adventsPOTTential 2015 und ein Rentier-Ausflug

29. November 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, moooonatelang habe ich überlegt, ob ich in diesem Jahr einen Adventskalender auf den Blog packe und moooooonatelang konnte ich mich nicht entscheiden. Im letzten Jahr hatte ich ja mal ausgesetzt, um den Dezember nicht nuuuur am Computer zu kleben, aber mal ganz ehrlich...so'n bisskn gefehlt hat es mir dann doch...das Tippen und Verlosen, das Mitfreuen für die Gewinner, die Action mit Mabuschka und der ganze Wahnsinn, den 24 tägliche Blogposts eben so mit sich bringen...denn nach spätestens 10 Tagen ist man total wirr inne Birne und die Wohnung mutiert zum Schlachtfeld.

Deshalb hab ich mir überlegt, dass ich das in diesem Jahr anders mache. Anstatt jeden Tag ein Türchen zu öffnen, öffne ich einfach an jedem Andventssonntag 7 auf einen Schlag. HA! Alsoooo...herzlich willkommen zum diesjährigen adventsPOTTential...


Übrigens: Nachdem ich mich endgültig für die Adventskalenderfront entschieden hatte, stand ich vor einem akuten Problem. Ich kann ja schlecht hier unten einen auf Weihnacht machen und da oben im Header im kurzen Strickjäckchen vor pottscher Herbstidylle rumturnen. Wie sieht datt denn aus?! Also musste ein adventuöser Header her. Gar nicht so einfach, wenn draußen die Sonne scheint und man keine Lust hat, sich auf den erstbesten proppevollen Weihnachtsmarkt zu stellen. Also wollte ich mir ein Tannenbäumchen kaufen und damit total weihnachtlich inner Pottpampa rumposen. Aber dann kam ich an einem Rentier vorbei und beschloss, dass so ein Rentier doch weitaus charmanter als jedes Tannenbäumchen ist. Aber meine Begeisterung reichte nicht aus, um dafür 70 Euro berappen zu wollen. Rentierliebe in allen Ehren, aber das geht dann doch etwas zu weit!

Also habe bin ich zu dem netten Mann im Blumenladen gedackelt und habe gesagt: "Ich würde Ihnen gerne eine echt bekloppte Frage stellen und wenn ich Ihnen die stelle, tippen Sie sich bestimmt mit dem Finger an die Stirn, aber würden Sie mir gegen Pfand Ihr Rentier leihen?"

Und dieser Mann war ne extrem coole Sau und hat JA gesagt! Perso hinterlegt und ab aufs Feld mit Rudolf. So'n Rentier freut sich schließlich auch mal über nen kleinen Ausflug, auch wenn es gestern in Wirklichkeit natürlich leider NICHT geschneit hat und es deshalb relativ bekloppt aussieht, wie ich da oben nun mit Sonnenbrille im Fake-Schnee rumstehe.


Das alles erzähle ich Euch, damit Ihr wisst, dass Blumen Lueben auf der Bochumer Landstraße in Essen ein total toller Laden ist! Aber jetzt rennt da nicht alle hin und sagt, dass die Tante von heimatPOTTential behaupten würde, dass man sich dort Tiere ausleihen könnte! Kauft da lieber Euren Tannenbaum. Coole Säue verdienen nämlich, dass man bei ihnen Tannenbäume kauft.

So. Zurück zum Adventsglück!

Ich habe mich in diesem Jahr für eine bunte Verlosungsmischung entschieden. Ein bisskn Ruhrpott-Gedöns, ein bisskn was ausm Rest der Welt und ein bisskn was Selbstgemachtes aus dem Hause heimatPOTTential, denn Anfang Dezember gehe ich nach laaaanger Zeit mal wieder mit meinem Dawanda-Shop an den Start...aber davon erzähle ich Euch die Tage.

Ihr kennt das Spiel: Wenn es bei mir mehr als ein "Dings" zu gewinnen gibt, dann handelt es sich um Herzblatt-Verlosungen und Ihr werdet mit der Qual der Wahl konfrontiert. Soll heißen:

Ich öffne für Euch 7 Türchen, hinter denen sich 7 Gewinne verstecken. Ihr müsst Euch für EINEN Gewinn entscheiden und die entsprechende Türchennummer in Eurem Kommentar benennen. Und wer denkt "Ha! Jetzt weiß ich Bescheid!", irrt, denn weiter unten komme ich Euch noch mit Gewinnspielfragen und Teilnahmebedingungen. Also Obacht!

Aber jetzt ist erst mal Türchen-Tacheles angesagt! Macht Euch weihnachtliche Musik an und schnappt Euch 1-17 Vanillekipferl...es geht los:


1. Fotografieren im Ruhrgebiet
Das ist mal ein anständiger Superschmöker für Ruhrpottfreunde! Auf knapp 400 Seiten nimmt der Autor Thomas Pflaum den Leser mit zu seinen liebsten Fotospots im Revier. Hier bekommt man nicht den x-ten Bildband, sondern ein wirklich nützliches Werk, das konkrete Tipps für die Vor-Ort-Fotografie, Empfehlungen für diverse Touren und die eine oder andere Geschichte über die Region und ihre Leute miteinander verbindet. Habe ich persönlich sehr, sehr gerne gelesen. Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch, weil mich der Autor anschrieb, um mir mitzuteilen, dass ein Auszug aus meiner "Über mich"-Seite in seinem Vorwort zitiert wird. Ich freu mich da immer noch wie Bolle drüber.

2. Kettenfett-Lakritzlikör
Hinter Kettenfett stecken drei lustige Herren ausm Sauerland. Einer von ihnen schrieb mich vor Kurzem an, um wegen einer Kooperation anzufragen. Das Tollste an der Mail?! Sie endete mit "Es wäre mir ein inneres Currywurst-Essen, wenn wir uns mal zusammen schreiben könnten!" - fand ich schweinesympathisch. Und da ich Lakritzlikör schweinelecker finde, haue ich heute gerne eine Halbliter-Kanne raus. Könnt Ihr der Omma unterm Weihnachtsbaum mal schön einen einschenken. Oder Euch selbst. Wie dem auch sei: Prost!

3. Flip-Flap-Clock von Habitat
Die Flip-Flap-Clock und ich haben eine Geschichte. Für sie bin ich vor 2-3 Jahren extra nach Düsseldorf gefahren, um sie bei Habitat zu kaufen. Zu Hause habe ich dann festgestellt, dass ich zu doof gewesen war, den Aufkleber auf der Verpackung zu beachten. Da steht nämlich "RED" drauf. Ich wollte das Teil aber in "BLACK" haben! Schade Schokolade! Dann habe ich die Umtausch-Deadline verpasst und seitdem steht die Uhr einsam in ihrer Verpackung in meiner Abstellkammer rum. Heute möchte ich sie von ihrem traurigen Schicksal erlösen, denn vielleicht kann ich ja jemandem von Euch eine Freude damit machen?! Die Uhr ist wie neu. Nicht dass einer denkt, dass ich Euch hier olle, benutzte Kamellen unterjubeln wollte!

4. Fuchsprint von Tiipula
Ich liebe Füchse. Und ich liebe alles, was ohne Kitsch und Schnickschnack auskommt. Und die Arbeiten von Tiipula liebe ich auch. Deshalb freue ich mich, dass sie mir heute ihren tollen Fuchs-Print zur Verlosung zur Verfügung stellen und weise an dieser Stelle auch gerne darauf hin, dass sie in Essen einen süßen, kleinen Laden haben, in dem Ihr am 12.12. zum weihnachtlichen Designshopping vorbeischauen könnt. Ach so, der Fuchs kommt als handgemachter Original-Siebdruck auf naturweißem FineArt Papier zu Euch nach Hause...und zwar in DIN A3. Und ich hoffe, Ihr wisst was ich meine, wenn ich sage: FUCHS SEIN FETZT DOCH!

5. Rollator-Katze von Trousselier
Die gehfaule Miezekatze hat als Geschenk meine Wohnung bezogen und war ziemlich entsetzt, als sie feststellen musste, dass ich ihr exaktes Abbild bereits im Schlafzimmer auf dem Sideboard stehen hatte. Sie kloppen sich eh nur um die Poleposition und deshalb darf eine von ihnen nun bald bei Euch rumrollen. (Jetzt klingt es langsam echt so, als ob ich nur mal ausgemistet hätte, ne?! Aber herrje...is auch wie neu!)

6. Jutebeutel von Tribe am Leib
Egal wann ich mit diesem Beutel das Haus verlasse, irgendwer spricht mich IMMER darauf an. "Kohle, Kunst und Currywurst" ist einfach eine unschlagbare Kombination, die sich der gute Ben von Tribe am Leib da hat einfallen lassen. Auf Facebook hatte ich im Sommer bereits ein Exemplar verlost und da war die allgemeine Begeisterung so groß, dass ich Ben einfach gefragt habe, ob er nicht Lust hätte, noch eine Tasche rauszuhauen. Hatte er! Zum Glück! Ach...eins noch: Der Druck auf der Tasche ist nicht so blass wie es auf dem Bild den Anschein haben mag. Die Optik hab ich ein bisskn versaubeutelt...Verzeihung! (Hahaha...Beutel...versaubeutelt...war nicht mal Absicht.)

7. Gutschein von Photolove
Ehrlich gesagt hat eine super nette Mail von Photolove mir den endgültigen adventsPOTTential-Kick für dieses Jahr verpasst. Ich hab ja bis zur letzten Minute hin und her überlegt, ob ich überhaupt einen Adventskalender mache, aber als die Photolove-Bande anfragte, ob sie in diesem Jahr wieder dabei sein könnten, hat es KLICK gemacht und ich hatte Bock. Weil ich Photolove und ihre Produkte einfach so toll finde. Falls Ihr Photolove noch nicht kennt: Es handelt sich um einen Online-Service, der Eure Fotos im Vintage Stil druckt und ruckzuck (!) in Euren heimischen Briefkasten katapultiert. Euch stehen unterschiedliche Designs zur Auswahl, die Verpackung ist hochwertig und die Qualität der Drucke wirklich 1A! Man kann seine Fotos entweder hochladen oder die Bilder einspeisen, die man in einem der üblichen Sozialen Netzwerke (Facebook, Instagram und Co.) hochgeladen hat. So oder so: kiki-leicht! Gewinnen könnt Ihr einen Gutschein über eine Special Xmas Photolove-Box (24 Prints!) inklusive Anhängerchen und Seidenpapier, falls Ihr Euch entscheidet, die Box nicht behalten, sondern verschenken zu wollen.

