrine? Den hatte ich früher auch. Der hatte so lustige Ohren...

So. Wie gesagt: Ich so...Spontanflash. Aber eine anständige Café-Inspektion verlangt ja nach lecker Essen und Trinken und einem Gespräch mit den Machern dieses Wunderlands. Also haben wir erst mal etwas bestellt. In die Karte gucken kann ja jeder, ich frag bei solchen Gelegenheiten lieber einfach "Watt gibbet denn hier so?" und lasse mir etwas empfehlen, denn sonst suche ich mir aus der Karte ja eh nur wieder irgendetwas raus, was ich schon 1000x woanders gegessen oder getrunken habe. Macht der Gewohnheit. Langweilig.

Von der Inhaberin Sophie bekam ich einen Kaffeekirschtee namens Cascara ans Herz gelegt. Kaffee? Ich mag gar keinen Kaffee! "Schmeckt aber ganz anders", sagt Sophie. Na dann...her damit. Bester Beweis: Hätte ich mir im Leben nicht selbst ausgesucht und bin dann tatsächlich schon mit dem ersten Schluck mehr als angetan...


Ein RIESENbottich eiskalter Tee mit Strohhalmlöffel und Eiswürfeln wird mir kredenzt und ich mag dieses Cascaradings eigentlich sogar schon VOR dem ersten Schluck...allein schon wegen des Bottichs und dem coolen Stohhalmlöffel. Aber ich bin ja gerne Opfer liebevoller Details.


Zucker in schönen Döschen, Porzellan mit Goldrand, Beeren aufm Kuchen, ein Keyboard aufm Tisch (soooo ein schöööööner Tisch!) und Instrumente anne Wand...


Julius und ich sitzen da also, naja...Julius sitzt da und ich renne rum, und dabei können wir durch eine Flügeltür Sophie beobachten, die in der Küche rumfuhrwerkt. Und irgendwie kommen wir ins Gespräch.


Dieses Gespräch hängt mir nach. Weil es mich unheimlich beeindruckt hat. Sophie hat mich beeindruckt. Und ich sage Euch warum:

Sophie ist 21 Jahre alt und hat mehr Bums in Herz und Birne als ich mit 37. Sophie macht. Und macht und macht. Und während sie so erzählt habe ich das Gefühl sie macht ALLES. Alles, was sie sich vornimmt. Und vorgenommen hat sie sich ne Menge, denn schon im Alter von 8 Jahren hat sie eine Liste erstellt, auf der sie große und kleine Lebensträume sammelte. "Ein Café eröffnen" war einer dieser Lebensträume. Zwar sieht der Ursprungstraum eine Art integratives Hofcafé vor, aber so wie ich Sophie einschätze, kriegt sie das mit dem Hof auch noch irgendwann gewuppt.


Sophie betreibt das Kalinka übrigens nicht allein, sondern gemeinsam mit ihrem Freund Sergey. Die Beiden hatten vor ein paar Monaten das leerstehende Ladenlokal im Bochumer Hellweg entdeckt, es besichtigt, sich "Och, joaaa...ganz nett" gedacht und sind dann erst mal ne Weile in den Urlaub gefahren. Sacken lassen und so. Als sie aus den Urlaub zurückkamen und das Ladenlokal noch immer frei war, haben sie zugeschlagen. Wie entspannt kann man bitte sein?! "Geiles Ladenlokal...total geeignet...och...erst mal Urlaub...dann nomma gucken." Find ich super. Sich einfach mal darauf verlassen, dass das, was passt, schon passieren wird.


Dass es Möbel im Kalinka zu kaufen geben soll, war von Anfang an Teil der Idee, denn Sophie und Sergey haben bereits in der Vergangenheit schöne Schätzchen gesammelt, aufgearbeitet und aus der gemeinsamen Wohnung heraus verkauft. Nur irgendwann waren da mehr Möbelstücke als Platz. Klar also, dass die Idee mit ins Café einziehen durfte.


Wir quasseln und quasseln und ich bin ganz baff vor Respekt. Sophie hatte Anfang des Jahres z.B. Bock darauf, sich mit Pflanzen zu beschäftigen. Also hat sie Pflanzen angepflanzt...in Töpfen, Schüsseln, Kisten, Kannen und Backformen.