So. Das wären die ersten 7 Türchen. Welches darf denn nun Euer Herzblatt sein?! Das müsst Ihr mir per Kommentar verraten UND gleichzeitig begründen, warum Eure Wahl auf das entsprechende Türchen gefallen ist. Das ist als Gewinnspielfrage zu verstehen, weil: Is doch langweilig, wenn jeder nur "Ich will die 5", "Ich will die 3" oder "Für mich bitte die 2" schreibt, ne?!

Und weil es nicht anders geht, jubel ich Euch jetzt noch das Rechtliche unter:
Die werten Teilnahmebedingungen:
  • Ihr müsst die Gewinnspielfrage pflichtschuldig beantworten.
  • Volljährige können mitmachen, Minderjährige müssen ihre Eltern anstacheln.
  • Der Rechtsweg ist total ausgeschlossen.
  • Die reizende Losfee Mabuschka schenkt nur denjenigen ihre holde Aufmerksamkeit, die einen Kommentar samt MAILADRESSE hinterlassen. Eine Verknüpfung zum eigenen Blog oder zu einem google+ Profil reicht an dieser Stelle nicht aus!
  • Facebook-Kommentare werden nicht berücksichtigt.
  • Die Verlosung endet am 05.12. um 05:12 Uhr.
  • Ihr erklärt Euch einverstanden, dass ich den Sponsoren im Falle des Gewinns Eure Daten mitteile, damit sie Euch den jeweiligen Gewinn zusenden können.
Jetzt wünsche ich Euch einen guten Start in eine schöne Vorweihnachtszeit mit Glühwein, Kerzenschein, Rolf Zuckowski oder irgendetwas Anderem, was Euch n bisskn glücklich macht.

Merke: Adventsspökes ohne Rolf Zuckowski? NIEMALS!


Nachhut-Antworten auf Fragen & noch mehr Einblicke hinter die Blogger-Kulissen

26. November 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, am 11.11. hatte ich hier einen Blogpost online gestellt, in dem ich von meiner Arbeit als Bloggerin, aber auch davon erzähle warum ich heimatPOTTential in letzter Zeit selber doof finde. Ich hatte offen gestanden reichlich Muffensausen, den Artikel online zu stellen, weil ich Schiss hatte, dass viele Stimmen à la "Na, Du Dummerchen, was hatteste denn erwartet?! Tststs..." laut werden würden. Und dann hätte ich mich noch dööfer gefühlt als eh schon. (Gibt es das Wort "dööfer" gar nicht? Sagt man echt "doofer"? Egal.)

Das, was dann aber tatsächlich an Reaktionen eintrudelte, hat mich wirklich umgehauen. Ihr habt mir so viel Herzlichkeit und Verständnis entgegengebracht, habt ehrlich Euer Empfinden mitgeteilt, mir Mut gemacht und zu verstehen gegeben, dass Ihr Euch freut, wenn ich selbst wieder mehr Bock auf meine Wurzeln habe. Viele von Euch haben ganz offen gesagt, dass ihnen, auch wenn meine "lockeren Berichte" okay sind, das Geschichtenlesen ebenso fehlt wie mir das Geschichtenschreiben. Da sindwa uns also sehr einig. Und das ist schön!

Aber es gab auch Fragen. Und weil ich es nicht schaffe, auf alle Mails und Kommentare (aufm Blog, Facebook, Instagram, Twitter und Snapchat) einzugehen, aber trotzdem gerne antworten möchte, mache ich das heute in diesem Post.


Und los geht's:

1. Wie jetzt? Hörst Du jetzt mit heimatPOTTential auf?! Nee, oder?

Huch! NEIN! Ich hatte eingangs zwar angemerkt, dass ich in einer knusseligen Nacht mal darüber nachgedacht hätte, aber mein Post endete mit den Worten "Vielleicht mache ich hier jetzt mal 1-2 Wochen Pause"...und genau so hatte ich das auch gemeint. Ich wollte einfach eine kleine Auszeit zum Durchatmen und um an ein paar Fronten hinter den Kulissen etwas abarbeiten zu können.

2. Wie geht es denn nun weiter? Suchst Du Dir wirklich wieder einen Job als Sozialpädagogin oder war das nur so daher gesagt?

Sowas sagt man doch nicht so daher! Ich hab das schon ernst gemeint, aber ich glaube, dass es von vielen Leuten als hypothetische Bemerkung verstanden worden ist. So nach dem Motto: "Theoretisch könnte ich mir auch einfach wieder einen Job als Sozpäd suchen, dann müsste ich mir keine Sorgen mehr machen..."

Also: Ich möchte gerne halbtags wieder im Sozialen Bereich arbeiten. Zwar habe ich einige Angebote aufm Tisch, mit denen ich mich als freie Mitarbeiterin auch weiter im Social Media Bereich finanzieren könnte, aber da ich den Kopp mal wieder in den Wind halten und abends mit dem Gedanken an ein geregeltes Einkommen wieder besser schlafen können will, glaube ich, dass es besser ist, mich beruflich wieder etwas im Normalo-Alltag zu erden. Außerdem vermisse ich einfach das Arbeiten mit "Spassels"...wie ich die Jugendlichen, mit denen ich in der Vergangenheit gearbeitet habe, immer liebevoll (!) genannt habe. Also habe ich nun einige schöne Social Media Kisten für das kommende Jahr zugesagt, aber werde mir gleichzeitig als Pädagogin wieder die Angestelltenbeine vertreten. Nur auf Nacht- und Wochenenddienste habe ich keinen Nerv.

3. Du musst Dich doch vor uns nicht rechtfertigen! Warum machst Du nicht einfach worauf Du Bock hast?

Ich finde es schade, dass es teilweise so empfunden wurde. Zu sagen, was Sache ist, hat doch nix mit Rechtfertigen zu tun! Und natürlich mache ich worauf ich Bock habe, aber wenn man sich mit dem eigenen Blog unwohl fühlt, hat man einfach das Gefühl, dass das für den Leser zwischen den Zeilen auch irgendwie spürbar ist - und Einige von Euch haben das in ihren Kommentaren auch bestätigt. Mein Blog hat sich in den letzten 2 Jahren verändert und ich wollte das nicht rechtfertigen, sondern einfach erklären...reinen Tisch machen sozusagen. Mein Blog ist ja keine Insel, auf der ich nur mit mir selbst abhänge. Ich schreibe hier für meine Leser und ich möchte einfach, dass meine Leser wissen wer der Mensch hinter den Artikeln ist...zumindest bis zu einem gewissen Grad. Jeden Seelenmist muss ich hier natürlich auch nicht offenbaren.

Ich freue mich, wenn Ihr mir hier gerne folgt, ich freue mich, wenn Ihr meinen Tipps nachgeht und/oder das Ruhrgebiet etwas positiver zu sehen "lernt". Aber bei all dem ist es für mich auch wesentlich, dass ich als Mensch (öhm...als was sonst?!) hinter meinem Blog stehen kann. Und wenn ich damit nicht (mehr) im Reinen bin, dann finde ich es einfach "nett" und ehrlich, das offen zu kommunizieren. Wieso soll ich meinen Lesern etwas als vermeintlich richtig anbieten, was sich für mich falsch anfühlt? Das wäre doch gar keine saubere Grundlage. Das wäre doch irgendwie Gaukelei. Ich möchte keinen Blog schreiben, der "funktioniert". Ich möchte einen Blog schreiben, der zu mir passt. Und wenn da etwas in Schieflage gerät, dann will ich das einfach sagen können. Denn wenn ich möchte, dass man meinen Worten hier grundsätzlich Glauben schenkt, dann muss und will ich auch zusehen, dass ich diese Glaubwürdigkeit verdiene...und dafür braucht es ab und an eben ein paar offene Worte. DARAUF habe ich Bock.

4. Ich vermisse Deine Geschichten! Wieso denkst Du, dass Du sowas nicht mehr erzählen kannst?

Neneneeee. So ist das nicht. Ihr müsst Euch das so vorstellen: Wenn alles halbwegs im Lot ist, hat man einfach für seine Erlebnisse ein anderes Grundgefühl. Wenn es mir gut geht, kann ich herzlich über den Quatsch, der mir so passiert, lachen und dann auch darüber schreiben. Wenn aber über einen längeren Zeitraum alles zwickt und zwackt, man nur noch unzufrieden und mopperig ist, wenn alles schief geht oder sich schief anfühlt, dann ist der Quatsch plötzlich kein Quatsch mehr. Dann ist der Quatsch die allergrößte Scheiße und man will nur noch schimpfen wie ein Rohrspatz. Und das liest sich dann nicht lustig, sondern dauermotzig. Und DARAUF hatte ich keine Lust. Wenn man langzeitknusselig ist, dann zieht man meiner Meinung nach seinen eigenen Blog damit nur runter. Außerdem kommt hinzu, dass ich immer weniger lustig-bekloppte Sachen erlebt habe, weil man eben generell weniger erlebt, wenn man die ganze Zeit von Termin zu Termin rennt und am Computer hockt, um Konzepte zu schreiben und Mails zu beackern. Dann fühlt sich alles nur noch anstrengend an und wenn am Ende des Tages dann auch noch der Trockner oder so kaputt geht, dann will man keine lustige Geschichte schreiben, sondern mit dem Kopf nur noch vor die erstbeste Wand donnern.

Aber auch aus genau diesen Gründen möchte ich wieder (halbtags) arbeiten gehen. Dann kommt nämlich wieder etwas Luft in den Social Media Karton, Sichtweisen relativieren sich und der Druck nimmt ab. Und wo weniger Druck, da mehr zu lachen...so hoffe ich zumindest.

5. Wenn man vom Bloggen leben will, dann muss man sich verkaufen und dann ist ein Blog gar kein Blog mehr, weil das Persönliche und somit die Glaubwürdigkeit flöten geht. Findest Du nicht?

Nein. Finde ich nicht. Ich finde es viel mehr schade, dass man alle Blogger diesbezüglich gerne über einen Kamm schert und ihnen nicht mehr Rückgrat zutraut. Dass man sofort denkt "Ha! Hat sie Geld für bekommen! Ich glaub der kein Wort, ist doch eh alles weichgespült und schöngeredet!"

Als "erfolgreicher" Blogger mit einer großen Reichweite wird man mit Kooperationsanfragen zugeschüttet und wenn man nicht völlig Banane in der Birne ist, lehnt man zu 95% ALLE Anfragen ab. Weil einem viel Müll angeboten wird und weil man keinen Müll auf dem eigenen Blog haben will. UND weil man weiß, dass der Leser sehr wohl Schönschreiberei erkennt. Also überlegt man sich bei jeder Anfrage 10x, ob das Thema, das Produkt oder was auch immer wirklich zur eigenen Person und zum eigenen Blog passt. Jeder Blogger, der etwas auf sich und seinen Blog hält, ist unheimlich darauf bedacht, seine Leser nicht zu verkackeiern, denn wenn man eine Sache weiß, dann die: Jeder Blog lebt von seinen Lesern! Daraus ergibt sich das oberste Gebot: "Leser werden nicht verarscht!".

Wenn man also einen Blog über eine längere Zeit verfolgt, dann, weil man bei der ganzen Kiste ein gutes Gefühl hat. Weil einen der Blog, die Themen und/oder der Mensch dahinter interessiert. Und ich frage mich: Warum kann man dann nicht ein wenig mehr Vertrauen aufbringen? Warum wird nicht öfter gedacht: "So, der Uschi folge ich jetzt seit 1-2-3 Jahren und lese ihren Kram. Ich glaub, die Uschi ist ganz okay. Und wenn die Uschi jetzt einen Werbepost raushaut, dann muss das ja echt ne gute Sache sein, sonst würde sie mir die ja nicht ans Herz legen."

Wenn Euch eine Freundin oder ein Freund etwas empfiehlt, dann stellt Ihr ja auch nicht sofort seine Glaubwürdigkeit in Frage, oder? Letztens hat mir Ellen zum Beispiel ganz privat eine bestimmte Wimperntusche empfohlen. Ich bin ihrem Tipp gefolgt, habe mir die Tusche gekauft und bin extrem froh darüber, weil meine bisherigen Tuschen immer nur mistig waren. Hätte Ellen auf ihrem Blog einen bezahlten Post über diese Wimperntusche gebracht, dann hätte ich sie AUCH gekauft! Weil ich weiß: Die Ellen erzählt keinen Bockmist! (Obwohl...das würde ja bedeuten, dass Ellen dann einen Beauty-Blog hätte. Hmmm...das würde ich aber auch nicht wollen.)

Ja, klar...es gibt Blogs, die einen Werbepost nach dem anderen raushauen. Da verliert man dann wirklich irgendwann das Gefühl für authentische Begeisterung und für gekaufte Schönrederei. Das sehe ich ganz genauso und kenne nur einen einzigen Blog, der da eine positive Ausnahme darstellt. Aber grundsätzlich finde ich wirklich, dass man den Bloggern, die seit Jahren Ideen, Tipps, Freebies, Inspiration, Rezepte, gute Gedanken und wertvolle Anregungen mit ihren Lesern teilen, ruhig mal ab und an ein paar Euro für ihre Mühen gönnen kann, ohne direkt am gesamten Blogkonzept zu zweifeln! Und falls Ihr Euch verarscht fühlt, dann lest Ihr vielleicht einfach den falschen Blog. Mit einem guten Grundgefühl zu der Person dahinter sollte sowas meiner Meinung nach stellenweise "tragbar" sein.

Ich habe mich vor ein paar Monaten in diesem Kontext mal richtig geärgert. Da bekam ich nämlich einen Facebook-Kommentar, der wie folgt lautete: "Mir wird's zu kommerziell hier! Ich bin raus!" und dann hat derjenige meine Fanpage entliket. Das Entliken war mir schnurz, aber der implizierte Vorwurf hat mich gejuckt! In diesem Jahr habe ich auf meinem Blog 6 Werbeposts gebracht. SECHS! Und für 3 (DREI!) davon habe ich überhaupt nur Geld erhalten. Die anderen 3 Werbebeiträge mussten einfach nur als solche gekennzeichnet werden, weil man mich in 2 Fällen zu einer Hotelübernachtung eingeladen hatte, und weil ich einmal eine Futtertour verlosen durfte. So. Wir reden hier also in meinem Fall von 3 (DREI!) bezahlten Blogposts in EINEM GANZEN JAHR. Und da tippe ich mir echt an die Stirn, wenn ich mir sagen lassen muss, dass mein Blog zu kommerziell werden würde. Denn das ist einfach Quatsch. Ich bin meinem Credo, meinen Blog nicht verkommerzialisieren zu wollen, immer treu geblieben, auch wenn mir viele Menschen immer wieder sagen, dass ich mit meiner Seite finanziell vieeeeel mehr reißen könnte. Aber das würde sich für mich nicht richtig anfühlen.

Ich habe in diesem Jahr bezahlt für POTT RUM (inklusive Verlosung) geworben und die Kooperation kam zustande, weil ICH darauf Bock hatte und sie der Agentur vorschlug. Und ich habe ein Haldenvideo für kunstgebiet.ruhr gedreht. Beides passt wie Arsch auf Eimer zu meinem Blog und mir und ich habe mich sehr über die Kohle gefreut, ohne dabei irgendjemanden veräppelt oder irgendetwas schön geredet zu haben. Es tut einfach gut, wenn man ab und an mal etwas Geld für die Arbeit, die man in einen Blog steckt, bekommt. Denn die vielen Stunden, die man z.B. damit verbringt, auf Fragen und Kommentare zu antworten (Wo kann man im Ruhrgebiet in ner Scheune heiraten? Wer macht im Pott gute Portraitfotos? Wo bekomme finde ich schöne Ruhrgebietskunst? Wo kann ich mit meiner Frau zum Hochzeitstag essen gehen? etc.), bezahlt einem keiner und trotzdem bietet man auf Basis des eigenen Wissens damit eine Art Dienstleistung an, ohne das im Vorfeld kommen gesehen zu haben. Die Tatsache, dass man sich über den Austausch mit den eigenen Lesern sehr, sehr freut und es auch schön ist, als "Experte" im eigenen Themengebiet wahrgenommen zu werden, macht aber die Tatsache, dass dieser Austausch mit viel Arbeit verbunden ist, nicht nichtig.

Deshalb abschließend zu diesem Thema: Folgt Bloggern, denen Ihr vertrauen könnt und wollt und dann gönnt ihnen ruhig ab und an mal eine schöne Kooperation, ohne gleich die Glaubwürdigkeit des Schreibers in Frage zu stellen. Das Geld, das der Blogger dafür bekommt, fließt in Teilen auch wieder in den Blog hinein. Ist einfach so.

6. "Vollzeitbloggen" finde ich ehrlich gesagt eh doof. Das kann doch eh nicht funktionieren, oder?

Doch. Kann es. Es funktioniert in anderen Ländern sogar sehr gut und in Deutschland mit Blick auf die Fashionblogger-Szene ebenfalls. Die meisten Leute haben nur unter dem Begriff "Vollzeitblogger" eine falsche Vorstellung. Als Vollzeitblogger verdient man nicht notwendiger Weise sein gesamtes Geld über gesponserte Beiträge. Als Vollzeitblogger kann man auch rund um den eigenen Blog arbeiten, anstatt gezielt auf ihm. Dann funktioniert der Blog eher als Visitenkarte für das eigene Know-how. Man wird z.B. als freier Autor gebucht, als Berater hinsichtlich Social Media im Allgemeinen oder bezüglich Blogger Relations im Besonderen, als Redner auf Veranstaltungen oder als "Experte" im Rahmen von Schulungen. Man verkauft Fotos, tritt als Moderator auf oder bietet Coachings an, stellt einen eigenen Shop auf die Beine und verkauft selbstgemachte Produkte. Man kann u.U. ein Buch herausbringen, Events veranstalten, wird für Kampagnen oder TV-Reportagen bzw. -auftritte gebucht oder für Aktionen, auf die man selbst in 100 Jahren nicht gekommen wäre. So darf ich z.B. 2x im Jahr für die Provinzial Versicherung unterwegs sein, um den Schutzengel-Award unter Schülern zu verleihen.

All das ergibt sich durch den Blog. Er dient dabei als Grundlage, wird aber in den meisten Fällen nicht öffentlich damit "belastet". Soll heißen: Das sind Dinge, die hinter den Kulissen stattfinden und es steht einem frei, ob man davon auf dem Blog erzählen möchte.

Natürlich gibt es auch Vollzeitblogger, die sich hauptsächlich über Werbeposts finanzieren, aber dann landen wir wieder bei 5. und ich habe es ja schon gesagt: DAS wäre in aller Gänze auch nicht MEIN Ding.

7. Ich wollte Dir eigentlich eine Kooperationsanfrage schicken, aber nachdem ich Deinen Post gelesen habe, hab ich mich nicht mehr getraut...
Das habe ich in den letzten Tagen 4x zu hören bekommen. Und jedes Mal habe ich gesagt: "So'n Quatsch! Hau raus!" ...denn ich wollte mit meinem offenen Post nicht "Bleibt alle weg!" sagen, sondern auf der einen Seite Hinz und Kunz mal ein wenig für die Arbeit, die hinter einem Blog steckt, sensibilisieren und auf der anderen Seite einfach laut und deutlich sagen: "Ich mag mich hier nicht verbiegen. Mich gibbet jetzt wieder in der alten Fasson, weil ich das für mich brauche". Und wer Bock auf meine alte Fasson, also auf mich inklusive Kodderschnauze und großer Klappe hat, der darf sich sowas von gerne melden! Und wer darauf keinen Bock hat...der dann halt nicht. Einfache Kiste.

So. Ich hoffe, ich konnte mit diesem Post noch ein paar Unklarheiten beseitigen und sage noch mal: herzlichen Dank für all Euer Feedback! Und jetzt bastel ich mir einen Adventskranz.

Merke: Das Luck in a Cup in Essen-Rüttenscheid hat ne neue Karte.
Hab ich mich gestern einmal quer durchgefuttert. HAMMER! Geht da mal hin, echt jetzt!