Als die Pflanzen wuchsen, hatte sie Bock auf was Anderes. Dann hat sie was Anderes gemacht. Und dann wieder was Anderes. Und das Tolle daran: Sie fängt nicht an und hört dann wieder auf. Sie macht fertig und knüpft sich dann die nächste Idee vor. Davon würde ich mir echt gerne mal ne dicke Scheibe abschneiden. Ich bin nämlich nur im Anfangen so richtig super. Naja. Jedenfalls gibbet jetzt die ganzen Pflanzen im Kalinka zu kaufen und ich habe mir ein Sukkulentenmeer in ner schönen, alten Backform mit nach Hause genommen.


Wenn man sich für ein Möbel, irgendwelchen Killefitt oder ein Pflanzendings zwecks Beheimatungswunsch interessiert, muss man übrigens mit Sophie und Sergey ins Gespräch kommen. Preisschilder gibbet nämlich keine, lediglich die Preise von Futter und Getränken sind konkret beziffert. Kaufobjekte ohne Preisschilder finde ich ganz schön gut, denn man kommt ja heutzutage viel zu selten einfach mal so mit irgendjemandem ins Gespräch. Ob im Café oder im Supermarkt...viel mehr als "bitte", "danke" und "schönen Tach noch" läuft da ja nicht.


"Ins Gespräch kommen" ist eh ein gutes Kalinka-Stichwort, denn genau das liegt den beiden Inhabern am Herzen. Sie woll(t)en einen Ort kreieren, an dem ein echter Austausch stattfindet...ob im Rahmen von Workshops, Veranstaltungen, Nähsessions...ob zwischen alt und jung...ganz egal. Sophie und Sergey sind offen für Ideen, für Möglichkeiten und Menschen...und wenn Sophie davon spricht, kann man fühlen, dass es sich dabei wirklich um eine Herzensangelegenheit handelt.

Ich war so begeistert und geplättet von diesem Grundgedanken in Kombination mit dem "Einfach machen"-Credo der Beiden, dass ich mich spontan echt nicht getraut habe, Sophie zu sagen, dass ich voll die schönen Ideen (wie ICH zumindest finde) hätte...für Workshops, Kurse und kleine Events. Ich hab nur doof rumgedruckst und am Ende "Ähhh...ich schreib Dir nomma ne Mail" gesagt - ganz schön blöd eigentlich...denn ich glaube, dass die Beiden genau auf diese Art von Ideenmiteinander Lust haben. Aber irgendwie wollte ich sie nicht direkt so plump damit belagern. Manchmal macht meine große Klappe halt doch auch einfach mal schlapp.


Noch kurz was zum Verzeherangebot: Serviert wird kreative Küche aus dem vegetarischen und veganen Lager. Wenn man sich die Facebookseite oder auch den Instagramaccount des Kalinka Cafés anschaut, bekommt man einen tollen Eindruck von den vielen unterschiedlichen Leckereien, die grundsätzlich unter dem Motto "bio, fair, regional und hausgemacht" stehen. Ich hab zur Veranschaulichung einfach mal ein paar Beispielbilder gemopst und werde dafür hoffentlich nicht verklagt:


Ob Börek mit Limetten-Minz-Joghurt, ein zuckerfreier Double-Chocolate-Cheesecake, Aprikosentarte, Espresso-Bananen-Brot (nicht im Collagenbild), warme Madeleines mit selbstgemachter Vanille-Erdbeer-Marmelade, gefüllte Omelettes mit Bioräucherkäse, Röstzwiebeln und frischen Tomaten oderoderoder...ich finde allen Speisen sieht man die Liebe zum Essen und zur Gastfreude an. Gibt es das Wort Gastfreude überhaupt...im Sinne von "Freude am Gast"? Falls nicht, habe ich es just passend zum Kalinka erfunden. Hat das Café wirklich verdient.


Und für die Getränke gilt natürlich das Gleiche. Für den Anti-Club-Mate-Spruch, den Sophie gebracht hat, hätte ich sie knutschen können! Das Kalinka ist eben wirklich KEIN hipsteriges Trendcafé. In hipsterigen Trendcafés gibbet nämlich IMMER Club Mate. Also nehmt dies als finalen Beweis dafür, dass das Kalinka in einer anderen Liga spielt und GEHT MAL VORBEI...ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass da irgendein Caféliebhaberherzchen NICHT vor Freude hüpft...wenn auch nur im Stillen. Wie heißt es so schön? "Du musst nicht tanzen, aber beweg Dein Herz!"...und ich finde, dass Sophie und Sergey genau das mit ihrem Café geschafft haben.

Merke I: Maximalempfehlung. Echt jetzt. 

Merke II: Dem Kalinka auf Facebook folgen?! Ja, macht mal!
KLICK!


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