Eine Geschichte, die nicht meine, aber verdammt wichtig ist.

23. November 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, eigentlich hatte ich gedacht, dass ich in meinem nächsten Blogpost noch mal auf meinen letzten eingehen würde. Dass ich ein paar Fragen, die sich bei einigen von Euch daraus ergeben haben, beantworten und insgesamt das Eine oder Andere noch ein wenig besser erklären würde. Und DANKE wollte ich sagen. Für die vielen, vielen lieben Worte, fürs Verstehen und Mitdenken. Das hat mir nämlich sehr, sehr viel bedeutet.

Aber wisst Ihr was? Jetzt gerade ist etwas Anderes wichtiger. Ich möchte Euch nämlich eine Geschichte erzählen.

Diese Geschichte ist gar nicht meine. Es ist Heidis Geschichte. Nein, nicht mal das. Eigentlich ist es die Geschichte von Dave und Heidi hat sie mir erzählt. Und weil manche Geschichten so groß sind, dass man sie einfach erzählen MUSS, möchte ich sie heute EUCH erzählen.

Gestern Abend hat Heidi mit ihrem Mann eine Runde um den Block gedreht. Einfach mal kurz durchatmen...weil ihr momentan etwas auf den Schultern lastet, das man nicht ununterbrochen in den eigenen Alltagstrott quetschen kann. Dann muss man zwischendurch einfach manchmal raus und reden. Also liefen sie da so rum und redeten. Und damit Ihr wisst wie Heidi und ihr Mann Philipp aussehen...hier ein Foto, das ich vor wenigen Wochen auf der Hochzeit der Beiden gemacht habe:


Achtung: Ich übernehme jetzt Heidis Sprachnachrichten. Für fein: Ich transkribiere im Folgenden die Nachrichten, die Heidi mir per WhatsApp geschickt hat. Also erzählt eigentlich Heidi Euch diese Geschichte.

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"Ich möchte Dir noch was Anderes erzählen. Und zwar ist das die Geschichte von Dave. Das ist ne wahre Geschichte...das haben wir wirklich erlebt. Also gestern Abend als wir nach Hause kamen, habe ich Philipp gesagt, ich möchte noch einmal um den Block gehen, ein bisschen Ruhe haben. Und dann sind wir unsere Runde gegangen, es waren noch einige Menschen unterwegs, es war ja erst 7 oder so. Und da war ein - man sagt ja irgendwie 'Mulatte' oder so - das hört sich immer so abfällig an, aber Du weißt was ich meine. Und der Mann kam uns auf der Straße entgegen. Er lief dann hinterher zurück und sagte: "Hallo! Entschuldigung, darf ich Euch was fragen?" oder "Darf ich kurz mit Euch sprechen?".

Naja. Jedenfalls hatte Dave uns angesprochen und sagte "Mir ist gerade eben was passiert, das ist mir in meinem ganzen Leben noch nie passiert."

Wir haben da...hinterm Rumpelstilzchen...da ist so ne Kneipe. Jedenfalls wollte er da wohl hinein und die Kellnerin sagte "Du, pass mal auf, Du bist mir suspekt. Dich will ich hier nicht haben." Er hatte dann gefragt "Wie? Was ist an mir denn suspekt?" und sie sagte "Deine Hautfarbe!". Er sagte: "Das hab ich ja noch nie gehört, das muss ich mir ja wohl nicht gefallen lassen!" und da sagt sie: "Doch, so lange ich hier das Sagen habe, musst Du Dir das sagen lassen. Und jetzt geh bitte...sonst rufe ich die Polizei." Und weil er irgendwie keinen Ärger wollte - er hatte erst gesagt "Weswegen Polizei? Ich mache hier ja keinen Ärger. Ich möchte hier doch einfach nur mal ein Bierchen trinken." Und sie: "Nein!" und er solle gehen.

Ja, er sagt er wäre dann auch direkt gegangen, das wollte er auch nicht mit sich machen lassen und hat einfach nur jemanden gesucht, dem er das erzählen kann. Weil er gesagt hat "Das ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht passiert!" und dann hat er sich quasi vor uns nackig gemacht. Hat erzählt, dass er jetzt gerade auf Landgang ist, dass er Techniker ist auf irgendner Insel...oder irgendwas hat das mit Windkraft zu tun...und alle paar Wochen kommt er dann an Land und wollte jetzt einfach nur was trinken. Und da passiert ihm sowas. Von seiner Mutter hat er erzählt, von seinem Vater, hat ganz ausgeholt.

Am Ende stand er da und hat geweint. Da habe ich ihn einfach in den Arm genommen und hab gesagt  "Solche Menschen wie Dich brauchen wir hier! Lass Dich von einer einzelnen Person nicht fertig machen!"

Und dann guckt er mich an und sagt: "Nein, solche Menschen wie DICH brauchen wir hier!"

Er weinte und sagte: "Ich hätte nie gedacht, dass hier einfach Menschen, die ich anspreche, einfach stehen bleiben und mir zuhören. Meine Lebensgeschichte sich anhören und einfach da sind und mir was sagen und mit mir sprechen und nicht sagen, dass ich nach Hause muss."

Und dann guckte er den Philipp an und Philipp kamen auch irgendwie die Tränen und dann sagte er zum Phillip: "Hör mal, Du hast ne ganz gute Frau. Ich glaube nicht an die Liebe, mir ist so viel Scheiße passiert. Du hast ne gute Frau und ich hoffe, es klappt mit Euch, Bruder." Und dann Philipp so: "Ja, ne Garantie kann natürlich niemand geben, aber das ist schon unser Plan...für immer zusammen zu bleiben." Und dann weinte er noch mal...der Mann...der Dave...und sagte "Sowas brauche ich. Ich will sowas auch sehen. Und ich bin Euch so dankbar, dass Ihr stehen geblieben seid, dass Ihr Euch mit mir unterhalten habt. Ich bin Euch so dankbar, Euch zu sehen. Und ich bin so dankbar, Euch im Umgang zu sehen."

Und das hat den Philipp und mich total beeindruckt. Da steht er, er ist 36...der Dave...1,80...er ist nicht dick, aber er hatte nen ziemlich breiten Rücken...und sah aus wie ne coole Socke...und war so gefühlvoll. Und hat uns angehalten, nur damit er seinem Ärger Luft machen konnte, weil er da rausgeflogen ist, weil er ne andere Hautfarbe hat. Und das hat uns ziemlich beeindruckt. Auch dass er einfach vor uns so weinen konnte. Das lief dann einfach aus ihm raus.

Und ich weiß nicht...ich glaub, ich wär nicht so. Wenn mir was Schlimmes passiert...ich könnte andere Menschen nicht anhalten, irgendwelchen Fremden sagen "Hallo, hast Du mal ein paar Minuten? Ich möchte nur kurz was loswerden, ich möchte was sagen oder was fragen oder was auch immer."

Also das hat mich irgendwie voll beeindruckt."

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So. Und Heidis Geschichte, die eigentlich Daves Geschichte ist, hat MICH voll beeindruckt. Mir laufen auch jetzt schon wieder - oder immer noch - die Tränen runter, einfach weil in dieser Geschichte so viel steckt, was wichtig ist. Es ist irgendwie eine Real-Life-Fabel, die daran erinnert, zuzuhören. Da zu sein. Nicht nur an sich selbst und seine eigenen Päckchen zu denken.

Ich weiß um Heidis aktuelle Situation und ganz ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich an ihrer Stelle stehen geblieben wäre. Vielleicht hätte ich auch einfach "Hör mal, mir geht es grad nicht so gut. Nix für ungut, aber ich möchte grad nicht reden" gesagt. Vielleicht hätte ich aber auch doch zugehört. Ich weiß es nicht. Aber ich bin dankbar, dass Heidi stehen geblieben ist. Weil es zeigt wie wichtig sowas sein kann...nein, wie wichtig sowas IST. Weil es zeigt wie viel man Anderen geben kann, wenn man einfach zuhört. Weil jeder von uns mal irgendwo gestrandet sein könnte...mit einer Verletzung und mit Redebedarf. Und weil es manchmal einfach Menschen braucht, die vom Leben erzählen. Von einem Leben, von dem man sonst nicht großartig was mitbekommt...oder über das man sonst nicht so viel nachdenkt. Weil die meisten Menschen im Leben Anderer einfach nur Passanten sind. Weil es zeigt wie wichtig es ist, aufeinander zu achten. Und weil es zeigt, dass man einen riesigen Bogen um die Kneipe hinterm Essener Rumpelstilzchen (eine Trödelhalle im Stadtteil Holsterhausen) machen sollte. Weil es zeigt, dass Diskriminierung überall stattfindet...auch direkt umme Ecke vor der eigenen Haustür in einer x-beliebigen Kneipe. Und weil es zeigt, dass wir die Menschen, die diskriminiert werden, nicht alleine lassen dürfen. Wir bräuchten in so einer Situation auch Menschen um uns herum, die das Herz zum Glück noch auf dem rechten Fleck haben.

Heidi, danke, dass Du stehen geblieben bist! Ich bin stolz darauf, dass Du meine beste Freundin bist. Das bin ich immer. Aber jetzt gerade ganz, ganz besonders.

Merke: Ruhig mal stehen bleiben.

Über die Arbeit als Blogger. Oder: Warum ich heimatPOTTential zur Zeit selber doof finde

11. November 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, heute ist mir mal nach einem richtig, richtig ehrlichen Post. Nicht, dass ich hier sonst rumlügen würde, aber natürlich filtert man als Blogger den Krempel, den man online so von sich gibt. Und in letzter Zeit hat mich diese Filterei echt belastet...und deshalb habe ich auch seltener gebloggt.

Eine ganze Weile dachte ich, dass ich darüber besser nicht schreiben sollte. Ich wollte das irgendwie verknusen und mit mir selbst ausmachen. Aber das klappt nicht. Ich knuse mich nur immer tiefer rein. So tief, dass ich vorgestern Nacht beschlossen hatte, meinen Blog erst mal für eine Weile auf Eis zu legen. Aber dann bin ich ein paar bekloppte Träume später aufgestanden und fand den Beschluss doch ziemlich doof.

Also...was ist los?


Ich habe heimatPOTTential mit keiner Ahnung von nix gestartet. Ich kannte keine anderen Blogs, ich kannte keine anderen Blogger und ich hatte nicht den leisesten Schimmer von dem, was ich hier so tat. Aber Spaß hatte ich. Für zwei...locker. Und irgendwann hatte ich dann plötzlich sowas wie "Erfolg". Und das war eigentlich nie der Plan gewesen. Ich hatte nämlich gar keinen Plan. Aber vielleicht kennt Ihr das: Wenn man in irgendetwas besser wird, entwickelt man Ehrgeiz. Man steckt sich Ziele, doktort gerne an ihnen herum, denkt sich bei jeder Hürde "Komm nur her, Dich pack ich auch noch!" und macht einfach immer weiter und weiter und weiter. Das macht so lange Spaß bis die Kür zur Pflicht wird, denn dann beginnt man, sich selbst unter Druck zu setzen.

Vor rund zwei Jahren habe ich meinen Job als Sozialpädagogin gekündigt, um mich ganz auf meinen Blog zu konzentrieren. Das habe ich hier nie wirklich verkündet, weil es mir irgendwie unangenehm war. Ich wollte nicht, dass jemand abfällig "Jetzt will sie damit auf einmal GELD verdienen?!" denkt...als wäre das etwas Schlimmes. Jedenfalls wünschte ich mittlerweile, ich hätte diese Entscheidung nicht gefällt. Dann wäre die Kür nämlich immer noch die Kür. Und ich mochte die Kür.


Ich habe hier über einige Jahre hinweg sooo gerne Geschichten erzählt. Geschichten aus dem Ruhrpott, Geschichten aus meinem Leben, Geschichten über meine eigene Dösköppigkeit und Geschichten von Momenten und Orten fürs Herz. Wenn ich heute meine Posts aus den ersten 1-2-3 Jahren lese, vermisse ich mich selbst. Ich vermisse meine Lockerheit. Ich weiß, dass sich mein Blog immer noch locker liest, aber das liegt ehrlich gesagt eher an meiner Art zu schreiben und nicht mehr an den Geschichten, die ich erzähle oder an meiner eigenen Einstellung. Eigentlich habe ich sogar schon lange gar keine richtige Geschichte mehr erzählt. Mittlerweile schreibe ich Berichte. Lockere Berichte, klar. Aber von mir, von meinem Alltag und davon wie bekloppt das Leben oder man selber sein kann erzähle ich hier schon lange nichts mehr...dabei hat mir das immer so viel Freude gemacht. Mittlerweile filtere ich. Denn das, was mich in den letzten 1-2 Jahren und besonders in den letzten Monaten so umtreibt und bewegt, ist für mich mit immer mehr Druck und Doofkram verbunden. Und wer will das schon lesen?

Als ich mich vor zwei Jahren für eine Selbständigkeit rund um meinen Blog entschieden habe, habe ich eine wichtige Sache außer acht gelassen. Vielleicht sogar die wichtigste. Dadurch, dass ich meinen Blog nicht mit Werbung vollkleistern wollte, war ich darauf angewiesen, dass mich Unternehmen oder Agenturen aufgrund meiner Schreibe, meiner Kreativität, meiner Fotos oder meines Know-hows buchen wollen. Das bedeutet aber, dass mein Blog als Visitenkarte funktionieren muss. Und das bedeutet wiederum, dass ich mir sehr viel gründlicher überlegt habe, über was ich hier überhaupt schreiben kann. Und irgendwo in den Gräben zwischen "persönlich, aber nicht zu persönlich" und "professionell, aber nicht zu professionell" habe ich dann mich und meinen Spaß verloren.

In den letzten Monaten habe ich so viele Artikel geschrieben, die ich nie veröffentlicht habe. Artikel, in denen ich weniger gefiltert habe, in denen ich auch mal rumgemotzt, rumgenölt oder heikle Themen angesprochen habe. Und immer dann, wenn so ein Artikel fertig war, habe ich gedacht: "Nee, kannste nicht bringen! Wenn DAS dieses oder jenes Unternehmen liest, dann wirkst Du motzig, überarbeitet, gestresst, genervt und unprofessionell."

Und das muss aufhören. Ich möchte heimatPOTTential gar nicht an den Nagel hängen. Ich möchte mich einfach nur wieder freier fühlen. Ich möchte nicht mehr mit mir selbst um eine professionelle Gefallsucht ringen und ich will diese Filterzwickmühle endlich abschütteln.

heimatPOTTential hat nicht so viele Leser gewonnen, weil ich einfach "nur" Berichte geschrieben habe. Ich glaube, dass so viele Leser gerne hier vorbeischauten, weil ich einfach das rausgehauen habe, was mir in den Sinn kam. Weil ich ehrlich war. Weil ich "alles kacke" gesagt habe, wenn alles kacke war. Weil man vielleicht rauslesen konnte, dass ich einfach selbst verdammt viel Freude an der ganzen Kiste hatte. Und wenn Authentizität und Ehrlichkeit nicht professionell genug sind, um mich als Kooperationspartner in Betracht zu ziehen...dann will ich lieber nicht professionell sein.

Zwar ist das nur ein Hirngespinst in meinem eigenen Oberstübchen - schließlich hat mir sowas noch nie jemand vor den Latz geknallt - aber in meiner Vorstellung ticken potentielle Kooperationspartner nun mal so. Sie wollen eine Leistung einkaufen. Und Reichweite. Ich bin kein glatter Mensch. Ich hab mehr Ecken und Kanten als jedes Mehreck. Und ich mag das Ruhrgebiet. Ich hab es sogar richtig lieb. Und ich stecke gerne andere Menschen mit meiner Freude an der einen oder anderen Entdeckung und so manchem Erlebnis an. Und ich glaube, dass das hier so lange funktioniert hat, eben WEIL ich nicht gefiltert und eben nicht immer nur "Ach, tolles Leben! Immer AAAAALLES TOOOOOLL!" gerufen habe. Ich habe verdammt gerne mit meinen Ecken und Kanten im Schreibgepäck für meine Heimat geworben, aber ich möchte keine Schönschreibmaschine für Imageberichte sein. Ich persönlich vertraue nämlich auch selbst viel lieber solchen Menschen, die nicht nur an der Schönwetterfront unterwegs sind. Wer immer nur alles toll findet...?! Wie glaubwürdig kann derjenige bitte sein?


Ich habe hier nie gelogen. Ich habe nie behauptet, dass irgendetwas schön wäre, wenn ich es nicht so empfunden habe. Ich habe nur aufgehört, über die Kehrseite der Alltagsmedaille zu schreiben und habe meine Kodderschnauze in die Schranken gewiesen. Lange Zeit habe ich proklamiert, dass Imagewerbung fürs Ruhrgebiet nicht mit einem Retuche-Stift und glatter Werbepeitsche (wie sie von vielen Agenturen geschwungen wird) funktionieren kann. Das, was die meisten Menschen aus dem Ruhrgebiet mit ihrer Heimat verbinden, ist ein Gefühl. Und wenn man dieses Gefühl glaubwürdig transportieren möchte, muss man echt bleiben. Sonst ist man nur noch ein hohler Werbefritze. Und das will ich zum Verrecken nicht sein.

Deshalb spreche ich mich hier heute einfach selbst von meiner eigenköpfig gebastelten Zwickmühle frei. Ich höre ab sofort auf, irgendwelchen potentiellen Geldgebern gefallen zu wollen. Wenn das dann doof rüberkommt, dann liegt das Problem nicht ursächlich bei mir. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass kreatives Schreiben, ehrliche Imagewerbung und eine gute Reichweite im Medium Blog Authentizität vorraussetzen und wer das nicht versteht, ist halt nur so mittelschlau.

Mir bleibt dann das Problem, dass man mich als Folge vielleicht seltener für irgendwelche Jobs buchen möchte. Aber dann ist das halt so. Ich suche mir einfach wieder einen Job als Sozialpädagogin, habe wieder ein geregeltes Einkommen und kann hier wieder so eckig und kantig sein wie ich will. Wenn ich Lust auf einen lockeren Bericht habe, dann schreibe ich einen. Und wenn nicht, schreibe ich halt was Anderes. Wenn sich eine schöne Kooperation ergibt, schön! Wenn nicht, auch schön!

Ein Blog ist eine persönliche Angelegenheit (natürlich immer in einem gewissen Rahmen!). Wenn diese Persönlichkeit flöten geht, dann betreibt man plötzlich nur noch ein Online-Magazin im Agentur-Style. Das gilt für manche Blogs mehr, für manche weniger. Aber ich habe hier immer über mein Leben im Ruhrgebiet geschrieben und das setzt - anders als z.B. Rezepte auf Foodblogs oder Einrichtungstipps auf Interiorblogs - einfach eine gewisse Emotionalität voraus...denn so ein Leben ist nun mal ne emotionale Sache. Außerdem sage ich nicht ohne Grund immer wieder gern "Ruhrpott ist ein Gefühl"...und das gilt dann auch für diesen Blog. Und mit diesem Gefühl will ich im Reinen sein.


Ich habe mich jetzt so lange in ein "Ich will nicht scheitern, ich muss das schaffen"-Korsett gezwängt...dabei ist das echt einfach nur Schwachsinn! Ich scheitere dann, wenn das, was mir wichtig ist und am Herzen liegt, seine Echtheit verliert. Ich scheitere dann, wenn ich mich selbst verkrampfe, um irgendetwas so zu machen wie Andere es vielleicht für richtig oder richtiger halten. Und ich scheitere NICHT, wenn ich sage: So habe ich mir das alles nicht vorgestellt, fühlt sich kacke an, ich kehre wieder in meinen alten Job zurück. Dann habe ich nicht verloren. Dann habe ich gewonnen...und zwar mich selbst und das, was mir wichtig ist. Das, woran ich glaube. (Huch...wie pathetisch!)

Ich bin gerne Sozialpädagogin. Und ich bin gerne Bloggerin. Und ich schlafe abends gerne mit dem Gedanken an ein geregeltes Einkommen ein. Und ich will nicht mehr um Gelder feilschen, auf Aufträge hoffen oder immer wieder die Mühen und den Wert meiner Arbeit als Bloggerin erklären müssen, weil die meisten Menschen immer noch denken, dass man doch einfach mal eben so einen Blogpost schreiben oder so ein Video drehen könnte. Dass man einfach mal eben so ganz locker auf allen Social Media Kanälen aktiv sein und jeden Mailberg zackig abarbeiten könnte. Dass Fotos ja schnell gemacht sind. Dass Werbung mal eben schnell getippt wäre. Klar...vieles davon kann man vielleicht mal eben so runterreißen oder raushauen...aber wie sagt man so schön? Dann isset halt kacke!

Ich will nicht mehr zig Auftragsbälle in der Luft haben und ständig wie ein Heiopei unter diesen Bällen hin und her rennen, ohne zu wissen, welcher Ball iiiiirgendwann mal als Ball oder als Seifenblase in meiner Hand landet. Es passiert nämlich verdammt oft, dass vermeintlich tolle Anfragen ins Postfach flattern, man sich freut, voll den Kopp macht und Konzepte schreibt...und am Ende macht es "Plöpp" und die Seifenblase platzt, weil die Leute die Leistung gerne für umme oder für fast umme hätten. Für viele Leute ist der Blogger in Deutschland halt immer noch nur ein Blogger...ein kleiner Schreibfritze. Viele, viele Firmen gehen auf Blogger zu und wollen kooperieren, aber nur wenige wollen anständig dafür bezahlen. Dann wird einem häufig angeboten, dass man mit "Reichweite gegen Reichweite" zahlen würde. Das bedeutet, dass sie das, was man für sie kreiert, auf ihren Social Media Kanälen teilen und man selbst dadurch neue Leser gewinnen könnte. In Wahrheit haben diese Firmen aber oft nur einen Bruchteil der Follower, die man selbst auf Twitter, Facebook oder Instagram hat. Wer profitiert da also mehr?


Als Vollzeitblogger ist man nicht einfach nur ein lustiger Schreibfritze. Als Vollzeitblogger ist man Autor, Social Media Manager, Grafiker, Technik-Heini, Fotograf, Recherche-Heiopei, Mailmaschine, Kreativmopped, Marketingmensch, Kontakter und manchmal auch noch Filmemacher in einer Person...und wahrscheinlich habe ich jetzt sogar noch Einiges vergessen. Vor allem aber ist man irgendwann Experte im eigenen Themengebiet. Natürlich wird man von niemandem zu all dem gezwungen. Man macht das, weil man es gerne macht. Aber wenn Unternehmen von all diesen Fertigkeiten profitieren wollen, dann macht es auf Dauer einfach verdammt mürbe, wenn diese Fertigkeiten nicht als Arbeit, als wertiges Know-how und als tatsächliche Leistung anerkannt werden. Außerdem ignorieren viele Leute, dass Inhalte, die im Internet auf gut frequentierten Webseiten veröffentlicht werden, auch per se einen Wert haben. Diese Inhalte enthalten Links zu den entsprechenden Firmenwebseiten und davon profitieren die Firmen im Sinne konstanter Werbung, weil sie zum Einen jederzeit und dauerhaft anklickbar und lesbar sind, und weil sie zum Anderen dazu beitragen, dass die Firmenwebsite bei der Googlesuche ein besseres Ranking erzielt. Werbung, die man in den Printmedien für viel, viel Geld schaltet, landet hingegen ruckzuck im Altpapier.

Man kommt sich mit der Zeit einfach doof vor, das immer wieder zu erklären. Es fühlt sich einfach nicht gut an, den Wert der eigenen Arbeit immer und immer wieder rechtfertigen zu müssen. In manchen Bloggerkreisen - z.B. bei den Fashionbloggern - wird damit aus Unternehmersicht schon anders umgegangen, aber im Rahmen eines Regionalblogs hat man einfach schlechte Karten.

So. Kurzfassen lag mir noch nie, aber wenn ich einmal alles aufgeschrieben habe, dann kann ich das Geschreibsel meist voll gut zusammenfassen. Also fasse ich zusammen: So hatte ich mir das in meiner Blauäugigkeit alles nicht vorgestellt und ich möchte heimatPOTTential wieder etwas lieber haben können als es in letzter Zeit der Fall war. Ich habe keinen Bock mehr auf Druck, Pseudoprofessionalität und Zwickmühlen. Ich habe keinen Bock mehr auf diesen Seiltanz zwischen "echt bleiben" und "meine Leistung verkaufen müssen". Und ich will mir nicht mehr sagen müssen, dass das einem Scheitern entspricht. Tut es nämlich nicht.

Merke: Das tat jetzt mal richtig, richtig gut.
Und vielleicht mache ich hier jetzt mal 1-2 Wochen Pause.
Entscheide ich nach Lust und Laune.

Auf Futtertour durch Rüttenscheid [Verlosung + Werbung]

10. November 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, mal ganz ehrlich: Ich hasse Stadtführungen. Oder Museumsführungen. Naja. Vielleicht hasse ich einfach Führungen generell. Da muss ich mir Dinge erzählen lassen, die mich (vielleicht) gar nicht interessieren. Aber viel schlimmer noch: Ich muss gehen, wenn gegangen wird, und stehen, wenn gestanden wird. Mit anderen Worten: Ich muss mein Tempo anpassen. Und das finde ich richtig, richtig blöd.

Wenn ich also bei ner Stadtführung vor nem Haus stehe und irgendetwas erzählt bekomme, dann finde ich vielleicht das Eichhörnchen im Baum vor dem Haus viel toller, spannender und wichtiger und muss mich dann mit meiner Kamera anschleichen und mindestens 50x "Uhaaaaa, ein EICHHÖÖÖRNCHÄÄÄÄN!" schreiflüstern. Aber wenn man an einer Führung teilnimmt, ist das ja total unhöflich, weil sich der- oder diejenige, der die Gruppe führt, ja redlich um eine nette Informationsweitergabe bemüht. Und ich fühle mich dann wie ein Arschloch, das nicht aufmerksam zuhört und unangenehm aus der Reihe tanzt. Dieses Dilemma kenne ich ja nun schon mein Leben lang und deshalb nehme ich einfach nicht mehr an Führungen teil. Bis letzten Samstag. Und das war irgendwie ein Versehen. Aber ein glückliches.


Vor einigen Monaten wurde ich von "Eat the world" angeschrieben und zu einer Futtertour durch Essen-Rüttenscheid eingeladen. Futtern geht immer und deshalb hab ich einfach mal zugesagt. Schließlich gibt es in Rüttenscheid zahlreiche Lokale, die ich noch nie von innen gesehen habe, und außerdem...naja...Futtern geht halt wirklich immer...auch wenn einer vorneweg läuft und ab und an mal "So, hier gehen wir jetzt rein!" oder "So, wir ziehen jetzt weiter!" sagt. Jedenfalls hatte ich mir das so vorgestellt. Aaaaaber es kam anders.

Vor lauter "Futter-Bock" hatte ich mir die ganze Kiste nämlich irgendwie nicht genau durchgelesen. Jaja, Asche auf mein Haupt und so. Und deshalb war ich total perplex, als die Futtertour plötzlich mit Informationen zur Stadt Essen im Allgemeinen und zum Stadtteil Rüttenscheid im Besonderen startete. Eine sympathische Frau in meinem Alter sprach von der Entwicklung des Stadtteils, reichte Bilder herum, auf denen man die Gebäude, vor denen wir just standen, in ihrem Zustand vor dem zweiten Weltkrieg sah und...naja...sie erzählte halt. Ich fand sie wirklich sympathisch. Ehrlich. Aber trotzdem hab ich gedacht: "Maaaahhhh...watt erzählt die da?! Ich will essen gehen und nicht irgendetwas erzählt bekommen" und "HALT! Ist das hier etwa ne STADTFÜHRUNG?!".

Schnell nachgegooglet und Tatsache: Futtertour PLUS Stadtführung = kulinarische Stadtführung. Und ich so: "Mist!".

Also habe ich mich zunächst im Wesentlichen damit beschäftigt, das Herbstlaub zu fotografieren, wann immer wir irgendwo stehen blieben und etwas erzählt bekamen. Inklusive des schlechten Gewissens eines fiesen Ignoranten natürlich.


Die Führerin hieß übrigens Katja und lebt - von ein paar wenigen Exiljahren mal abgesehen - schon ihr ganzes Leben in Essen. Naja...und während sie so erzählte und ich im Laub rumwühlte, konnte ich mir ja schlecht was in die Ohren stopfen. Also hab ich natürlich trotzdem so halb zugehört. Und dann ist es irgendwann passiert: Katja hatte mich im Sack! Sie hat nämlich ECHT interessante "Sachen" erzählt, ohne die Gruppe totzuquatschen. Sie hat sogar "Sachen" erzählt, die ich mich echt schon seit Ewigkeiten gefragt habe. Vielleicht kennt Ihr das? Man fährt durch die Gegend, steht an ner roten Ampel, guckt ausm Autofenster und starrt irgendwas an. An diesem Irgendwas ist irgendwas komisch und man fragt sich was das eigentlich soll. Aber dann fährt man weiter seines Weges und vergisst dieses Irgendwas wieder...bis man irgendwann wieder davor steht und sich wieder das Gleiche fragt.

Und genau auf diese Fragen hatte Katja tatsächlich Antworten - und zwar ohne, dass sie danach gefragt wurde. Weil sie einfach von sich aus die richtigen "Sachen" erzählte. Soll heißen: Das Konzept von Eat the world mischt also Futterstationen mit einer kleinen Stadtführung...und zwar im besten Sinne! Wenn ich das noch nicht mal doof finden konnte, obwohl ich es wirklich doof finden wollte, dann musset wirklich gut sein. Klar, oder?

Ich weiß jetzt zum Beispiel was es mit dem Zoo-Büdchen auf sich hat. Das war für mich nämlich immer so ein "An der Ampel steh"-Mysterium. Was dahinter steckt, verrate ich Euch jetzt aber nicht. Könnt Ihr Euch ja von Katja erzählen lassen, denn ich empfehle Euch diese Tour hiermit nicht nur ausdrücklich, ich darf sogar 1x2 Plätze verlosen! Aber dazu später mehr.


Im Rahmen meines Blogs bin ich ja ziemlich viel unterwegs und häufig lehne ich "Sollen wir mal wieder in das Restaurant XY gehen?" ab, weil ich es viel spannender finde, irgendwelche neuen Gastronomien auszukundschaften. Damit will ich sagen: Ich kenne echt viele Lokale...vor allem in Essen...schließlich wohne ich dort.

Jedenfalls sah die Tour 7 Futter-Stationen vor und 6 davon hatte ich noch nie betreten. Das war für mich ein hammermäßiger Schnitt, zumal 5 dieser Stationen schon lange auf meiner "Musse ma rein"-Liste standen. Um aber jetzt nicht den Überraschungseffekt zu versauen, falls Ihr Lust bekommen haben solltet, selbst an der Tour teilzunehmen, erzähle ich Euch hier nur kurz und knapp von meinen zwei Highlights unter den besuchten Futterstellen:

1. Olivia Culinaria Italia ~ italienische Delikatessen
(Rüttenscheider Straße 109)


An diesem Geschäft bin ich schon locker 1000x vorbeigelaufen. Warum ich nie reingegangen bin? Wenn ich DAS mal wüsste! Ich habe noch nie so viele wundervolle Itlao-Delitkatessen auf einem Haufen gesehen. Alles liebevoll in der Verkaufstheke angerichtet: Von Datteln im Speckmantel über Vitello Tonnato, Blumenkohl-Ricotta-Krapfen, Pfifferlinge in weißem Balsamico, Lasagne, Pesto Genovese, bis hin zu buntem Linsensalat, Oliven en masse, feinsten Küchlein undundund. Jedenfalls hege ich jetzt den Plan, mir da im Dezember mal so richtig was zu gönnen. Dann marschiere ich da mit mindestens zwei Riesentüten raus, um zu Hause mal so richtig Italo-stattlich zu völlern. In dem Geschäft selbst lässt sich nämlich "nur" an Stehtischen speisen, aber das wird meiner Meinung nach diesen ganzen köstlichen Schätzchen nicht so richtig gerecht.

2. Schumskis Grill ~ DIE Pommesbude
(Klarastraße 19)


Wenn man mich in den letzten Jahren nach DER Essener Imbissbude im Currywurst-Pommes-Hähnchen-Himmel gefragt hätte, hätte ich schlichtweg keine Antwort gehabt. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand. Aber JETZT habe ich endlich eine Antwort: Schumskis Grill! Ganz ohne Witz: So und nicht anders muss ne anständige Pommfe sein: Familienbetrieb, lustiges Interieur-Wirrwarr, glänzender Hähnchengrill, astreine Pommes, die nicht vor Fett triefen, geile Mayo, tolle Wurst mit fruchtig-scharfer Geheim-Currysoße. Alles richtig, richtig gut und der Vater Schumski ist obendrein auch noch eine richtige Type mit herzlicher Pottschnauze. Kein Witz: Da werde ich künftig meinen Currywurst-Jeeper stillen und ich freue mich jetzt schon darauf, auch bald mal ein halbes Hähnchen zu probieren.

So. Das waren zwei meiner eigentlich vier Highlights und es juckt mir echt in den Fingern, Euch auch noch von den anderen Stationen zu erzählen, aber nein, mache ich nicht. Statt dessen sage ich einfach nur: MACHT EINFACH MAL MIT! In Essen gibbet übrigens nicht nur eine Tour durch Rüttenscheid, sondern auch durchs Nordviertel...klingt auch spannend, wenn Ihr mich fragt. Aber auch in vielen anderen Großstädten Deutschlands findet Ihr Eat the world-Touren...wäre ja vielleicht auch ein ganz nettes Weihnachtsgeschenk für den Einen oder Anderen, ne?

Aber falls Ihr nix kaufen, sondern lieber gewinnen wollt, kommt jetzt Eure Chance:


So geht's:
Ihr klickt einfach auf die Webseite von Eat the world und pickt Euch eine Stadt raus, die für Euch und Euren Hunger in Frage kommt. Per Kommentar lasst Ihr mich wissen, an welcher Tour (1) in welcher Stadt (2) Ihr gerne teilnehmen würdet. Ich lose einen Gewinner aus, melde mich per Mail bei Euch, bitte Euch darin um Eure Daten und leite sie dann an Eat the world weiter, damit man Euch zwecks Buchung eines genauen Termins kontaktiert. Feddich.

Die werten Teilnahmebedingungen:
  • Ihr müsst die Fragen 1 + 2 (siehe oben) pflichtschuldig beantworten.
  • Volljährige können mitmachen, Minderjährige müssen ihre Eltern anstacheln.
  • Der Rechtsweg ist total ausgeschlossen.
  • In der Lostrommel landen nur all diejenigen, die einen Kommentar samt MAILADRESSE hinterlassen. Eine Verknüpfung zum eigenen Blog oder zu einem google+ Profil reicht an dieser Stelle nicht aus!
  • Facebook-Kommentare werden nicht berücksichtigt.
  • Die Verlosung endet am 17.11. um 17:11 Uhr.
  • Ihr erklärt Euch einverstanden, dass ich Eat the world im Falle des Gewinns Eure Daten mitteile, damit sie Euch für die Tour Eurer Wahl buchen können.

Joa. Und jetzt habe ich Hunger. War ja zu erwarten. Zum Glück bin ich kein Foodblogger. Ich hätte dann einfach IMMER Hunger.

Ach so, der Vollständigkeit halber: Ich habe für diesen Post kein Geld erhalten, sondern wurde einfach nur zur Tour eingeladen. Aber da ich Euch eine Verlosung anbieten darf, muss eine Kennzeichnung als "Werbung" sein. Recht und so...


Merke I: Stadtführungen sind manchmal gar nicht doof!


Merke II: Es gibt immer und überall noch etwas zu entdecken. Und das ist gut so.


Keiner will kein Meerblickbett! Oder: Ab anne Ostsee!

5. November 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, ich hatte ja schon letztens bemängelt, dass es in diesem Internet einfach zu wenige Informationen über tolle Hotels mit Meerblickzimmern an deutschen und/oder niederländischen Küsten zu finden gibt. Man sucht sich echt dumm und dusselig, wenn man sich mal 1-2 schöne Auszeit-Nächte mit Blick aufs Meer gönnen möchte und keine Lust auf irgendeine Hutzelabsteige oder auf ein überteuertes Luxushotel hat. Joa. Und diesen Umstand prangere ich an!


Aber da Anprangern per se ja nicht viel bringt, stelle ich mich der Herausforderung, etwas dagegen zu unternehmen. Na gut, diese Angelegenheit zeichnet sich nicht unbedingt durch vollkommene Uneigennützigkeit aus, aber das macht nix. Soll heißen: Von Zeit zu Zeit werde ich es auf mich nehmen, ein Wochenendchen am Meer zu verbringen...und zwar so, dass ich das Meer nicht nur hören, sondern auch von meinem Gemach aus sehen kann, ohne mir den Kopp verrenken zu müssen. Challenge "Meerblickbett-Hotels"? Accepted!

In der Vergangenheit hatte ich Euch bereits das niederländische Hotel Golfzang in Egmond an Zee ans Herz gelegt und ich freue mich immer wieder wie Hulle, wenn ich mitbekomme, dass jemand diesem Tipp gefolgt ist und dann vor Ort genauso begeistert war wie ich. Aber man kann ja schlecht immer in das selbe Hotel fahren, ne? Na gut, kann man schon, aber is ja langweilig. Deshalb lege ich Euch heute das Seehuus Lifestyle Hotel am Timmendorfer Strand ans Reiseherz.


Aufgrund von akutem Stressikowski wollte ich einfach mal wieder raus. Ab ans Meer. Durchpusten lassen. Durchatmen. Wellenrauschen hören. All sowas eben. Also habe ich tagelang das Internet durchforstet, um ein schönes Hotelzimmer mit Meerblick aufzutun, denn wenn schon, denn schon. Fündig wurde ich an der Ostsee. Gebucht, hingefahren, den Blick aufs Meer vergöttert, aber das Baaaaadezimmer...! Das Badezimmer hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Ihr seht es auf dem Bild...


...das Bad liegt hinter einer Glasscheibe. Und das bedeutet was?! Dass man tatsächlich in der sich direkt hinter der Glasscheibe verorteten Badewanne liegen und das Meer sehen kann! Und was noch?! Klo mit Meerblick - ganz im Ernst! Wie toll ist DAS denn?!


Nun mag man das vielleicht nicht nuuuuur toll finden. Denn wenn man zu zweit anreist, dann will man ja nicht unbedingt aufm Klo sitzen und das tun, was man aufm Klo nun mal so tut, und dabei von seiner Reisebegleitung angeglotzt werden. Aber wenn die Reisebegleitung vielleicht mal kurz noch was aus dem Auto holen muss oder zum örtlichen Supermarkt tapert, kann man die Zeit schon entsprechend nutzen und sich aufm Klo einen grinsen, weil man "dabei" das Meer sieht.

Ansonsten lässt man halt die Jalousie runter. Dann sieht man zwar das Meer nicht, aber dafür wird man auch selbst nicht gesehen. Kann sich ja unter Umständen durchaus rechnen.

Es handelt sich übrigens um eine sehr anständige Glasscheibe, die keine Geräusche durchlässt. Ob die Jalousie nun oben oder unten ist...akustisch ist man so oder so in Sicherheit. Finde ich sehr relevant.


Das Zimmer an sich ist klasse, aber was soll ich da groß reden?! Die Fotos sprechen für sich. Ihr müsst Euch nur noch das Rauschen des Meeres dazu vorstellen, dann seid Ihr perfekt im Bilde.

Es gilt übrigens wie immer bei Meerbettblickzimmern: Man sollte im Zuge der Reservierung versuchen, ein Zimmer in einer der oberen Etagen zu ergattern. Je weiter oben man residiert, desto weniger drängt sich nämlich der Boulevard zwischen Strand und Hotel auf und das ist sowohl in visueller als auch in akustischer Hinsicht durchaus von Bedeutung.


Das Seehuus Lifestyle Hotel ist aber auch über seine tollen Zimmer hinaus ein echter Volltreffer: Das Frühstücksbuffet ist fulminant und bietet neben allem, über das man sich eh schon freut, eine tolle Auswahl an Fisch. Und Leberwurst gibt es auch. (Ich bin halt ne Leberwursttante.) Es gibt einen schönen Spa-Bereich mit Pool und finnischer Sauna, Dampfbad und Sanarium. Ein Fitnessraum steht zur Verfügung und man kann sich (gegen Aufpreis) massieren oder kosmetisch behandeln lassen.

Auch toll: Wenn man als Geburtstagskind im Seehuus nächtigt, bekommt man am Abend nicht nur ein Fläschchen Sekt zum Reinfeiern aufs Zimmer gebracht ("Huch! Es hat geklopft! Wer ist DAS denn?!"), sondern auch noch einen süßen, kleinen Kuchen zum Frühstück...mit Kerze! Das sind einfach Details, die ein Hotel nicht nur schön, sondern liebenswert machen.


Mit anderen Worten: Das Seehuus bietet alles, was man für ein anständiges Erholungswochenende braucht. Aber ehrlich gesagt habe ich den ganzen Wellnesskram links liegen lassen. Mir haben die Meerblick-Badewanne und die Ostsee vollkommen gereicht!


Der Timmendorfer Strand ist übrigens nur einen Katzensprung von Lübeck und St. Peter Ording entfernt. Die Ausflugsfront ist also gesichert, da gibbet nix zu meckern, auch wenn die Möwe da unten das Gegenteil vermuten lässt. Aber wahrscheinlich hatte sie einfach nur einen schlechten Tag...


Ich kann mir zwar nicht vorstellen wie man in Anbetracht dieser Traumkulisse einen schlechten Tag haben kann, aber so ne Möwe wohnt ja am Meer. Da weiß man diesen Glücklichmacherluxus anscheinend nicht mehr so zu schätzen. Ich jedenfalls bin angesichts von Meer, Schiffsmasten, Abendrot und Fish'n'Chips am Hafen ziemlich glückselig unterwegs gewesen...


So. Wisseter Bescheid. Ich fühle mich ab sofort für die Aufklärung in Sachen Meerblickbetten zuständig und freue mich, wenn Ihr mit dem einen oder anderen Tipp etwas anfangen könnt. Und falls dem so ist, lasst es mich wissen und schickt mir vielleicht ein Winke-Foto vom Strand. Oder so. Und falls IHR mir eine Residenz mit Meerblick empfehlen könnt...immer her damit!

Merke I: Mein aktuell liebstes Meerblickbett in Holland findet Ihr HIER.

Merke II: Ostsee-Spökes im Bewegtbild a.k.a. Video gefällig?
Bitte schön: KLICK!


Ein pottscher Alltagsboykott. Oder: Herbst sticht ALLES!

2. November 2015

Liebes Ruhrgebiet und Rest vonne Welt, in letzter Zeit fehlt mir einfach Zeit. Für alles. Und das ist doof. Naja. Jedenfalls habe ich dieses "Keine Zeit"-Ding gestern einfach mal boykottiert. Manchmal muss das sein. Dann muss man die Küche weiter vor sich hinschmuddeln und die Arbeit Arbeit sein lassen. Alle paar Wochen für 3-4 Stündchen einfach mal auf alles pfeifen...das wird ja wohl noch erlaubt sein!

Jedenfalls habe ich mir gestern meine Kamera geschnappt und dem Herbst gefrönt. So richtig schön mit raschelndem Laub unter den Füßen, einer heißen Schokolade to go, goldenem Licht zum Sonnenuntergang und einem gepflegten Ausblick auf den Baldeneysee und die Ruhr.


Wenn ich nach meinem Lieblingsplatz in Essen gefragt werde, dann antworte ich immer total langweilig ein- und dasselbe: Am meisten mag ich diesen kleinen Spazierweg am Baldeneysee bei Haus Scheppen.


Die Strecke ist keine zwei Steinwürfe lang, aber in Wahrheit will ich da ja auch gar nicht groß spazieren gehen, sondern nur das Wasser und die gegenüberliegende Zeche Carl Funke anschmachten. Und im Herbst geht das besonders gut, denn die großen, alten Bäume schmeißen eine wunderbare Laubparty und tauchen die gesamte Szenerie in die schönsten Farben.


Nun klingt das alles nach absoluter Idylle, ne? Gelogen ist da auch nix, aaaaaber am Wochenende gesellt sich zu eben jener Idylle auch eine dicke Dosis Jahrmarkt-Flair, denn vor Haus Scheppen tummeln sich im Rahmen der letzten wärmeren Tage des Jahres ganze Horden von Mopped-Fahrern. Eine dicke Kiste parkt neben der anderen, an den Büdchen wird gegrillt und man fühlt sich ein bisschen wie auffer Kirmes, weil man sich gegenseitig in einer Tour in die Haken tritt...aber zum Glück ohne nerviges Musikgedudel und "Gewinnegewinnegewinne"-Geschrei. Mit soooo viel Tumult hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet, aber wenn ich ne leckere Grillwurst abstauben kann, werde ich den Teufel tun und mich beschweren...


Ehe ich mir die Wurst gegönnt habe, hab ich übrigens etwas gemacht, das mir sogar für meine Verhältnisse ganz schön bekloppt vorkam. Ich hatte, als ich mein neues Blogdesign online gestellt hatte, ja groß getönt, dass ich meinen Header saisonal wechseln würde. Und nu hamwa schon fast Winter und ich stand da oben immer noch mitten in der Frühlingspampa rum. Und auf meiner heimatPOTTential-Fanpage auf Facebook sah das Elend sogar noch schlimmer aus...ich sag nur "kurze Buxe und nackte Beene". Das konnte ja nicht so weitergehen! Es mussten also neue Header-Fotos her.

Nun ja. Solche Headerfotos muss man ja ein Weilchen ertragen können. Also muss man sich anständig überlegen was man dafür anzieht. Nu bin ich aber gar nicht der Typ, der sich sowas groß oder gut überlegen will. Ich zieh halt was an...und feddich. Aber ich wollte nicht schon wieder monatelang mit nem Headerfoto dastehen und "Mahhhh...hätteste mal was Anderes angezogen!" denken müssen. Diesmal wollte ich schlauer sein.

Dieses Schlauer-sein-wollen endete dann damit, dass ich mich nicht entscheiden konnte und tatsächlich einen ganzen Rucksack voller Klamotten an den Baldeneysee geschleppt und mich dort mitten im Getümmel umgezogen habe. Das an sich ist schon ziemlich behämmert, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich dann ein Foto, auf dem ich noch das erste Outfit trage, gewählt habe, ist es echt noch bekloppter. (Ich lächle ja immer ein bisschen böse über Fashion-Blogger, die sich einfach immer nur irgendwo hinstellen und sich in (krass!) Kleidung fotografieren (lassen), aber regelmäßig möchte ich das auch nicht machen...also so gezielt. Nicht dass jetzt einer denkt, dass ich auf Dauer lieber nackig...ach, egal. Ihr versteht mich schon.)


Hin und weg war ich übrigens nicht nur von der Kulisse per se, sondern erst recht von diesem Stand-up-Paddler unterm Förderturm. Boah!


Ich will auch so ein Foto von mir...auf nem Surfbrett, mit Paddel im Patschehändchen und dem Förderturm im Rücken. Und wenn ich nur für dieses eine Bild da hinschwimme und mich auf das Brett hieve...ich will GENAU SO EIN BILD! Aber ich warte lieber noch ne Runde auf wärmeres Wetter und wärmeres Wasser.

Mit der Grillwurst im Bauch ging es dann weiter nach Kettwig. Da bin ich ja irgendwie so gut wie nie. Auch nicht so schlau, denn da isset echt verdammt schön. Hutzelige Häuschen, viele nette Cafés und Restaurants, durch die ich mich mal durchfuttern könnte, ganz viele schöne Treppchen und verwinkelte Gassen...und die Ruhr...in ihrer ganzen Pracht...


Die Ruhrmöwen stehen ihren Kollegen vom Meer übrigens in NICHTS nach. Wollte ich nur mal gesagt haben...


Zu meinem großen Amüsement saßen an der Ruhr zwei Herren rum und haben musiziert. Stellt Euch das mal kurz vor: Ich so im totalsten Ruhrpott-Herbstfetisch-Flash...und dann spielen die beiden "Viva Espania". Fand ich unpassend, aber großartig, also hab ich den Beiden erst mal ordentlich was in den Hut geworfen. Für gute Comedy kann man ruhig mal bezahlen, finde ich.


Also...ersetzt Espania durch "Ruhrgebiet" (kriegt man mit etwas Mühe betonungstechnisch sogar einigermaßen hin!) und nehmt DAS:


Viel schöner hätte mein "Keine-Zeit-für-nix-Boykott" kaum laufen können. Wenn ich jetzt noch das schöne Laub auf den Straßen konservieren und die letzten bunten Blätter an den Bäumen festtackern könnte, dann wäre ich sogar fürs Erste halbwegs zufrieden. So schön der Herbst auch ist...mit jedem Blatt, das fällt, kommt man den kahlen Wintertagen ja nur näher und näher. Ein schreckliches Dilemma, wenn Ihr mich fragt.


Ich freue mich immer soooo sehr, wenn ich durch einen Laubregen fahre oder laufe. Wenn die Blätter im Fahrtwind tanzen, möchte ich am liebsten immer sofort eine Vollbremsung hinlegen, um das Spektakel zu fotografieren. Blätterregen ist echt mal - mit Verlaub - geiler Scheiß, oder?

Auf Instagram flippe ich in Sachen #Herbstfetisch und #Halloherbst15 übrigens zur Zeit ganz schön aus. Ich kann einfach nicht anders...


Aber hilft ja alles nix. Zurück zu "keine Zeit für nix". Das Wetter soll ja in den nächsten Tagen weiter recht freundlich bleiben. Also hoffe ich einfach mal, dass ich noch eine weitere kleine Herbst-Reha zwischen meinen Alltag und Irrsinn quetschen kann. Und falls Ihr Lust habt, mich online auf EURE Herbstausflüge mitzunehmen...mehr als gerne! Hinterlasst, wenn Ihr mögt, doch einen Link zu Euren Bildern oder Blogposts...dann kann ich da vielleicht ein wenig auftanken, falls ich doch nicht vom Schreibtisch wegkommen sollte.

In diesem Sinne: Viva Ruhrgebiet! Viva Herbst! Und bis die Tage!

Merke: Herbst sticht ALLES!

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